Astronomie Vagabund im All – Erdgroßer Planet fliegt durch die Galaxie

Schurkenplaneten wie OGLE-2016-BLG-1928  (Computersimulation) sind  vagabundierende Himmelskörper  von  planetarer Masse, die eine Galaxie direkt umkreisen. Foto: Jan Skowron/Astronomical Observatory, University of Warsaw/dpa
Schurkenplaneten wie OGLE-2016-BLG-1928 (Computersimulation) sind vagabundierende Himmelskörper von planetarer Masse, die eine Galaxie direkt umkreisen. Foto: Jan Skowron/Astronomical Observatory, University of Warsaw/dpa

Forscher haben schon Tausende Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Doch nun verweisen sie auf einen ganz besonderen Himmelskörper – einen Schurkenplaneten, der ohne Stern durch die Milchstraße vagabundiert.

Leben: Markus Brauer (mb)

Warschau - Ein erdgroßer Planet vagabundiert wohl frei durch die Milchstraße. Der Planet namens OGLE-2016-BLG-1928 sei der kleinste der bislang entdeckten Planeten, für die noch kein zugehöriger Stern nachgewiesen worden sei, schreiben Forscher um Przemyslaw Mróz von der Universität Warschau, der auch am California Institute of Technology arbeitet.

Solche auch Einzelgänger- oder Schurkenplaneten genannten Himmelskörper sind äußerst schwer zu finden, so dass es nur sehr wenige Nachweise von ihnen gibt. Schurkenplaneten (englisch Rogue planet) sind vagabundierende Objekte von planetarer Masse, die eine Galaxie direkt umkreisen. Sie wurden entweder aus dem Planetensystem, in dem sie entstanden, herausgeschleudert oder waren nie durch Gravitation an einen Stern gebunden.

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Circa 4000 Exoplaneten sind bekannt

Bislang sind über 4000 kleine und größere Exoplaneten bekannt, die einen Stern umkreisen. Diese können Forscher beispielsweise nachweisen, wenn die Planeten vor ihrem Stern vorbeiziehen und ihn ganz leicht verdunkeln.

Es gebe einige Hinweise darauf, dass der Schurkenplanet sogar kleiner sei als die Erde und wahrscheinlich eher Marsgröße habe, sagte Mitautor Radoslaw Poleski, ebenfalls von der Uni Warschau.

Rund ein Dutzend frei schwebende Planeten entdeckt

Bislang seien rund ein Dutzend Schurkenplaneten entdeckt worden, erklärt Mitautor Andrew Gould vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Auch bei ihnen sei noch nicht abschließend geklärt, ob sie um einen Stern kreisen.

Die Chancen, dass sie frei schweben, seien jedoch gut: Die Modelle der Planetenentstehung besagten, dass viele kleine Planeten aus ihrem System herauskatapultiert werden. Gould hält es für möglich, dass es fünf bis zehnmal so viel freischwebende Planeten gibt wie Sterne.

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Das Team der Universität Warschau hat sein sogenanntes Optical Gravitational Lensing Experiment (OGLE), bei dem Planet OGLE-2016-BLG-1928 entdeckt wurde, vor 28 Jahren gestartet. Derzeit nutzt es ein 1,3-Meter-Teleskop in Chile, um den Himmel nach winzigen Helligkeitsänderungen von Hunderten Millionen Sternen abzusuchen, wie die Universität berichtet.




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