Atommüll-Zwischenlager Gemmrigheim Ein Mäuerchen gegen Terroristen

Von meb 

Vor dem Eingang des Zwischenlagers in Gemmrigheim soll eine kleine Mauer gebaut werden: 1,40 Meter hoch, einige Meter lang und ohne festes Fundament. Angeblich soll sie dem Schutz vor Terror dienen.

Das  Zwischenlager beim Atomkraftwerk Neckarwestheim soll besser gegen Angriffe von außen geschützt werden. Foto: dpa
Das Zwischenlager beim Atomkraftwerk Neckarwestheim soll besser gegen Angriffe von außen geschützt werden. Foto: dpa

Gemmrigheim - Die Gemmrigheimer Gemeinderäte atmeten auf, als sie vergangene Woche erfuhren, dass die neue Mauer auf dem Gelände des Kernkraftwerks Neckarwestheim kein festes Fundament bekommen soll. Allerdings hatten sie dabei eher die Furcht im Kopf gehabt, dass ihr Standort zu einem Endlager für Atommüll werden könnte, als den Gedanken an die Abwehr von Terroristen. Denn wie eine kurze, kleine Mauer ohne Fundament vor Anschlägen bewahren soll, bleibt unklar.

Die Abstimmung im Gemmrigheimer Gemeinderat war im Prinzip nur eine Formalie: „Wir können gar nichts dagegen haben, schließlich handelt es sich um eine Sicherheitsvorschrift“, erklärt die Bürgermeisterin Monika Chef. Allerdings hätten sich die Gemeinderäte zunächst trotzdem schwergetan mit der Zustimmung zum Bau einer Mauer vor dem Eingang des Zwischenlagers für Atommüll. Denn eine solide Mauer mit festem Fundament wäre laut Chef ein Indiz dafür gewesen, dass das Gelände des Atomkraftwerks Neckarwestheim, das sich zum Teil auch auf Gemmrigheimer Gemarkung befindet, als Endlager für Atommüll im Gespräch ist. Der Schutzwall soll aber aus Betonverbundteilen entstehen, „das ist gut, dann kann er leicht wieder abgebaut werden“, sagt Chef. Das deute zum einen darauf hin, dass dieser nicht für die Ewigkeit konzipiert sei, zum anderen sei auch die Nachnutzung des Geländes nach der Abschaltung des Kraftwerks einfacher, wenn kein festes Bauwerk dazu komme.

Durchfahrschutz zur Terrorabwehr

Ihr sei vom Bundesamt für Strahlenschutz mitgeteilt worden, dass der sogenannte Durchfahrschutz der Terrorabwehr dienen solle, sagt Monika Chef. Wie dies mit einer kleinen Mauer möglich sein soll, sei ihr allerdings auch nicht klar – vielleicht als Bollwerk gegen Lastwagen, die mit Vollgas auf das Gelände und dann ins Zwischenlager fahren könnten? Beim Bundesamt für Strahlenschutz will man keine Auskunft geben und verweist an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

Details gibt es auch dort nicht, denn die Einzelheiten unterlägen der Geheimhaltung, heißt es beim BMUB. Schließlich wolle man die Wirksamkeit der Maßnahmen nicht dadurch beeinträchtigen, dass man potenziellen Tätern Starthilfe gebe. Nur so viel: Die geplante Mauer sei Teil eines Nachrüstungsprogramms für alle deutschen Zwischenlager, das dem „Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter“ diene. Als solche gälten auch terroristisch motivierte Taten.

Keine neue Gefährdungslage bei Atomkraftwerken

Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Transport- und Lagerbehälter selbst genügend Schutz gegen Angriffe von Dritten böten, teilt das BMUB auf seiner Internetseite mit. Doch im Zusammenhang mit den regelmäßigen Überprüfungen der Sicherungsmaßnahmen sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine Nachrüstung nötig sei. Was an welchem Standort für erforderlich gehalten werde, sei zunächst Sache des Betreibers, teilt Ralf Heineken mit. Er ist Sprecher des Umweltministeriums Baden-Württemberg, das als Aufsichtsbehörde der Atomkraftwerke im Land fungiert. Ob die Maßnahme als ausreichend erachtet werde, hänge dann davon ab, wofür oder wogegen sie gedacht sei. Klar sei aber, dass die Nachrüstung „nicht aufgrund einer veränderten Gefährdungslage für kerntechnische Einrichtungen in Deutschland“ erfolge, betont Heineken.