Aufschwung bei Eintracht Frankfurt Filip Kostic – der Dauerbrenner und Dampfmacher

Von Frank Hellmann 

Vor dem Auftritt bei Dortmund: Filip Kostic ist die Schlüsselfigur bei Eintracht Frankfurt und gehört in vier Kategorien zu den Topspielern der Bundesliga.

Der Serbe Filip Kostic ist der Spieler, der den Unterschied macht. Foto: imago/Rene Schulz
Der Serbe Filip Kostic ist der Spieler, der den Unterschied macht. Foto: imago/Rene Schulz

Frankfurt - Es könnte bei Eintracht Frankfurt die Geste der Rückrunde werden: Filip Kostic hält ein mit den Händen geformtes Fernglas vor den Augen und nimmt Gratulationen der Mitspieler entgegen. Diese Idee zum Torjubel entstand im Wintertrainingslager in Florida, als gewiss nicht zu erahnen war, auf welcher Erfolgswelle der hessische Bundesligist ins neue Jahr reiten würde. Vor dem Gastspiel bei Borussia Dortmund (Freitag 20.30 Uhr) sind die Adlerträger als punktbestes Rückrundenteam mit dem FC Bayern so etwas wie die Mannschaft der Stunde. Und ihr bester Spieler steht links außen: Zuletzt schnürte der serbische Nationalspieler Kostic in der Liga gegen den FC Augsburg (5:0) und im Pokal gegen RB Leipzig (3:1) je einen Doppelpack.

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Der 27-Jährige brillierte in diesen Partien als nimmermüder Vorlagengeber und sicherer Vollstrecker. Wer Frankfurt 2020 schlagen will, muss irgendwie die Nummer zehn einbremsen. Der Dauerbrenner und Dampfmacher ist die mit Abstand wichtigste Waffe bei der Eintracht. „Er spielt Fußball wie kein anderer: mit einer unglaublichen Dynamik, mit einem unglaublichen Durchsetzungsvermögen“, erklärte Trainer Adi Hütter für seine Verhältnisse fast überschwänglich. „Er verkörpert die Art und Weise, die zum Verein passt: sehr emotional, mit Herz und Leidenschaft.“ Der Österreicher erklärte schon häufiger, er habe es nie verstanden, wie dieser Unterschiedsspieler in die falsche Schublade geraten konnte. „Er ist einfach ein toller Spieler.“

Dem Flügelspieler haftet ein Makel an

Im August 2018 Jahren wurde Kostic zunächst auf Leihbasis vom Hamburger SV verpflichtet. Ihm haftete der Makel eines Absteigers an, der schon beim VfB Stuttgart nicht richtig funktioniert hatte. Heribert Bruchhagen, einst beim HSV als Vorstandsvorsitzender in der Verantwortung, sprach über die „Pappnase Kostic“, als er den Profi in Frankfurt sah. Heute erkennt Frankfurts Torwart Kevin Trapp in ihm ein „Mentalitätsmonster, denn den kriegst du nicht klein.“ Inzwischen agiert die Eintracht bewusst linkslastig, weil da einer sprintet, flankt, kämpft und rennt, als gebe es kein Morgen mehr. Im Kalenderjahr 2019 bestritt von allen Bundesligaprofis nur Joshua Kimmich mehr Pflichtspiele (58) als Kostic (57).

In der aktuellen Spielzeit überholt sich der Vielspieler noch einmal selbst: Niemand schlägt so viele Flanken wie Kostic, der 120 Hereingaben in den Strafraum gefeuert hat. Der Zweitplatzierte Christian Günter (SC Freiburg) kommt auf 73. Seine 59 Torschüsse sind die drittmeisten im Ligavergleich genau wie die 263 gewonnenen Zweikämpfe. Und mit seinen 559 Sprints liegt er auch noch auf Platz sechs. Dazu war Kostic jetzt an zehn der 13 Frankfurter Rückrundentore beteiligt. Wettbewerbsübergreifend sind bei ihm in dieser Spielzeit elf Treffer und zwölf Assists für die Eintracht gelistet. Seine Mannschaft freut sich nach der letzten Dienstreise auf die K.-o.-Duelle in der Europa League gegen den FC Salzburg.

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Viele dachten, mit der Umstellung auf eine Viererkette zum Jahreswechsel könnte das Powerpaket mit der Pferde-lunge womöglich nicht mehr genügend Raum vorfinden, nachdem er zuvor bei einer Dreierkette die gesamte Seite alleine beackerte. Jetzt aber zeigte sich, dass es gar nicht verkehrt ist, wenn hinter ihm Evan Ndicka als Linksverteidiger aufläuft. „Er ist ein großes Talent“, sagt Kostic über seine Absicherung aus Frankreich. Der 20-Jährige erspart ihm manch kraftraubenden Spurt in die eigene Hälfte.

Kostic-Verkauf brächte hohen Erlös

Obwohl der Klub seinen Vertrag bis 2023 ausgedehnt hat, ist längst nicht klar, ob Kostic über den Sommer hinaus bleibt. Sein aktueller Marktwert liegt bei 38 Millionen, und damit könnte Sportvorstand Fredi Bobic nach den Verkäufen der gesamten Büffelherde aus Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller gleich der nächste opulente Erlös winken.

Zudem kann sich die serbische Nationalelf über die Play-offs noch für die Europameisterschaft 2020 qualifizieren. Möglicherweise sind die Weißen Adler dann sogar Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Dreht Kostic bei dem paneuropäischen Turnier so auf wie gerade in der Bundesliga, stehen die Interessenten vermutlich Schlange – wenn sie das nicht ohnehin schon tun.