Aus für den Kiosk an der Helfferichstraße in S-Nord Kiosk wird zur Toilette für Behinderte umgebaut

Von Eva Funke 

Graffiti machen die Fassade des Gebäudes in Stuttgart-Nord zum Hingucker. Aber einen Kiosk soll es dort nicht mehr geben. Der Platz wird für ein Behinderten-WC benötigt.

Bald schönstes Behinderten-WC? Der Kiosk in  der Helfferichstraße.. Foto: Stuttgart Netze
Bald schönstes Behinderten-WC? Der Kiosk in der Helfferichstraße.. Foto: Stuttgart Netze

Stuttgart-Nord - Der Kiosk an der Helfferichstraße ist Vergangenheit – seit der Inhaber vor gut einem Jahr in Rente gegangen ist. Das Gebäude gehört je zur Hälfte der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) und der Stuttgart Netze GmbH. In der AWS-Hälfte ist außer dem Kiosk eine öffentliche Toilette. Die Stuttgart Netze GmbH betreibt in ihrer Hälfte eine Umspannstation. Nach Auszug des Kiosks drohte das Gebäude zum Schandfleck zu werden: Immer mehr Sprayer sprühten die Fassade illegal mit ihren Graffiti zu. Deshalb haben die Eigentümer beschlossen, das Gebäude aufzuwerten.

Mittlerweile ist der Bau zu einem Hingucker in der Straße geworden – durch Sprayer: Die Stuttgarter Graffitikünstler „2WEI Urban Art“ haben die Fassade zu einer Galerie mit Ansichten aus der Vergangenheit des Viertels gemacht: Ein Bus von anno dazumal fährt an Häusern aus der Gründerzeit vorbei. Das Ganze ist in Brauntönen gehalten. Dadurch wirken die vier bemalten Seiten des rechteckigen Flachbaus wie Fotos aus den 1950er Jahren. „Etwa ein Jahr lang haben wir uns damit beschäftigt, wie wir das Gebäude aufwerten können“, sagt Moritz Oehl, Sprecher der Stuttgart Netze. Da bereits eine Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft und dessen Graffiti-Beauftragtem Florian Schupp besteht, lag es nahe, mit den Sprayern zusammenzuarbeiten. Zunächst sei eine „grellere, abstrakte Malerei im Comic-Stil“ geplant gewesen. Da hat das Liegenschaftsamt nicht mitgemacht. Oehl: „Gewünscht war eine Gestaltung, die das Gebäude in ein optisches Highlight verwandelt. Dabei sollten jedoch Motive und Farbgebung dem Viertel und seinen Bürgern angemessen sein.“

Bezirksbeirat ist nicht begeistert vom Aus für den Kiosk

Gemeinsam mit den Stadtplanern habe man dann die Idee entwickelt, dass die Kunst auf dem Gebäude Stadtansichten des Viertels zeigen sollte. Oehl: Obwohl Graffiti-Künstler sich nicht gern etwas vorschreiben ließen, habe man mit Jan Haas und Roman De Laporte zwei Gefunden, die die Herausforderung angenommen haben. Beide haben schon zahlreiche Flächen in Stuttgart gestaltet, unter anderem auch die Stuttgart Netze-Umspannstation in der Neckartalstraße 276. In der Helfferichstraße haben Haas und De Laporte nicht nur mit der Spraydose, sondern auch mit dem Pinsel gearbeitet. Dabei herausgekommen ist ein Werk, das vor allem auch den Anwohnern gefällt.

Ende kommenden Jahres soll das schönsten Klohäuschen der Stadt auch Behinderten-WC werden: Einen Kiosk soll es dort nicht mehr geben. „Wir brauchen den Platz, um die Toiletten in dem Gebäude behindertengerecht umzubauen“, stellt Udo Hofmeister von der AWS fest. Langfristiges Ziel ist es , alle 72 Toilettenanlagen in der Stadt behindertengerecht einzurichten, „da Behinderte ein Recht darauf haben, öffentliche WCs zu nutzen“.

So begeistert auch die Bezirksbeiräte von der neuen Gestaltung des Gebäudes sind, das endgültige Aus für einen Kiosk stößt in dem Gremium nicht auf Gegenliebe. Jürgen Klaffke (Die FrAKTION) sieht darin einen „Angriff auf die Nahversorgung“. Anna Kedziora (Freie Wähler) hält ein Behinderten-WC dort nicht unbedingt für notwendig. Die Überlegung im Gremium: Ob in der kommenden Sitzung ein Antrag auf Überdenken dieser Entscheidung gestellt werden soll.

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