Ausbau der B27 Mögliche Wege zur breiteren Schnellstraße

Ein gewohntes Bild: Stau auf der B27 bei Echterdingen. Die Strecke gilt als  die  am meisten befahrene Bundesstraße in Deutschland Foto: dpa/Marijan Murat
Ein gewohntes Bild: Stau auf der B27 bei Echterdingen. Die Strecke gilt als die am meisten befahrene Bundesstraße in Deutschland Foto: dpa/Marijan Murat

Am Montag wurden in Leinfelden-Echterdingen die Details zur Erweiterung der Schnellstraße B27 erörtert. Dort ist die Sache wegen des Tunnels und einiger Brücken etwas kniffliger als in Filderstadt.

Filder - Aus vier mach sechs: Die B27 wird zwischen den Anschlussstellen Aichtal und Echterdingen-Nord auf 9,5 Kilometern in jede Fahrtrichtung um eine Spur erweitert. Vergangene Woche ist den Filderstädtern vorgestellt worden, welche Veränderungen das in ihrer Stadt nach sich zieht, am Montag dieser Woche hat das Regierungspräsidium (RP) in Leinfelden-Echterdingen die Planungen vorgestellt.

Dass der Ausbau der Fernstraße alternativlos ist, hat der Bund längst festgelegt. Seit 2016 wird das Projekt im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft. Tatsächlich ist die B27 die am meisten befahrene Bundesstraße Deutschlands. Verkehrszählungen haben 2018 bis zu 91 600 Fahrzeuge pro Tag registriert, Prognosen gehen bis 2035 von noch mal 15 bis 25 Prozent mehr aus. Schon jetzt verlieren Pendler morgens Richtung Stuttgart bis zu zwölf Minuten – und fahren durch Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.

Schleichverkehr soll eingedämmt werden

Diesen Schleichverkehr soll der sechsspurige Ausbau der B27 beenden. Das RP hat drei mögliche Varianten erarbeitet, das Bundesverkehrsministerium wird sich im Frühjahr entscheiden müssen. Nummer eins verbreitert die Trasse symme­trisch um je eine Spur, bei Variante zwei bleibt die bestehende B27 zunächst unberührt, während östlich davon eine komplett neue Fahrbahn in Richtung Stuttgart gebaut wird. Später wird alles zusammengeführt. Variante drei ist eine optimierte Version von Variante zwei, bei der gut fünf Meter weniger ins Grünland eingegriffen werden muss. Im direkten Vergleich scheint Variante drei die beste zu sein. Nicht nur ist sie die kostengünstigste, sondern auch die mit dem geringsten Flächenbedarf, zumal bei zwei und drei die Bauzeit deutlich kürzer ausfällt und der Verkehr wenig gestört wird. Einzig beim Ackerlandverbrauch zeigt Variante eins einen Vorteil.

Auf der Gemarkung Leinfelden-Echterdingen gibt es einige Besonderheiten: den Zeppelintunnel mit der L1208a in Richtung Bernhausen obendrauf, außerdem Brücken an den Anschlussstellen LE-Mitte (hier führt die L1192 in Richtung Messe und Plieningen drüber) und -Süd (darauf verläuft die Verbindung zwischen Stetten und Bernhausen). Sämtliche Bauwerke müssen abgerissen und neu gebaut werden. Die gute Nachricht: In allen Varianten bleiben sämtliche Verbindungen während der mehrjährigen Bauphase bis auf Kurzzeitsperrungen intakt, auch die in den Unterführungen, die vor allem Bauern betreffen. Bei LE-Süd wird mit einer Hilfsbrücke gearbeitet, bei LE-Mitte werden die neuen Auto- und Fußgängerbrücken neben den bestehenden gebaut. Sobald die fertig sind, wird der Verkehr auf sie umgeleitet, damit der Abriss der alten Brücken starten kann.

Bürger stellen Ausbau-Bedarf in Frage

Am Zeppelintunnel wird es komplizierter. Dort soll zunächst eine komplett neue Röhre in Richtung Stuttgart gebaut werden. Sobald sie fertig ist, werden der B-27-Verkehr durch sie und der Verkehr Richtung Bernhausen darüber geleitet, sodass der alte Teil abgerissen und neu gebaut werden kann. Allerdings: In der symmetrischen Ausbauvariante eins werden am Tunnel provisorische Brücken sowie eine aufwendige Umleitung der B27 durch einen Graben fällig. Die alte Krauthalle – heute ein Bauhof-Lager – ist indes in keiner Variante zu retten. Der Gebäudekomplex muss weichen.

Die Bürger beschäftigt jedoch etwas anderes. Viele stellten den Ausbau-Bedarf grundsätzlich in Frage. Sie wollen weniger Versiegelung und eine Schonung der Filderböden. Manche verwiesen darauf, dass coronabedingt weniger Autos unterwegs seien. Verkehrsplaner Frank Gericke machte ihnen aber keine Hoffnung, dass das so bleibt. Nach der Finanzkrise 2009 habe sich der Verkehr bis 2012 erholt und bis heute weiter gesteigert. Auch der ÖPNV könne das nicht kompensieren. Zumal nach den Bundesrichtlinien ein Ausbau von autobahnähnlichen Bundesstraßen bereits ab mehr als 60 000 Fahrzeugen in 24 Stunden geboten ist.




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