Auseinandersetzung in Ludwigsburg Nach Prügelei mit Kellnern: Mieter erhält Kündigung

Von Michael Bosch 

Anfang März gipfelt ein monatelanger Streit zwischen Restaurantbeschäftigten und den Nachbarn in einer handfesten Auseinandersetzung. Nun steht Aussage gegen Aussage – und eine Familie droht ihre Wohnung zu verlieren.

Das Restaurant Antik in der Asperger Straße in Ludwigsburg. Foto: factum/Jürgen Bach
Das Restaurant Antik in der Asperger Straße in Ludwigsburg. Foto: factum/Jürgen Bach

Ludwigsburg - Es ist Sonntagabend, das türkische Antik Restaurant in Ludwigsburg ist rappelvoll. Plötzlich fällt der Strom aus. Eine 28-jährige Kellnerin geht in das Nachbargebäude, dort befindet sich der Stromkasten. Davor warten bereits zwei Männer und eine Frau. Im Polizeibericht heißt es, die Frau habe die Kellnerin gepackt, und sie so an den Haaren gezogen, dass sie zu Boden gestürzt sei. Die 28-Jährige sei zurück ins Restaurant geflüchtet, ein Kollege ihr zu Hilfe geeilt. Anschließend spielten sich auf der Straße wilde Szenen ab. Einer der Männer, die neben dem Restaurant wohnen, soll den Kellner festgehalten, der andere auf ihn eingeschlagen haben. Vier Personen werden an dem Abend Anfang des vergangenen Monats verletzt, die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Vorfall ist der Höhepunkt monatelanger Streitereien zwischen Restaurantbesitzer und Nachbarn. Der Auslöser ist offenbar ein Parkplatz hinter dem Gebäude. Dort haben wohl auch die Bewohner öfters ihre Autos abgestellt, obwohl er den Gästen des Restaurants vorbehalten ist. Deshalb hat Fatih Girgin, der Wirt des Antik Restaurants, Kameras aufgehängt. Auch hat er schon einige Autos abschleppen lassen.

Diskreditierende Postings in sozialen Netzwerken

Girgin vermutet, dass die Bewohner den Stromkasten an dem Abend im März manipuliert haben, um ihm zu schaden. „Das haben sie auch geschafft“, sagt er. 40 Gäste seien da gewesen, Essen hätte sie nach der Auseinandersetzung keines mehr bekommen. Besonders einer der Nachbarn habe es auf ihn abgesehen, so Girgin. „Der hat gedroht, mich fertig zu machen.“

Bilal Keles ist derjenige, gegen den der Wirt die schweren Vorwürfe erhebt. Auch er war an dem Sonntag dabei. Allerdings erzählt er eine andere Geschichte. Die Aggression sei nicht von ihm und seiner Frau ausgegangen, sondern von der Kellnerin. Sie habe das Trio aufs Übelste beleidigt, es sei zu einer Rangelei gekommen. Auf der Straße habe er sich nur selbst verteidigt. Auch der Sabotagevorwurf sei konstruiert.

Keles, der seit 2011 in dem Haus wohnt, könnte die Auseinandersetzung teuer zu stehen kommen, denn der Vermieter hat ihm wegen des Vorfalls gekündigt. Spätestens Ende des Jahres soll er raus. Als Grund führt das Anwaltsbüro des Vermieters neben der Schlägerei auch ein Telefonat an, in dem Keles Girgin gedroht haben soll. Ein weiterer Grund: Keles soll das Restaurant in sozialen Netzwerken diskreditiert haben. „Andere Mieter im Haus haben keine Schwierigkeiten mit dem Betreiber der Gaststätte – weder mit dem aktuellen, noch mit dem Vorpächter“, teilt der Vermieter schriftlich mit.

Gab es auch schon mit den Vorpächtern Streit?

Für Keles ist die Sache klar: Das Restaurant nebenan zahle deutlich mehr Miete – deshalb habe der Vermieter ein Interesse daran, ihn loszuwerden und den Wirt so zu befrieden. Bevor Girgin im vergangenen Sommer die Gaststätte übernommen habe, habe es keinen Streit gegeben. Das bestätigt ein ehemaliger Bewohner, dessen Eltern immer noch in dem Haus wohnen. Bilal Keles denkt jedenfalls nicht daran auszuziehen. Notfalls will er es auf einen Gerichtsprozess ankommen lassen. Dabei setzt er auf die anderen Parteien im Haus. „Die werden meine Version der Geschichte bestätigen.“




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