An der Burg Kappelberg in Weinstadts Teilort Beutelsbach haben die Landesgeschichte und der Aufstand des Armen Konrad ihre Anfänge genommen. Inzwischen ist die Ruine ein beliebter Aussichtspunkt – und Startpunkt für schöne Wanderungen.

Die Burgruine Kappelberg oberhalb von Beutelsbach ist ein bedeutender Ort für die Landesgeschichte. Als einstiger Wohnort von Luitgard von Beutelsbach gilt sie als Wiege Württembergs. Dabei stand damals auf dem Bergsporn wohl nur ein Wohnturm, ähnlich der Stettener Y-Burg. Luitgards Bruder nutzte derweil Ende des 11. Jahrhunderts die Burg Wirtemberg, wie sie hieß, bei Rotenberg und nannte sich später Konrad von Württemberg. Da Luitgards Sohn, ebenfalls ein Konrad, ihn als Graf von Württemberg beerbte, wird sie als Stammmutter der Württemberger bezeichnet.

Welche Bedeutung hat Beutelsbach? Als Standort hatte Beutelsbach für die Württemberger bald keine Bedeutung mehr. Mitte des 13. Jahrhunderts erweiterten sie die Anlage zwar noch zu einer kleinen Festung. Mehr als ein Schutz württembergischer Orte rundum und der vorbeiführenden Kaiserstraße war der Bau aber wohl nie. 1312 zerstörten ihn Truppen der Reichsstädte. Die Steine ließen die Württemberger 1538 für ihren Festungsbau in Schorndorf abtragen. So ist von der Burg nicht viel übrig.

Was wurde aus den Steinen? Per Zufall fand man Ende der 1960er Jahre bei einer Rebflurbereinigung Burgreste und baute sie, teils frei interpretiert, wieder auf. Wirklich original ist das frei zugängliche Gemäuer also nicht. Kindern mag es als Kulisse für Ritterspiele dienen, derweil ihre Eltern die Infotafeln lesen oder den weiten Ausblick über das Remstal bis hinein ins Neckartal, auf die Höhen des Schwäbisch-Fränkischen Waldes im Norden und den Schurwald im Süden genießen. Zum Verweilen gibt es Sitzgelegenheiten und eine Grillstelle, die aber wegen der Trockenheit derzeit gesperrt ist.

Wie war das mit dem Armen Konrad? An die Kapelle, die einstmals zur Burganlage gehörte und dem Bergsporn über Beutelsbach seinen Namen Kappelberg gab, erinnert nur noch ein Eisenkreuz. An ihr nahm der Aufstand des Armen Konrad 1514 seinen Anfang. Mit Sturmgeläut rief der Gaispeter als einer der Anführer seine Anhänger zusammen. Eine Schrifttafel an den Burgmauern erinnert an das Aufbegehren gegen die Obrigkeit, das sich auf weitere Landesteile ausweitete – bis Herzog Ulrich I. dem ein blutiges Ende bereitete.

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Wo gibt es weitere Informationen? Wer tiefer in die frühe Landesgeschichte und die Historie des Armen Konrad einsteigen will, dem sei das Württemberg-Haus, Stiftstraße 11, empfohlen. Der Eintritt ist frei. Infos zu Führungen und Öffnungszeiten sind unter www.weinstadt.de/wuerttemberg-haus-beutelsbach zu finden. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist, muss nur einen Umweg von rund 500 Metern gehen, um es zu erreichen. Die direkte fußläufige Verbindung zur Ruine vom S-Bahn-Halt, an dem von Stuttgart aus die Linie S 2 in Richtung Schorndorf Station macht, ist ein Kilometer lang. Dabei geht es auf dem letzten Abschnitt steil bergauf, rund 200 Meter davon ohne Gehsteig auf einer schmalen, von Autos – wenn auch selten – befahrenen Straße. Wer statt in die Schönbühlstraße abzuzweigen geradeaus den Kappelbergweg wählt, kann die Passage mit einem Spaziergang durch die Weinberge umgehen.

Was verbindet Wein und Christentum? Es gibt die Möglichkeit, den Besuch der Ruine mit einer Wandertour zu verbinden. Der S-Bahn-Halt Beutelsbach ist zugleich der Startpunkt des Biblischen Weinwanderwegs. 20 Stationen auf der knapp sieben Kilometer langen, kinderwagentauglichen Rundtour – zwei davon stehen an der Burgruine – vermitteln anhand von Bibelzitaten den kulturhistorischen Zusammenhang von Weinbau und Christentum, informieren über die Ortsgeschichte und bedeutende Persönlichkeiten. Informationen zur Strecke stehen auf www.biblischerweinwanderweg.de .

Möglichkeiten zur Einkehr gibt es im Ort, oder man packt sich ein Vesper für eine Rast in den Weinbergen ein. Gelegenheiten hierfür finden sich immer wieder. Unbedingt sollte man für die zweite Hälfte der Tour durch die schattenlose Weinberge an Sonnenschutz und Getränke denken. Wer mit Hund wandert, sollte einen kühleren Tag wählen und unbedingt für den Vierbeiner Wasser einpacken. Zumal Pfützen nach Regentagen in den Weinbergen durch Spritzmittelreste zur tödlichen Gefahr für durstige Hunde werden können.

Was sich mit einem Besuch der Burgruine verbinden lässt

Ausblick
Wer den Aufstieg zur Ruine scheut, kann mit dem Auto über die Schönbühlstraße hochfahren und direkt unterhalb parken. Einen Spaziergang durch die Weinberge zum zwei Kilometer entfernten Remstalkino sollte man sich aber nicht entgehen lassen. Als Gartenschauprojekt entstanden, wird hier die Landschaft zur Leinwand.

Bürgerpark
Ein schöner Ausklang des Tages für Familien ist ein Besuch des Bürgerparks Grüne Mitte. Auf dem Gelände verteilt hat es vom Bodentrampolin bis zur Parcoursanlage für große und kleine Kinder Angebote, und die Himmelsschaukel auf dem Wasserspielplatz bietet Abkühlung. Einen Eindruck, was einen erwartet, gibt es unter www.weinstadt.de/Buergerpark .