Ausstellung im Museum Remshalden Eine Zeitreise in das Weihnachten von Damals

Von Claudia Leihenseder 

Das Museum Remshalden zeigt Puppenstuben und Kaufläden früherer Generationen – mit einem Exponat darf sogar vor Ort gespielt werden.

In dieser Puppenküche von 1925 kann der Herd heiß gemacht werden. Foto: Frank Eppler 12 Bilder
In dieser Puppenküche von 1925 kann der Herd heiß gemacht werden. Foto: Frank Eppler

Remshalden - In manchen schwäbischen Familien ist es immer noch ein gehegter Brauchtum: Stets zu Weihnachten kramt die Großmutter ihre alte Puppenstube und den Kaufladen von anno dazumal hervor, bringt ihn von der Bühne hinunter in die warme Stube und stellt die Kinderspielsachen für die Enkel neben den Weihnachtsbaum. Dann können die Kinder von heute sehen und erleben, wie sich Weihnachten vor 50, 60 oder gar 70 Jahren für die Kleinen abgespielt hat. „Da gab es noch Socken unter dem Weihnachtsbaum, und Mandarinen waren etwas Besonderes“, erzählt Irmgard Fischer vom Museumsverein Remshalden. Gemeinsam mit Renate Winkelbach, der ehemaligen Kreisarchivarin, hat die 70-Jährige die neue Sonderausstellung im Museum Remshalden organisiert.

Die Augen der Leihgeber leuchten

„Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Remshaldener ihre Puppenstuben zur Verfügung stellen“, sagt Renate Winkelbach, von der die Konzeption der Ausstellung stammt. Es sei richtig spannend gewesen, welcher Fundus da noch vorhanden sei. Und schön, welche Freude die Leihgeber gezeigt hätten, als sie ihre alten Spielsachen abgegeben haben: „Die Augen haben richtig geleuchtet“, sagt Fischer.

Die Augen zum Leuchten bringen wollen die beiden auch bei den Besuchern ihrer Sonderausstellung mit dem Titel „’s Christkendle kommt... bringt Puppenhaus und Schaukelpferd“, die am Sonntag eröffnet wird. Material zum Schauen und Staunen gibt es genug: Da ist etwa eine voll ausgestattete Puppenküche, vermutlich aus dem Jahr 1925. Gehört hat sie Lore Sattelmayer, Jahrgang 1921. Ihre Tochter Jutta Gradner aus Geradstetten hat sie dem Museum zur Verfügung gestellt. „Den Herd konnte man richtig erwärmen“, sagt Irmgard Fischer – entweder mit einer Esbit-Brennstofftablette oder mit Spiritus. „Heute ist man da viel vorsichtiger mit Kinderspielzeug“, sagt Renate Winkelbach und lenkt den Blick auf die vielen liebevollen Details: An einer der Wände hängt ein Schutzschrank gegen Fliegen und Mäuse – schließlich gab es zu der Zeit noch keine Kühlschränke. „Die Küche ist sehr naturgetreu ausgestattet“, sagt Winkelbach – so wie eine Küche aus der damaligen Zeit: Da steht etwa eine hölzerne Kaffeemühle mit Drehknauf auf dem Küchenbuffet, eine Mandelmühle ist am Küchentisch festgemacht. Metallene Keksdosen – allerdings auch aus späteren Jahren – zieren ein Regal. „Man sieht, dass die Küchenausstattung mit den Jahren gewachsen ist“, so Winkelbach.

Viele Exponate wurden gut bespielt

Wer gut hinschaut, sieht auch, dass die Puppenstuben und Kaufläden Spuren aufweisen. „Das sind keine sterilen Sachen, da haben teilweise mehrere Generationen mit gespielt“, sagt Winkelbach. Wie auch mit dem mehrstöckigen Puppenhaus aus dem Jahr 1930. Es gehörte Ruth Palmer und wurde von ihrem damals 13-jährigen Bruder gebaut. Mitte der 50er Jahre bekam es ihre Tochter Ursel, die es später wiederum ihrer Tochter Ulrike übergab. Auch in diesem Haus gab es mit der Zeit Veränderungen. So kam später, als die nächste Generation damit spielte, ein Badezimmer dazu – wie im echten Leben.

Mit den Exponaten, die Jahrzehnte hinter sich haben und Generationen von Kinderhänden gespürt haben, können die Besucher aber leider nicht spielen. Doch wer Lust aufs Spielen bekommen hat, für den gibt es im Museum Remshalden eine kleine Spielecke. Dort hat unter anderem Irmgard Fischer ihren eigenen alten Kaufladen zur Verfügung gestellt. Und in einer Küche hat sie ihren alten Puppenherd aufgestellt, auf dem sie schon Wasser gekocht hat.