Ausstellung im Technoseum Mannheim Sport als Schule der Fairness

Von joe 

Wettkampf, Fitness und ein großes Geschäft – eine Sonderausstellung im Technoseum in Mannheim befasst sich mit Sport und Technik. Die Besucher dürfen sich aber auch selbst bewegen. Geschäft - eine Sonderausstellung in Mannheim befasst sich mit Sport und Technik.

Früher wurde auf Turnpferden  das Reiten geübt, also hat man  das Turngerät  seinem natürlichen Vorbild nachgebaut. Foto:  
Früher wurde auf Turnpferden das Reiten geübt, also hat man das Turngerät seinem natürlichen Vorbild nachgebaut. Foto:  

Mannheim - Wer hätte das gedacht: Noch bis zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin mussten sich die Läufer und Läuferinnen für einen optimalen Antritt beim Sprint ihr Startloch selbst in die Aschenbahn graben. Jesse Owens war damals der letzte Olympiasieger, der zum Schäufelchen greifen musste. Ein Jahr später hat der Internationale Leichtathletikverband die ersten Startblöcke zugelassen. Bestehend aus einer schrägen Holzplatte auf einem verstellbaren Eisengestell wirken sie fast vorsintflutlich im Vergleich zu den heute üblichen Hightech-Modellen mit integrierter „Fehlstarterkennung“. Zu besichtigen sind die alten und neuen Starthilfen samt kleiner Schaufel in der aktuellen Sonderausstellung im Technoseum in Mannheim. Unter dem Titel „Fertig? Los!“ geht es um die Geschichte von Sport und Technik in der modernen Welt.

Ob es die Geräte, die Ausrüstung oder die Messverfahren sind – Technik und Material haben immer eine wichtige Rolle im Sport gespielt. Veränderungen und Verbesserungen auf der einen Seite gingen meist mit einer Steigerung der Leistung auf der anderen Seite einher. Stabhochspringer, das zeigt die Schau, erreichen mit modernen Carbonstäben heute fast die doppelte Höhe ihrer Vorgänger, die mit Holzstäben begonnen haben.

Wer Zeit und Geld hatte, konnte Sport treiben

Industrialisierung und Technisierung haben die Entstehung und die Entwicklung des modernen Sports maßgeblich begünstigt und befördert. Ausgangspunkt dabei war England, wo sich im 18. Jahrhundert immer mehr gut betuchte Gentlemen mit Sport, Spiel und Wetten die Zeit vertrieben haben. Am Anfang standen Pferderennen, man spielte Cricket oder Tennis, ging Segeln, Rudern und auch Boxen. „Das war zunächst eine Sache der Oberschicht, von Leuten die genug Zeit und Geld hatten“, erklärt Alexander Sigelen, der Kurator der Mannheimer Schau. „Ihnen ging es vor allem um Wettkampf, Konkurrenz, das Leistungsprinzip und die Einhaltung von Regeln“. So wurde der Sport bald auch ein wichtiges Erziehungsmittel in den Eliteinternaten der Insel, „um den Teamgeist zu stärken und Fairness zu üben“.

Die deutsche Turnerbewegung, die um 1800 entstand, hatte etwas andere Ideale: Sie turnte zur Körperertüchtigung im Allgemeinen und für den deutschen Nationalstaat. Der Wettbewerb war hier weniger wichtig. So konnte man – etwa bei einem Mehrkampf des Turngaus Rheinhessen – noch 1906 auch als „13. Sieger“ vom Platz gehen, wie eine kunstvoll illustrierte Ehrenuhrkunde eines Teilnehmers des Mainzer Turnvereins belegt.

Der Sieger im Wagenrennen bekam 5000 Liter Olivenöl

Da waren die alten Griechen in der Antike schon deutlich weiter. Dort gab es einst für die Erstplatzierten Amphoren mit Olivenöl; gleich mehrere davon mit insgesamt 5000 Litern Inhalt bekam ein Sieger im Wagenrennen.

Eine dieser prachtvollen Preisamphoren, gut einen halben Meter hoch und entstanden zwischen 470 und 480 vor Christus, steht am Anfang der Mannheimer Schau und erinnert daran, dass sich ein Teil der Menschen seit jeher gern im Wettkampf messen und ein anderer ihr auf den Rängen der Stadien zujubeln wollte.

Zur Massenbewegung wurde der Sport erst in den 1920er Jahren: Arbeiter und Frauen mussten sich ihren Platz in den elitären Clubs erkämpfen – oder eigene Vereine gründen. Noch 1989 wurden die Frauen bei der Fußball-Europameisterschaft mit einem Tafel-Service sprichwörtlich abgespeist. Für die Männer gab es ein Jahr später 125 000 Deutsche Mark als offizielle Prämie. Auch dies gehört zu dem Thema Sport mit seinen vielen Facetten.

Ohne Regeln geht gar nichts

Die Mannheimer Ausstellung ist in sechs Kapitel aufgeteilt. Unter anderem geht es um Training und „den sportlichen Körper“, um die Entwicklung der Messtechnik – vom Maßband und der Handstoppuhr bis zum elektronischen Zielfoto – , um die Rolle von Sportmedizin und Doping. Auch Schutz- und Hightechanzüge, die Sportlern die entscheidenden Hundertstelsekunden für den Sieg bringen sollen, werden gezeigt.

Zu bewundern sind außerdem die elf Gold-, Silber-, und Bronzemedaillen der Mannheimer Kanutin Birgit Fischer und ein Paar Tennisschuhe von Steffi Graf. Daran, dass ohne Regeln nichts geht, erinnert die Original-Schiedsrichter-Kluft des legendären Stuttgarters Rudolf Kreitlein. Der hatte 1966 bei der Weltmeisterschaft in England aufgrund von Sprachproblemen fast zehn Minuten gebraucht, um Argentiniens Kapitän, den Hünen Antonio Rattín, vom Platz zu stellen. Der nur 1,68 Meter große Kreitlein erhielt daraufhin nach dem Spiel den liebevoll-spöttischen Spitznamen „tapferes Schneiderlein“. Später kam ihm, zusammen mit einem britischen Kollegen, die Idee für die Rote und Gelbe Karte. 1970 wurde sie tatsächlich eingeführt.

Details zur Ausstellung


Die Schau präsentiert rund 400 Exponate von der antiken Preisamphore bis zur neuesten Zielkamera, vom historischen Übungs-Sprungpferd bis zum Rasentraktor für Sportplätze aus dem In- und Ausland.

An vielen Stationen kann und sollen die Besucher aktiv werden. Unter anderem gibt es eine Slackline zum Balancieren, eine Messplatte zum Testen der eigenen Sprungkraft, einen Übungsdegen und Hockeyschläger zum Kräftemessen. Die Schau ist bis 10. Juni nächsten Jahres täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. (am 24. und 31. Dezember geschlossen) Der Katalog „Fertig? Los! – Die Geschichte von Sport & Technik“ im wgb Theiss-Verlag hat 250 Seiten und kostet 29,95 Euro.