Ausstellung in Remshalden Von der Feinstaub- zur Poesie-Emission

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Peiltürme, Apfelsorten und Gedichte: Bei einer neuen Ausstellung im Rathaus Remshalden dreht sich alles um Raum und Wahrnehmung. Die beiden Künstler Florian Stocker und Karl-Heinz Bogner kennen sich seit ihrem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie.

Eines von Karl-Heinz Bogners Architekturobjekten in der Ausstellung. Foto: Gottfried Stoppel
Eines von Karl-Heinz Bogners Architekturobjekten in der Ausstellung. Foto: Gottfried Stoppel

Remshalden - Durch das bodentiefe Fenster streift der Blick hinaus über Wiesen und Felder in Richtung Grunbach. Auf der anderen Seite der Glasscheibe, im Innern des Remshaldener Rathauses, stehen drei Architekturobjekte, an der Wand hängen Zeichnungen verschiedener Apfelbäume, dazwischen Gedichte.

Wie ist das mit dem Apfel? „Gehört er uns oder dürfen wir ihn nutzen?“, fragt Florian Stocker und verweist auf eine der Fragen, denen sich die Ausstellung „Poetische Räume, strategische Beobachtungen“, die am kommenden Sonntag im Rathaus in Remshalden eröffnet wird, widmet. Dabei gehe es etwa um den Schritt von der Identität zur Ressource. Auf die Apfelsorten übertragen hieße das: „Es sind nicht unsere, es ist nur unser Privileg, sie nutzen zu dürfen“, erläutert Stocker.

Premiere in zweifacher Hinsicht

In zweierlei Hinsicht ist die Schau eine Premiere: „Das ist etwas ganz Neues“, sagt Christina Clauß, die Sachgebietsleiterin Öffentlichkeitsarbeit und Kultur im Rathaus. Eine solche Ausstellung habe man hier noch nie gehabt. Für die beiden Künstler Karl-Heinz Bogner und Florian Stocker ist es die erste gemeinsame Ausstellung. Sie kennen sich vom Studium an der Stuttgarter Kunstakademie. „Wir haben uns gefunden, weil wir uns gut ergänzen“, sagt Stocker. Seine Werke befassen sich mit der äußeren Wahrnehmung, die Bogners mit der inneren Imagination. Als Nahtstelle zwischen Außen- und Innenwelt haben die beiden Künstler Gedichte verschiedener Autoren in die Schau integriert – etwa von Schiller oder Hölderlin, aber auch von der Remshaldener Dichterin Barbara A. N. Fischer.

Der mittlere Neckarraum sei nicht nur von technischem Erfindergeist, sondern auch von poetischen Ressourcen geprägt, betont Stocker und verweist auf Mörike und Schiller, auf Max Bense und die Stuttgarter Schule. „Das hat man so kein zweites Mal in Deutschland.“ Und so hängt in der Ausstellung im Rathaus neben einer Karte der Feinstaubemission auch eine der Poesieemission im Großraum Stuttgart. „Wir wollen die Wahrnehmung schärfen“, beschreibt Karl-Heinz Bogner ein Ziel der Ausstellung.

Inspiration aus Städten und Landschaften

„Es geht um den Raum, es gibt ganz viele Möglichkeiten, einen Raum zu betrachten“, erklärt der 53-Jährige, der die Inspiration für seine Installationen aus Städten und Landschaften bezieht. „Ich mache gerne Stadtspaziergänge, da entstehen Bilder in mir, und ich versuche, sie umzusetzen. Ich finde gerne verlassene Räume, zum Beispiel Fabrikanlagen“, sagt Bogner. Er arbeite immer noch analog, mit Reißschiene, Bleistift und Tusche. „Wir kultivieren das Skizzenbuch“, sagt Stocker zustimmend. In seinen Zeichnungen spielen oftmals Perspektivenwechsel eine Rolle – etwa, wenn er Peiltürme im mallorquinischen Can Picafort abbildet.

Das 20-Jahr-Jubiläum seines Architekturbüros hat der 52-Jährige zum Anlass genommen, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Rund drei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert. Die beiden Künstler hoffen, dass die poetischen Räume den Startpunkt für eine Projektfolge darstellen – schließlich ist die Ausstellung ein Teil des IBA’27-Netzes im Vorfeld der Internationalen Bauausstellung 2027 im Großraum Stuttgart.

Öffnungszeiten und Termine

Eröffnung: Die Ausstellung „Poetische Räume, Strategische Beobachtungen“ mit Zeichnungen, Modellen und Objekten von Florian Stocker und Karl-Heinz Bogner wird am Sonntag, 15. März, um 11.30 Uhr im Rathaus Remshalden eröffnet. Bis zum 3. Mai kann sie montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie dienstags von 14 bis 19 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Podiumsdiskussion: Am Sonntag, 26. April, um 11 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion, an der neben den beiden Künstlern der Intendant der IBA, Andreas Hofer, der Architekturhistoriker Frank Werner sowie Remshaldens Bürgermeister Reinhard Molt teilnehmen. Der Kurator Christian Holl moderiert. Dann wird es auch einen Ausstellungskatalog geben.