Zwölf Kinderskelette, teils mit Grabbeigaben, sind in Buoch entdeckt worden. Das Museum im Hirsch zeigt nun die aktuellen Funde und hat zudem die Ausstellung über Keramik modernisiert.

Geschirr in zartem Beige, kunstvoll bemalt mit feinen roten Mustern: die „rotbemalte Feinware“ war gewissermaßen das Meissener Porzellan des Mittelalters. Das Qualitätsprodukt stand auf den Tafeln begüterter Haushalte, sei es in Speyer oder Konstanz. Eine rotbemalte Feldflasche ist beispielsweise in der berühmten Manesseschen Liederhandschrift abgebildet.

 

Eine vergrößerte Version dieser Miniatur ist auch im Museum Hirsch in Remshalden-Buoch ausgestellt – zusammen mit Krügen und Schalen, Bügelkännchen, Leuchtern und Kleinplastiken, zum Beispiel der eines Pferdes. Denn nachdem Fachleute lange gerätselt hatten, woher die schwäbische Feinware wohl stammt, beantwortete der Fund einer mittelalterlichen Töpferei in Buoch die Frage nach der Herkunft des feinen Geschirrs.

Zwölf Kinderskelette wurden entdeckt

Die Manufaktur kam beim Bau des Gemeindehauses im Jahr 1980 zu Tage. Fortan hatte das edle Geschirr einen weiteren Namen: „Buocher Feinware“. Letztere war so begehrt, dass andernorts, etwa in Pingsdorf in Nordrhein-Westfalen oder im Elsass, Plagiate davon hergestellt wurden. Die echte Feinware ist seit vielen Jahren im vom örtlichen Heimatverein betriebenen Museum im Hirsch zu sehen. Nun ist die Ausstellung neu gestaltet worden. Als Gründe nennt die Heimatvereinsvorsitzende Christel Fezer zum einen, dass die Präsentation in die Jahre gekommen sei, zum anderen wolle der Heimatverein spektakuläre Fundstücke aus Grabungen der jüngsten Vergangenheit zeigen.

Im Frühjahr 2021 hatte ein Team des Landesdenkmalamts um Aline Kottmann und Katalin Puster aus einer Baugrube neben der Buocher Kirche nicht nur unzählige Scherben geborgen, die teils aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, teils auch aus späteren Jahrhunderten stammen, sondern auch noch mindestens sieben Kindergräber mit insgesamt zwölf Skeletten entdeckt. Bei einem etwa 15-jährigen Mädchen wurden dabei Ohrringe gefunden, ein weiteres begrabenes Kind trug einen Fingerring aus Bronze.

Die Pferdchen-Figur gehört zu den Highlights

Diese Schmuckstücke aus dem 7. bis 8. Jahrhundert sind in der mit Hilfe des Designers Fred Oppitz für rund 18 000 Euro neu gestalteten Ausstellung ebenso zu sehen wie ein vom Verein in Auftrag gegebener Film, der im Campus Galli, einer mittelalterlichen Klosterbaustelle im oberschwäbischen Meßkirch, gedreht wurde. Er zeigt, wie ein Töpfer mit den zu Zeiten des Mittelalters verfügbaren Mitteln Ton aus Buoch zu Geschirr verarbeitet. Statt einer Töpferscheibe kam wie damals ein Wagenrad zum Einsatz.

In den weiteren Vitrinen wird die Arbeitsweise der Archäologen gezeigt, außerdem sind Fehlbrände zu sehen, bei denen der Ton eine dunkle Farbe angenommen und rissig geworden ist. „Da haben wohl zu hohe Temperaturen im Ofen geherrscht“, sagt Christel Fezer. Mit ihren Vereinskollegen hat sie im Zuge der Neugestaltung schweren Herzens viele Exponate ins Depot geräumt. Das hat sich gelohnt, denn die verbliebenen Stücke kommen so viel besser zur Geltung.

Statt feinem Geschirr wurden nun Ofenkacheln und Ziegel produziert

In einem speziellen Schaukasten werden nun Highlights wie ein Signalhorn, ein Leuchter mit einem Flötenspieler oder das Buocher Pferdchen gezeigt. Weniger hübsch, aber aufschlussreich sind die beim Brennen aus der Form geratenen und aussortierten Stücke, die in einer anderen Vitrine liegen.

Die bei der vor zwei Jahren erfolgten Grabung massenweise entdeckten Scherben beweisen, dass die Buocher Töpfer auch noch im 15. und 16. Jahrhundert fleißig waren. „Die Produktion von Haushaltwaren hat zwar nachgelassen, aber stattdessen wurden Wasserleitungen, Dachziegel und Ofenkacheln angefertigt“, sagt Christel Fezer. Insbesondere die Kachelöfen seien wohl bis ins 17. Jahrhundert hergestellt worden. So wie die „Buocher Feinware“ waren die Heizöfen aber kein Produkt, das sich ein Otto-Normal-Bürger leisten konnte – sie blieben begüterten Kunden vorbehalten.

Die Ausstellung „Unter Kunsthandwerkern“ wird am 9. März ab 19 Uhr mit einem Festakt, Vorträgen und Film im Gemeindehaus Buoch eröffnet, danach kann sie im Museum besichtigt werden. Anmeldung: E-Mail an cw@fezers.de oder unter 0 71 51/ 717 84. Das Museum im Hirsch ist samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 12 sowie von 14 bis 16 Uhr offen.