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Australien Deutsche Down Under

Von Barbara Wais 

Wer nach Australien reist, für den ist Deutschland eigentlich ganz weit weg. Doch nicht immer.

Malen wie die Aborigines: In einem trockenen Flussbett mischt der deutschstämmige Geoff Scholz aus Gesteinsstaub bunte Farben. Foto: Wais
Malen wie die Aborigines: In einem trockenen Flussbett mischt der deutschstämmige Geoff Scholz aus Gesteinsstaub bunte Farben. Foto: Wais

Rund 15663 Kilometer Luftlinie, 20 Stunden reine Flugzeit und neuneinhalb Stunden Zeitverschiebung trennen Stuttgart und Adelaide im Süden Australiens. Dass man hier wie dort zwischen Trollinger-Reben umherstreifen kann, darüber staune ich nicht schlecht, als ich mit einer kleinen Reisegruppe auf deutschen Spuren durch Down Under reise.

Vor 20 Jahren gründete der Deutsche Roger Ott die Hahndorf Hill Winery in den Adelaide Hills und pflanzte dort Trollinger- und Lemberger-Reben an. Das ist bis heute einzigartig in Australien. Die aktuellen Besitzer des Weingutes, Larry Jacobs und Marc Dobson, sind darauf sehr stolz. "Weil ich den Lemberger selbst so liebe, habe ich dessen Anbaugebiet vergrößert. Er ist unsere zweitgrößte Rebsorte", schwärmt Larry und lädt uns zu einer besonderen Genusserfahrung ein: Choco-Vino. Dabei treffen Sauvignon Blanc, Pinot Grigio oder Trollinger auf der Zunge mit feinsten Schokoladenkreationen zusammen. Wer hätte gedacht, dass zum schwäbisch-australischen Trollinger eine Schokolade mit weißem Pfeffer und Kardamom vorzüglich schmeckt?

Doch die Hahndorf Hill Winery ist nicht das einzige Weingut mit deutschen Wurzeln in Südaustralien. In der Langmeil Winery im Barossa Valley etwa wachsen noch heute jene Reben, die der deutsche Hufschmied Christian Auricht 1843 dort pflanzte, und auch das von Johannes Seppelt Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Weingut Seppeltsfield produziert noch immer. Überall dürfen wir die guten Tropfen kosten. Anmelden brauchen sich Besucher dafür übrigens nicht.

Durch Hahndorf, Australiens ältestes deutsches Dorf, das deutsche Brötchen zu bieten hat, geht es weiter nach Adelaide. Die nach Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen benannte Stadt war ab 1840 Zufluchtsort für viele Altlutheraner aus Preußen, die Religionsfreiheit suchten. Das erzählt uns der deutsche Stadtführer Peter Tamm auf dem Weg zu verschiedenen urdeutschen Ecken in Adelaide. Vorbei an Kirchen, die noch heute deutsche Andachten abhalten, geht es zur Markthalle, wo man etwa Leberwurst und Schwarzbrot kaufen kann. Auch im Botanischen Garten der Stadt finden sich deutsche Spuren. "Ein Bremer Ingenieur erfand das Palmenhaus, das in Teile zerlegt transportiert werden konnte", erklärt Peter. Im German-Club, Vereinsheim für deutsche Chöre und Sportclubs, endet unsere Tour. Hier werden seit 1886 deutsche Sprache und deutsche Kultur gepflegt.

Dass ein Thunfisch schneller als 70 Kilometer pro Stunde schwimmen kann, erfahren wir wenige Tage später in Port Lincoln auf der Halbinsel Eyre Peninsula. Die Fischerei ist hier ein bedeutender Wirtschaftszweig, es gibt mehrere Firmen, die Thunfisch züchten. Hagen Stehr aus Salzgitter gehört eine davon. Wer mutig ist, springt zu den Fischen ins Meer. Die gut 60 Zentimeter langen Tiere zischen pfeilschnell durchs Wasser. "Die Thunfische müssen ununterbrochen schwimmen, um genügend Sauerstoff zu bekommen", erklärt unser Guide Matt Waller, bevor er den Nervenstarken unter uns ein paar Fischhappen reicht. Wer damit die Räuber füttert, sollte auf seine Finger achtgeben, denn die Tiere haben kleine, spitze Zähne.

Ungefährlicher und viel putziger geht es im Outback, dem australischen Hinterland, zu. Wir entdecken mehrere Euros. Nein, keine silberne Münzen, sondern knuffige Kängurus. Sie leben mit den Roten und Grauen Riesenkängurus gemeinsam in den Gawler Ranges, erklärt Geoff Scholz. Er und seine Frau Irene bieten in dem 166000 Hektar großen Nationalpark Safaris an. Wie Geoff’s Nachname verrät, hat auch er deutsche Wurzeln: Die Großeltern kamen 1918 aus Bayern nach Australien. Unweit Wudinna steuert Geoff den Landrover routiniert über die ruckelige Sandpiste. Am ausgetrockneten Bett des Corribinnie-Flusses stoppen wir und bekommen eine Geologie-Lehrstunde: Teile des hellen Gesteins sind bunt gefärbt, die Palette changiert von Ziegelrot über Safrangelb bis Rostbraun. "Je nach Salzgehalt des Wassers, das hier früher floss, wurden die Steine gefärbt", sagt Geoff und mischt mit wenigen Tropfen Wasser aus dem Gesteinsstaub leuchtend bunte Farben an, so wie es auch die Aborigines tun, bevor sie ihre Haut bemalen.

Auf der Weiterfahrt bewundern wir knorrige Eukalyptusbäume, gelbes Spinifex-Gras, das viel flauschiger aussieht, als es tatsächlich ist. Kängurus, Emus und Lizzards kreuzen unseren Weg. Als ob das noch nicht Schauspiel genug wäre, stoppen wir schließlich am Lake Gairdner: ein 160 Kilometer langer und 50 Kilometer breiter Salzsee. Meist ist er völlig ausgetrocknet, dann knirscht das Salz unter den Stiefeln und glitzert in der gleißenden Sonne wie Schnee. Ein Stück Antarktis mitten im Outback? Spätestens jetzt ist Deutschland dann doch ganz weit weg.

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