Autozulieferer Dürr verbucht Aufträge für E-Autos

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In das Geschäft mit Elektrofahrzeugen drängen nicht nur traditionelle Autohersteller, sondern auch Pioniere. Der Anlagenbauer Dürr beliefert beide Gruppen. Der Lackieranlagenbauer vermeldet für 2019 beim Umsatz und bei den Bestellungen Höchstwerte.

Ein Dürr-Mitarbeiter   verfolgt die Lackierung am Bildschirm. Das Programm  misst  beispielsweise den Energieverbrauch. Foto: Dürr
Ein Dürr-Mitarbeiter verfolgt die Lackierung am Bildschirm. Das Programm misst beispielsweise den Energieverbrauch. Foto: Dürr

Stuttgart - Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr profitiert von den zunehmenden Investitionen in die Elektromobilität. Aufträge im Wert von 390 Millionen Euro hat der weltführende Hersteller von Lackieranlagen im vergangenen Jahr eingesammelt, das waren 44 Prozent mehr als im Jahr zuvor, sagte Dürr-Chef Ralf Dieter in Stuttgart. Damit tragen die neuen Antriebe zehn Prozent zu den gesamten Bestellungen bei. „Die Elektromobilität ist eine große Chance für uns“, sagte Dieter.

Besonders in China und den USA formierten sich neue Autohersteller, die zuvor keine konventionellen Autos gebaut hätten, aber nun Marktanteile erobern. Mehr als 20 solcher Pioniere haben 2019 Produktionstechnik bei Dürr geordert; darunter waren Firmen wie Byton, Tesla und Lucid. Auch beim Elektrolieferwagen Streetscooter der Post ist Dürr-Technik im Einsatz. Dürr führt auch Gespräche, um die neue Elektroautofabrik in Brandenburg mit Anlagen zu bestücken; Dieter äußerte sich zuversichtlich, dass das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen zum Zuge kommt. Der Dürr-Chef rechnet mit einer kurzfristigen Entscheidung des US-Autobauers Tesla, damit dessen ehrgeizigen Zeitpläne zu halten sind: Tesla will ab Sommer 2021 jährlich geschätzt etwa 500 000 E-Autos in Brandenburg fertigen.

Dürr lackiert nicht nur E-Autos

Wenn es um Elektromobilität geht, liefert Dürr nicht nur Lackieranlagen – vielmehr ist der Konzern auch bei der Beschichtung der Elektroden, bei der Verklebung von Zellen zu Modulen sowie der „Hochzeit" vertreten, wobei die Batterie im Unterboden fixiert wird. Bis zu 36 Schrauben sind für diesen Vorgang nötig, erläuterte Dieter – „das ist komplexer als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor“.

Nicht zuletzt dank der Elektromobilität hat Dürr im vergangenen Jahr sowohl bei den Bestellungen als auch beim Umsatz Rekordwerte erzielt. Auch in der Umwelttechnik konnten hohe Zuwächse verbucht werden – zum Teil ist das allerdings auch auf die Übernahme von Megtec/Universal zurückzuführen. Das US-Unternehmen bietet etwa Abluftreinigungsanlagen sowie Beschichtungsanlagen für die Elektroden-Produktion für Lithium-Ionen-Batterien.

Nur bei Homag, Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen, sind alle wichtigen Kennzahlen rückläufig. Grund sind aktuelle Überkapazitäten am Markt. Dürr hat bereits angekündigt, dass von den 4100 Homag-Stellen rund 350 gestrichen werden. Zudem wird ein Werk geschlossen. Auch deshalb ist der Dürr-Gewinn gesunken. Dieter schwebt eine Dividende von 0,80 (Vorjahr: einem) Euro pro Anteil vor. Damit würde die Ausschüttungsquote unverändert bei gut 40 Prozent liegen. Die Tarifbeschäftigten müssen sich wohl auch auf einen niedrigeren Bonus einstellen. Zahlen nannte Dieter nicht. Im vergangenen Jahr lag die Dürr-Erfolgsbeteiligung bei 2250 Euro. Der Rückgang dieses Jahr soll bei maximal 20 Prozent liegen.

Zuversicht für 2020

Für das laufende Jahr ist Dieter zuversichtlich. Er rechnet mit neuen Aufträgen von 3,8 bis 4,1 Milliarden Euro. Der Umsatz soll zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Vor Sondereffekten werde mit einer Marge – Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Bezug zum Umsatz – von 6,2 bis 6,7 Prozent gerechnet. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage nicht weiter verschlechtert. Das gilt auch für die Corona-Epidemie, von der Dürr betroffen ist. Auch die Bietigheimer fahren erst jetzt die Produktion in China langsam nach oben. Im ersten Quartal sei deswegen mit einer spürbaren Ergebnisbelastung zu rechnen, so Dieter. Er geht aber davon aus, dass bis zum Jahresende die Einbußen im Wesentlichen aufgeholt werden können – „sofern sich die Lage im zweiten Quartal weitgehend normalisiert“, sagte Dieter. Für ein börsennotiertes Unternehmen ungewöhnlich ist, dass Dieter auch eine Prognose für 2021 abgegeben hat. Auch dank Fortschritten bei Homag strebt er 2021 eine Marge von sieben bis 7,5 Prozent an. Mittelfristig sollen es dann acht Prozent sein.