Azubis und Fachkräfte Handwerk kann kaum noch Stellen besetzen

Im Elektrohandwerk ist der Bedarf an Azubis besonders groß. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Im Elektrohandwerk ist der Bedarf an Azubis besonders groß. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Gerade mal zwei Prozent der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg können offene Stellen problemlos besetzen. Auch deshalb suchen die Unternehmen händeringend Azubis. Ein sofortiger Start ist immer noch möglich.

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)
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Stuttgart - Das Handwerk im Südwesten sorgt sich um die Fachkräfte. Gerade mal zwei Prozent der Unternehmen können derzeit offene Stellen problemlos besetzen, erörtert Peter Haas, Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT), erste Ergebnisse aus einer bisher nicht veröffentlichten Umfrage. Bei knapp einem Viertel der Betriebe seien längere Suchzeiten erforderlich. Knapp drei von vier Betriebe sagten, dass geeignetes Personal trotz starker Bemühungen nicht zu finden sei. Bei der Umfrage 2018 hatten immerhin noch rund 20 Prozent der Betriebe ihre offenen Stellen problemlos besetzen können.

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Nicht zuletzt dies ist der Grund, dass das Handwerk derzeit händeringend Azubis sucht – auch noch für das laufende Ausbildungsjahr, das im September begann. Derzeit sind noch gut 2900 offene Stellen in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern zu finden. Besonders großen Bedarf haben das Elektrohandwerk, der Bereich Sanitär-Heizung-Klima, das Zimmerer- und Maurerhandwerk sowie das Lebensmittelhandwerk. Das Handwerk biete spannende Aktivitäten – etwa wenn es um Klimaschutz gehe oder den Bau internetfähiger Häuser, so Haas. Insgesamt wurden bis Mitte Oktober 18 250 neue Ausbildungsverträge im baden-württembergischen Handwerk abgeschlossen. 130 Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk.

Nachzügler sind willkommen

Auch Jugendliche, die jetzt noch in die Ausbildung einsteigen, sollten sich keine Sorgen machen, dass sie diese auch erfolgreich abschließen können, wirbt Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, für einen verspäteten Ausbildungsstart. Nachzügler habe es schon immer gegeben. „Es wird kein junger Mensch zurückgelassen“, so Rauch. Nicht zuletzt die Berufsberatung biete berufsbegleitende Unterstützung an. Hinzu kommt: Auch wer pünktlich im September die Ausbildung begonnen hat, wird manchmal zum Nachzügler.

Denn knapp 30 Prozent der Verträge im baden-württembergischen Handwerk werden relativ schnell wieder aufgelöst, hat Rauch errechnet. Er hält eine solche Lösungsquote für unproblematisch. Denn im Gegensatz zu den Abbrechern, die in ganz andere Bereiche wechselten, blieben diese Jugendlichen dem Handwerk erhalten. Sie wechselten aber entweder den Arbeitgeber oder auch den Handwerksberuf. Übrigens: Mit dieser Quote steht das Handwerk im Land noch recht gut da. Bundesweit habe das Handwerk eine Lösungsquote von 46 Prozent. In der Industrie würden rund 35 Prozent der Verträge bald nach Ausbildungsbeginn gelöst.

Im Südwesten sind noch mehr als 1000 Jugendliche unversorgt

Bei der Bundesagentur für Arbeit im Südwesten haben sich im Ausbildungsjahr 2020/21 insgesamt – also einschließlich Industrie und Handel beispielsweise – 52 296 junge Menschen als suchend gemeldet (Stand Ende September). Unversorgt sind derzeit noch 1118 Jugendliche. Dem stehen noch mehr als 10 000 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Bundesweit sind 24 600 Bewerberinnen und Bewerber noch unversorgt. Ende September 2021 gab es noch 63 200 unbesetzte Ausbildungsstellen.

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