B-14-Ausbau nach Backnang Bauingenieur hält Kosten- und Zeitplan für unrealistisch

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Frieder John hat mehrere Jahre lang für das Regierungspräsidium Stuttgart den Ausbau der B 14 zwischen Winnenden und Backnang mit vorangetrieben. Als Privatmann regt er sich jetzt über einige Planungsdetails auf.

Bei Waldrems ist erst einmal Schluss mit dem vierstreifigen Ausbau. Foto: Gottfried Stoppel
Bei Waldrems ist erst einmal Schluss mit dem vierstreifigen Ausbau. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Bis zum Jahr 2026 soll der vierstreifige Ausbau der B 14 nach Backnang bis zum Autobahnzubringer, der Landesstraße in Richtung Mundelsheim, komplett fertig sein. Das hat nicht nur der Landesverkehrsminister Winfried Hermann bei einer Baustellenbesichtigung im Rahmen seiner Sommertour im vergangenen Jahr betont. Auch das Regierungspräsidium Stuttgart, das die Maßnahme im Auftrag des Bundes koordiniert, hat den Termin mehrfach als ein nach wie vor realistisches Ziel bestätigt.

Frieder John hingegen hält das für utopisch. Er ist sicher, dass sich der Ausbau deutlich länger hinziehen wird und dass die Kosten das bisher Kalkulierte sprengen werden – auch, weil bei der Planung bisweilen grobe Fehler gemacht würden.

Bauingenieur war früher selbst beim Regierungspräsidium

Frieder John sollte wissen, wovon er spricht. Der Bauingenieur hat bis 2013 selbst für das Regierungspräsidium gearbeitet – und zwar am B-14-Neubau. Er hat, wie er sagt, den Bau des Leutenbachtunnels geplant und zuletzt die Ausschreibung und Kostenplanung für die Anschlussstelle Backnang-Mitte verantwortet – „eine Punktlandung“, wie er heute mit einem gewissen Stolz in der Stimme behauptet.

Davon hingegen könne man in anderen Abschnitten kaum sprechen. John, der vor sechs Jahren auf eigenen Wunsch „aus privaten Gründen“ aus der Behörde ausgeschieden ist, sagt, dass er keineswegs in Richtung seines alten Arbeitgebers nachtreten wolle. Er behauptet aber auch, dass man den abschnittsweisen Neubau besser machen könnte und dass es ihn als Bürger ärgere, wenn auf manche Weise Steuergelder verschwendet würden.

Vorziehen des Murrtalviadukts „volkswirtschaftlicher Unsinn“

Als ein Beispiel nennt er den Bau des zweiten Murrtalviadukts zwischen den Anschlussstellen Backnang-Mitte und -West. Die Errichtung dieses Bauwerks zeitlich vorzuziehen, nur weil man zurzeit nicht wie eigentlich vorgesehen an der Kreuzung Waldrems weiterkomme, ist für den Bauexperten nicht nur unsinnig, weil es keinerlei Verbesserung für den Verkehr bringe, „es kostet auch noch eine Menge mehr Geld“.

John rechnet vor: Zum einen würden nach der Fertigstellung laufende Unterhaltskosten fällig, zum anderen starte ein unnötiger Werteverzehr. Bei einer kalkulatorischen Lebensdauer von 70 Jahren müsse man nach rund 30 Jahren mit einer großen Sanierung des Bauwerks rechnen. Bei verkehrstechnisch hochbelasteten Brücken könne da schnell die Hälfte des Neupreises zusammenkommen.

Gehe man davon aus, dass das Viadukt mindestens zehn Jahre lang für den Verkehrsfluss nutzlos sei, weil die B 14 davor und dahinter noch nicht fertig ist, so komme bei rund 20 Millionen Neubaukosten ein Werteverzehr von rund drei Millionen Euro, ein Sanierungskostenanteil von weiteren drei Millionen sowie Kosten für Betrieb, Kleinreparaturen und Verwaltung eine Summe von sechs Millionen Euro oder mehr zusammen – „für zehn Jahre sinnlos Rumstehen“, wie John sagt. „Es ist also volkswirtschaftlicher Unsinn, das Viadukt jetzt zu bauen.“

Entlastung durch Umbau der Kälble-Kreuzung

Was aber wäre seiner Ansicht nach sinnvoller? John würde als Erstes die sogenannte Kälble-Kreuzung umbauen, den Querverkehr von der Kitzbüheler zur Maubacher Straße – wie später auch vorgesehen – über eine Brücke führen oder das Nadelöhr erst einmal zumindest durch verkehrstechnische Maßnahmen wie Linksabbiegeverbote beseitigen.

Doch das ist seiner Ansicht nach gar nicht gewollt, der Verkehr solle gar nicht jetzt schon flüssiger fließen. Warum? „Der Druck der Autofahrer soll bleiben, damit die Gesamtmaßnahme auch politisch vollständig durchgesetzt werden kann“, glaubt John. Zwar habe der Bund eine Finanzierungszusage für den gesamten Ausbau bis zur Anschlussstelle Backnang-West gegeben – aber die könne man auch schnell wieder zurückziehen, wenn veränderte Umstände das nötig machten.

Ohnehin glaubt John nicht, dass die Straßenbauer auch nur annähernd mit den vom Bund bewilligten rund 140 Millionen Euro für den Ausbau von Nellmersbach bis Backnang-West auskommen werden. Und das liege nicht nur an den allgemeinen ­Baukostensteigerungen.

Noch keine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn

John glaubt vielmehr, dass der Tunnel in Waldrems, bei dem er im Übrigen auch die Planung der provisorischen Verkehrsführung während der Bauzeit für sehr problematisch hält, deutlich teurer wird als bisher angenommen. Ähnliches gelte für den Tunnel bei Maubach, und vor allem für die beiden Bahnbrücken im nördlichen Abschnitt – für die es noch gar keine entsprechenden Vereinbarungen mit der Deutschen Bahn gebe. Hinzu komme, dass bei den Planungen diverse Schwierigkeiten im Baugrund nicht berücksichtigt worden seien. Auch die Kosten für Provisorien während der Bauzeit seien nicht ausreichend in die Kalkulation eingeflossen.

Seinen Ex-Kollegen beim Regierungspräsidium macht John da gar keinen Vorwurf. Die vergleichsweise niedrigen Ansätze seien Usus – und der aus seiner Sicht problematischen Konstellation mit widerstreitenden Interessen geschuldet: Das Land baut, der Bund bezahlt. „Da bemüht man sich natürlich um eine extrem schlanke Planung, in die Risiken möglichst nicht eingerechnet werden“, sagt John.

Fertigstellung erst in 25 Jahren?

Auch wenn die Beteiligten natürlich bestrebt seien, die Aufgabe so schnell wie möglich abzuarbeiten, glaube er nicht, dass das selbst gesteckte Ziel, Bauende im Jahr 2026, einzuhalten ist. Schon allein, weil ein Bauleiter erfahrungsgemäß höchstens ein Volumen von zwei bis fünf Millionen Euro pro Jahr umsetzen könne, dürfte der restliche B-14-Ausbau Johns Ansicht nach auf keinen Fall schneller als in 15 Jahren zu bewältigen sein. Seine Prognose gehe eher in Richtung 25 Jahre. „Aber möglicherweise werde ich die Fertigstellung auch gar nicht mehr erleben“, sagt der 50-Jährige.




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