Baby und Album Ein Happy End für Katy Perry

Von dpa 

Hochschwanger inmitten einer Pandemie? Für Katy Perry kein Hindernis. Kaum ein anderer Popstar betrieb zuletzt mehr Öffentlichkeitsarbeit als die US-Sängerin. Ein Grund dafür: Perrys fünftes Album «Smile». Dessen Veröffentlichung kommt ihr Baby jetzt ganz knapp zuvor.

Katy Perry bei einem Auftritt in Melbourne im März 2020. Foto: Scott Barbour/AAP/dpa Foto: dpa
Katy Perry bei einem Auftritt in Melbourne im März 2020. Foto: Scott Barbour/AAP/dpa

Hamburg/Los Angeles - Katy Perry spürte ein bisschen Zeitdruck. "Vieles ist im Stillstand, etliche Musiker verzichten gerade gänzlich darauf, neue Songs zu veröffentlichen. Aber ich gehe in die Offensive und fühle mich jetzt schon wie eine Working Mom", sagt die 35 Jahre alte US-Popsängerin kürzlich im Interview der Deutschen Presse-Agentur via Zoom-App aus ihrem Heim in Los Angeles.

Mit dem neuen Album "Smile" und dessen Termin 28. August war Perry in eine Art Wettrennen mit sich selbst getreten: Ihre gemeinsame Tochter mit Hollywood-Schauspieler Orlando Bloom (43) sollte nämlich ungefähr zeitgleich das Licht der Welt erblicken. Das Baby war letztendlich etwas schneller - die Geburt steht zugleich für ein Happy End.

Am Tag vor der "Smile"-Veröffentlichung teilten Perry und Bloom der Welt überglücklich mit: "Wir schweben vor lauter Liebe und dem Wunder der sicheren und gesunden Ankunft unserer Tochter." Die bekommt den Namen Daisy Dove Bloom, wie die Unicef-Botschafter am Donnerstag auf dem Instagram-Account der Kinderhilfsorganisation mitteilten.

Die Eltern veröffentlichten ein Schwarz-Weiß-Foto, auf dem zu sehen ist, wie ihre Hände ein Baby-Händchen halten. Das Bild eines Gänseblümchens (auf Englisch: Daisy, der Name des Babys) ziert einen Fingernagel der Mutter. Möglicherweise lieferte Perry ja schon im Mai einen Hinweis auf den Namen, als sie einen Song veröffentlichte - mit dem Titel "Daisies". Im Video dazu war die schwangere Perry in einem dünnen, weißen Kleid zu sehen, das im Wind ihren Babybauch betonte.

Seit 2011 gehört die Musikerin laut "Forbes" zu den Bestverdienern im Pop - mit eigener Modelinie, Label und einem Platz in der Jury von "American Idol". Zehn Jahre ist es her, dass Perry ihr zweites Studioalbum "Teenage Dream" veröffentlichte, für das sie sich als cartoon-artige Erscheinung, gebettet auf einer Wolke aus Zuckerwatte, inszenierte. Mit Hits wie "California Gurls" oder "Firework" traf sie den Nerv der Zeit und stieg zum Pop-Superstar auf. Fünf Nummer-eins-Singles aus einem Album zu destillieren, das gelang sonst nur Michael Jackson mit "Bad" von 1987.

Seither hat die als Katheryn Elizabeth Hudson im kalifornischen Santa Barbara geborene Künstlerin etliche Höhen und Tiefen im Musikbusiness wie auch als Privatmensch durchlebt - und beides vermischte sich in ihrer Arbeit des öfteren. Da war die Kurzzeitehe mit dem britischen Comedian Russell Brand, der sich via Textnachricht von der beruflich ambitionierten Sängerin trennte. Die Nachwirkungen verarbeitete Perry 2013 in der Ballade "By The Grace Of God" ihres Albums "Prism".

Zum Triumph wurde 2015 ihre Halbzeitshow beim "Super Bowl", wo sie zu "Roar" auf dem Rücken eines goldenen Löwen das Stadion enterte. Zum Release ihres bisher letzten Albums "Witness" konnte man Perry ein ganzes Wochenende lang in einem Big-Brother-ähnlichen Livestream beobachten: Sie wirkte psychisch angeschlagen, distanzierte sich von der von ihr geschaffenen Kunstfigur Katy Perry und wünschte sich weinend Mann und Kind an ihre Seite.

Drei Jahre später hat sie nun beides - und ein neues Album draußen. Auf dem Cover-Artwork von "Smile" sieht man Perry indes als traurigen Clown. "Der Clown ist eine Metapher. So sieht jemand aus, der sein Lächeln verloren hat", meint Perry. "Smile" sei keine Aufforderung, immer happy zu sein. "Das wäre ja auch zynisch, wo so viele Menschen gerade durch eine dunkle Zeit gehen."

Vor zweieinhalb Jahren wurde Perry erneut von Depressionen heimgesucht. Ihr Album "Witness" kam nicht so an, wie sie es sich gewünscht hatte. Von Bloom war sie zu der Zeit getrennt. Zum ersten Mal musste Perry lernen, dass man sich auf die Pop-Karriere auch nicht verlassen kann. In ihren neuen Songs geht es viel um Tränen - und Blumen! Serviert wurde mit Häppchen-Taktik: Fünf der zwölf Lieder sind bereits über die vergangenen 15 Monate verteilt erschienen.

Darunter auch "Daisies" - deswegen trug Perry wochenlang Kostüme mit Gänseblümchen-Dekoration. "Es ist der Lieblingssong meines Verlobten", sagt sie. In "Resilient" vergleicht sie sich mit einer Blume, deren Wasser vergiftet wurde. "Ich musste mich ein Stück weit aus dem Rattenrennen des Musikbusiness befreien und aufhören, dem nächsten Hit hinterherzujagen." Für "Not The End Of The World" zitiert sie den Klassiker "Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye".

Kein Zweifel: Katy Perry hat sich als Mensch und auch als Künstlerin weiterentwickelt. Ihre Songs sind emotional authentisch - ihr ist ein schönes Sommeralbum gelungen, deren zugrunde liegende Krise den Hörgenuss nicht vergiftet, sondern für Tiefe sorgt.

Als richtungweisend bezeichnet Perry das Akustik-Stück "What Makes A Woman", das der Tochter den Weg weisen soll. "Wir Frauen sind stark, belastbar, anpassungsfähig, wahre Chamäleons und so vieles mehr, für das ein einziger Song nicht reicht. Durch meine Schwangerschaft ist mir das noch bewusster geworden. Es ist der letzte Song der Platte, aber vielleicht der erste Moment meines neuen Kapitels."

Im März hatte Perry das Geheimnis um ihre Schwangerschaft gelüftet. Es gab schon länger Gerüchte, dass die Musikerin und ihr Verlobter ein Baby bekommen. Bloom hat einen neunjährigen Jungen aus der Ehe mit Top-Model Miranda Kerr. Mit Perry ist er seit 2016 zusammen.

Die Nachricht von Daisy Dove Blooms Geburt stellten die Eltern am Donnerstag in einen größeren Zusammenhang: "Wir wissen, dass wir die Glücklichen sind und nicht jeder die Erfahrung einer Geburt haben darf, die so friedlich wie unsere war." Vielerorts leide das Gesundheitssystem an zu wenigen Mitarbeitern, "und alle elf Sekunden stirbt eine Schwangere oder ein Neugeborenes - meistens aus vermeidbaren Gründen". Daher bitten Perry und Bloom um Spenden für eine bessere Gesundheitsversorgung - und schließen mit einem Aufruf, der auf die Namen von Tochter und Vater anspielt: "Wir hoffen, eure Herzen können blühen (auf Englisch: bloom) vor Großzügigkeit."

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