Babywoche im Krankenhaus Leonberg Warum stillen ein wenig wie tanzen ist

Von Jonah Wermter 

Zahlreiche Besucher haben sich bei der Babywoche im Krankenhaus über Möglichkeiten vor Ort informiert.

Eine Hebamme hat die werdenden Eltern über die verschiedenen Möglichkeiten zur Geburt im Leonberger Krankenhaus informiert. Foto: factum/Bach
Eine Hebamme hat die werdenden Eltern über die verschiedenen Möglichkeiten zur Geburt im Leonberger Krankenhaus informiert. Foto: factum/Bach

Leonberg - Während Esther Keßler spricht, wandeln sich die Gesichter der Zuhörer stetig. Schauen sie anfangs noch etwas unsicher oder interessiert, zeigen sie sich später erstaunt, beeindruckt oder erleichtert. Esther Keßler ist Hebamme und spricht gerade über die Vorzüge des Stillens. Ihre Stimme ist dabei ruhig, gefühlvoll und sicher, sodass sich die Zuhörer beraten fühlen, nicht belehrt. Die Zuhörer sind größtenteils werdende Eltern, die sich über die Geburtsstation des Leonberger Krankenhauses informieren.

Auch in diesem Jahr kamen wieder viele Interessierte zur jährlichen Babywoche. Insbesondere den Familientag am Samstag nutzen zukünftige Eltern, um sich über das zertifiziert babyfreundliche Krankenhaus zu informieren.

Der Familientag als Höhepunkt

Bereits zum neunten Mal lud das Team der Geburtshilflichen Abteilung zur Babywoche. Vier Tage lang von Mittwoch bis Samstag wurden Vorträge und Führungen angeboten. „Wir wollen damit zeigen, was das Besondere an einem babyfreundlichen Krankenhaus ist“, erklärt der leitende Arzt Jürgen Mewald. Das Zertifikat wurde dem Krankenhaus bereits 2012 von WHO und Unicef verliehen.

Unter der Woche stand die formale Vorbereitung auf die Geburt im Vordergrund: Was muss ich alles im Vorfeld regeln? Welche Anträge muss ich für Mutterschutz, Elternzeit und -geld stellen? Welche Produkte sind bei der Erstausstattung sinnvoll? Zudem lernten werdende Eltern, wie man Alltagsunfällen mit Säuglingen vorbeugt und im Ernstfall Erste Hilfe leistet.

Den Höhepunkt der Woche bildet der Familientag am Samstag, der von mehr als 50 werdenden Eltern, Großeltern und interessierten Zuhörern besucht wurde. Den Auftakt machte Esther Keßlers Vortrag „Stillen – Die natürlichste Sache der Welt?“. Eine Besonderheit des Leonberger Krankenhauses ist, dass überdurchschnittlich viele Mütter ihr Kind nach der Geburt dort stillen – fast 90 Prozent. Das liegt auch an Keßler, die nicht nur Hebamme, sondern auch Stillberaterin ist. Sie sagt: „Stillen ist wie tanzen. Jeder kann es, aber wenn man ein paar Schritte beherrscht, wird es harmonischer.“ Bei Stillberatungen und -infoabenden hilft sie jungen Müttern, diese Schritte zu lernen. Zudem informiert sie dort – wie auch am Samstag – über die Vorzüge von Muttermilch und Brust gegenüber Milchersatz und Flasche.

„Muttermilch ist immer hygienisch, gut portioniert und wohltemperiert, enthält wertvollen Infektions- und Allergienschutz und ist nahrhafter als jede andere Substanz.“ Zudem helfe das Stillen dabei, eine Verbindung zwischen Mutter und Kind herzustellen. „Wir ermutigen hier jede zum Stillen. Dennoch gilt: Jede Mutter hat das Recht, nicht die Pflicht, ihr Kind zu stillen“, stellt sie klar. Alle Mütter seien in Leonberg gut aufgehoben, auch wenn sie nicht stillen wollen.

Es gibt eine Gebärwanne für Wassergeburten

Im weiteren Verlauf gibt sie Tipps zur Position beim Stillen und beantwortet die Fragen der meist sehr jungen Eltern. Mischa und Jenny, die bald ihr erstes Kind erwarten, zeigen sich begeistert. „Wir sind heute hergekommen, um uns ein bisschen mehr Sicherheit zu holen, ein wenig Starthilfe. Das klappt super!“, freut sich das erleichterte Paar.

Im Folgevortrag stellt der leitende Arzt Jürgen Mewald die Geburtsstation vor: „Wir streben eine möglichst individuelle Betreuung an“, sagt er. Mütter sollen sich über den gesamten Geburtsprozess gut begleitet und vor allem unterstützt fühlen. Er erklärt die Notfallkonzepte, welche in Kooperation mit dem Böblinger und dem Stuttgarter Krankenhaus funktionieren.

Aufgeteilt in kleine Gruppen dürfen sich die Besucher dann den Kreißsaal ansehen. Ärztinnen, Hebammen und Krankenschwestern führen durch die vier Geburtsräume, die Wochenzimmer und den Wehenraum, in dem Schwangere in unmittelbarer Nähe zu den Kreißsälen auf die Geburt warten können. „Uns war es wichtig, hier alles so wenig wie möglich nach Krankenhaus aussehen zu lassen“, erklärt die Ärztin Annett Geitner. „Und bei den Kreißsälen war es uns wichtig, dass die Frauen sich aussuchen können, wie sie gebären wollen.“ Daher stehen neben Betten auch Sessel, Sitzbälle und Decken in den Räumen bereit. Sogar eine Gebärwanne für Wassergeburten ist vorhanden.




Unsere Empfehlung für Sie