Backnanger Naturschutzstrategie Wildblumen und Schafe in der Murrmetropole?

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Die Stadtverwaltung überrascht die Gemeinderäte mit einem Konzept zum Naturschutz. Die öffentlichen Grünflächen könnten umgestaltet werden.

Schafe könnten der  Stadt bei der Pflege der Grünflächen helfen. Foto: Stoppel
Schafe könnten der Stadt bei der Pflege der Grünflächen helfen. Foto: Stoppel

Backnang - Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Willy Härtner hatte sich für die jüngste Gemeinderatssitzung schon mit Argumenten munitioniert. Auf diverse Anträge seiner Fraktion, die den Umweltschutz in Backnang vorantreiben sollten, hatte Härtner offensichtlich keine befriedigende Antwort der Stadtverwaltung erwartet. Doch der Vortrag von Stefan Klett vom Stadtplanungsamt ließ den Grünen-Chef vor Begeisterung gerührt zurück.

Klett und seine Kollegen haben einen Plan, wie die biologische Vielfalt in der Murrmetropole in den nächsten Jahren gefördert werden könnte. In der Naturschutzstrategie – das ist der wenig überraschende Teil – spielen ein Biotopverbund sowie die Ausgleichsmaßnahmen eine Rolle, mit der die Stadt Backnang Ökopunkte sammeln kann, die dann bei Bauprojekten angerechnet werden. Die gibt es zum Beispiel für die Sanierung von rund 70 laufenden Metern Trockenmauern im Ortsteil Oberschöntal. „Sie sind momentan zugewuchert und ökologisch nicht funktionsfähig“, erklärte Klett. Die Arbeiten sollen in diesem Oktober beginnen. Mit einem Schwalbenturm, in dem auch Fledermäuse unterkommen, könnten weitere wertvolle Ökopunkte gesammelt werden.

„Der Rüssel ist zu kurz“

Ein Vorschlag, der eher erstaunt: Die Verwaltung erwägt, viele der bislang im Stadtgebiet gepflanzten, teils exotischen Blumen durch Wildblumen zu ersetzen. „Die Zierstauden sind hübsch anzusehen, haben aber einige Nachteile“, sagte Klett. So lieferten einige Arten nicht genügend Nahrung für heimische Insekten, „weil deren Rüssel nicht lang genug ist“. Ihr ökologischer Wert sei gering, der Pflegeaufwand hoch und die Blumen häufig von Unkraut überwuchert. Heimische Wildpflanzen dagegen ernährten Backnanger Krabbelwesen – und damit Tiere, die in der Nahrungskette über ihnen stehen.

„Außerdem sind Wildblumen mehrjährig und selbstaussähend“, so Klett. Im Gegensatz zu Zierstauden, die jedes Jahr neu angepflanzt werden müssten, erspare dies Arbeit und Geld. In Bad Saulgau oder beim Daimler-Werk in Rastatt sehe man schon heute, dass das Konzept Sinn mache. Recherchen unserer Zeitung zufolge sind auch Leonberg (Kreis Böblingen), Donzdorf (Kreis Göppingen), Ostfildern (Kreis Esslingen), Esslingen, Bietigheim-Bissingen und Vaihingen an der Enz (beide Kreis Ludwigsburg) sowie Heidenheim auf Wildpflanzen umgestiegen und haben gute Erfahrungen gemacht.

Bis die Wildblumen gut aussehen, kann Zeit vergehen.

Die Wildblumen und -stauden könnten in städtischen Beeten, aber auch an Straßenrändern und Feldsäumen stehen. Der Leiter des Stadtplanungsamts, Stefan Setzer, betonte, bei Privatleuten sei dies eine freiwillige Sache. Denkbar sei aber auch eine Pachtauflage für Landwirte, an ihren Feldern Buntbrachen einzurichten. Auch Lerchenfenster, also kahle Stellen in der Mitte von Feldern, würde er begrüßen. Für die Pflege der Wildnis könnten – zumindest an Stellen wie dem Dresdner Ring – tierische Helfer in Betracht kommen. Das Ganze sei bislang aber nur eine Idee, Anwohner könnten Einwände dagegen haben.

Die meisten der Stadträte nahmen das Konzept zum Naturschutz wohlwollend auf. Von Gerhard Ketterer (CDU) kamen aber auch kritischere Töne: „Ich glaube, dass es damit noch einige Probleme geben könnte.“ Tatsächlich, räumte Klett ein, erblühten viele Wildblumen erst im zweiten Jahr in voller Pracht. „Es kann auch Jahreszeiten geben, in denen die Grünstreifen nicht so schön aussehen. Deswegen bedarf es dann der Geduld, um der Natur freien Lauf zu lassen.“ Die Bürger müssten umfassend über die Neuerung informiert werden.




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