Die Coronapandemie hatte erhebliche Folgen für die Stuttgarter Freibäder. Umso mehr freut man sich auf den Normalbetrieb. Im Freibad Möhringen wird aber eine Corona-Regel auf Wunsch der Schwimmer beibehalten.

Gewissenhaft legt Paul Winkler Hand an. Ein weißes Mosaikteilchen nach dem anderen klopft er heraus. Eimerweise Bodenplatten, Fliesen und kleinste Stücke der Auskleidung des großen Schwimmerbeckens im Freibad Möhringen hat der Fliesenleger bereits entfernt. In diesem Frühjahr muss besonders viel gemacht werden, sagt er. Bereits nach Ostern steht die Grundreinigung des Beckens an, erklärt Martha Siebert, die diensthabende Aufsichtskraft, danach wird das Wasser eingelassen und nach und nach erwärmt.

Tatsächlich startet dieser Tage bereits die Freibadsaison. Die Open-Air-Anlage in Möhringen öffnet traditionell früher als andere. Wie auch die auf dem Killesberg legt sie schon am 30. April los, am 14. Mai beginnen dann die anderen drei in Vaihingen, in Sillenbuch und in Untertürkheim. Alle Stuttgarter Sommerbäder haben bis zum 11. September geöffnet und bieten nach zwei abgespeckten Corona-Saisons wieder einheitlichen Öffnungszeiten an: unter der Woche ab 7 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen ab 9 Uhr. Im April, Mai und September schließen die Freibäder um 19.30 Uhr, im Hochsommer erst um 20.30 Uhr.

Viel weniger Badegäste im Jahr 2021 in Stuttgart

Alle Beteiligten hoffen auf einen starken Freibad-Sommer. „Volle Power! Wir freuen uns richtig auf die Zeit jetzt“, sagt Martha Siebert. Die Pandemie und der Fachkräftemangel hatten im vergangenen Jahr gebremst. Vor dem Hintergrund des verkürzten Öffnungszeitraums, der Beschränkungen der täglichen Besucherzahlen und des häufig schlechten Wetters hat man 2021 in Stuttgart nur knapp 380 000 Freibadbesucher gezählt. „Im Vergleich zum Normalbetrieb hat sich die Zahl fast halbiert“, sagt Jens Böhm, der Sprecher des städtischen Eigenbetriebs Stuttgarter Bäder.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Corona, mieses Wetter und wenig Personal

Damit die Besucher sich wieder richtig wohlfühlen, wird das Möhringer Freibad seit dem 1. März herausgeputzt. Die Hecken und Bäume sind schon geschnitten worden, an diesem sonnigen Vormittag wird der Rasen gemäht. Auch der Sand auf dem Beachvolleyballfeld und dem Spielplatz ist gereinigt worden. Apropos Spielplatz: Das Kletterschiff ist verschwunden. „Die alten Geräten wurden auf ihre Sicherheit überprüft“, sagt Jens Böhm, danach habe man das Schiff entfernt und gegen ein neues Spielgerät samt Kletterwand ausgetauscht, dessen Form an eine Lokomotive erinnert.

Normalbetrieb nach der Pandemie – mit einer Änderung

Nach den Einschränkungen in der Pandemie ist nun wieder Normalbetrieb angesagt. Ein „Überbleibsel“, wie Jens Böhm es nennt, aus der Zeit mit strikten Hygieneregeln wird es jedoch auch in diesem Sommer weiterhin in Möhringen geben: zwei abgesperrte Bahnen für sportliche Schwimmer im großen Becken. „Das kam sehr gut an“, bestätigt Martha Siebert. Und noch etwas ist neu in diesem Freibad, auch wenn es den meisten Gästen nicht auffallen wird. „Wir haben ab dieser Saison eine PVT-Anlage im Einsatz. Sie kombiniert Solarthermie mit Photovoltaik. Wir erzeugen damit nicht nur Wärme, sondern auch Strom“, erklärt Jens Böhm.

Das Gerät auf einem Gebäudedach wird beispielsweise zum Erwärmen des Becken- oder des Duschwassers genutzt. „Mit dem Strom werden technische Anlagen betrieben. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Reduzierung des CO₂-Ausstoßes“, sagt er. Die Ziele dieser und weiterer Maßnahmen bei den Stuttgarter Bädern seien die Klimaneutralität und damit der Verzicht auf fossile Energieträger.