Im Freibad in Steinheim soll auf eine Heizung auf Holzbasis umgestellt werden. Andere Bäder wollen auch weg vom Gas. Sorgen, die man in Mundelsheim nicht hat.

Die davongaloppierenden Energiekosten haben auch unangenehme Konsequenzen für das Steinheimer Wellarium, beziehungsweise seine Nutzer. Unter anderem deshalb sollen die Eintrittspreise 2023 abermals angehoben werden, nachdem die Besucher bereits 2022 tiefer in die Tasche hatten greifen müssen. Zugleich wollen sich die Betreiberkommunen, die Urmenschstadt selbst und Murr, in Zukunft nicht mehr dem Diktat des Gasmarkts aussetzen und sich von dieser Heizquelle so früh wie möglich komplett verabschieden.

Geplant ist, dass das Freibad schon zur nächsten Saison an die Holzhackschnitzelanlage im Schulzentrum angeschlossen wird. „Der Grundsatzbeschluss dazu wurde von den politischen Gremien bereits gefasst“, sagt der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter auf Nachfrage. Voraussetzung für eine so abrupte Umstellung wäre allerdings, dass sich bis zum Frühsommer eine Leitung hinüber zum Wellarium bauen lässt. „Und das wird nicht ganz einfach“, will der Rathauschef nicht zu viel versprechen.

Preise noch kalkulierbar

Wobei es den Betreiberkommunen wirtschaftlich wohl auch nicht das Genick brechen würde, wenn sie je doch noch eine weitere Sommersaison auf die Gasheizung zurückgreifen müssten. „Wir haben einen Liefervertrag für 2023“, erklärt Winterhalter. Die Preise seien also halbwegs kalkulierbar. Gleichwohl wolle man sich schleunigst von dieser Energiequelle verabschieden, über die zuletzt noch teilweise die Temperatur im Schwimmer- und im Nichtschwimmerbecken nach oben gefahren wurde. Im Wellen- und im Planschbecken setze man nur eine Solarabsorberanlage ein, komme dort also ohnehin schon jetzt ausschließlich mit der Kraft der Sonne aus.

Eine Gemengelage, die man sich in Ludwigsburg wahrscheinlich als Ausgangsposition sogar wünschen würde. Denn hier werden sowohl die Becken als auch die Duschen des Hohenecker Freibads während der Saison mit Gas beheizt, wie Astrid Schulte, Pressesprecherin der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, mitteilt. Das soll aber kein Dauerzustand bleiben. „Aktuell werden alternative Energieerzeugungsmöglichkeiten geprüft, um zeitnah eine geeignete Lösung für das Freibad zu finden“, erklärt sie. Wann eine Umsetzung erfolgen kann, sei „derzeit noch offen“.

Neues Konzept in Arbeit

Mit einem Zeitplan zur Versorgungsumstellung im Oberstenfelder Mineralfreibad wartet auch Markus Kleemann, Bürgermeister der Kommune im Bottwartal, nicht auf. Man arbeite aber „gerade an einer Energiekonzeption, mit dem Ziel, zukünftig alle Energie, die für das Freibad benötigt wird, auf dem Gelände des Bades zu erzeugen“. Aktuell verfüge man über eine Solarabsorberanlage. Diese habe im Verbund mit der Wärmepumpenanlage in der vergangenen Saison seines Wissens nach aufgrund der vielen heißen Tage ausgereicht, um die Becken zu heizen. Die für das Freibad zuständige Mitarbeiterin sei aktuell nicht im Haus, erklärt Kleemann – der somit nicht im Detail sagen konnte, auf welchen Energiemix grundsätzlich im Bad zurückgegriffen werden kann und inwieweit und ob überhaupt man auf Gas angewiesen ist.

Klar ist indes, dass den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen für das Freibad in Bietigheim im Prinzip schon etwas gelungen ist, das andere erst anstreben: eine Energieversorgung, die sich nur aus grünen Quellen speist. Man sei an die Fernwärmeversorgung des Netzes Kreuzäcker angebunden, das in den Sommermonaten zu 100 Prozent mit einer Direktleitung aus der Biogasanlage in Sachsenheim versorgt werde, teilt Pressesprecherin Nadine Reiber mit. Darüber hinaus werde das Kraftwerk am Kreuzäcker mit einem Holzkessel betrieben. Zusätzlich seien auf dem Dach des Freibads Solarabsorber installiert. Unterm Strich könne also „der Energiebedarf des Freibades weitestgehend vor Ort gedeckt werden“. Nur wenn der Nachschub an Wärme aus Biogas und Holz einmal versiegen sollte, könne herkömmliches Erdgas zugefeuert werden.

Aus dem Schneider

Eine Vorbildrolle nimmt in energetischer Hinsicht auch die Gemeinde Mundelsheim mit ihrem Freibad ein. Man sei „mal wieder der Zeit voraus“, teilt Bürgermeister Boris Seitz mit einem Schmunzeln mit. Schon seit Jahren sei man nicht mehr auf Gas angewiesen, um die Einrichtung zu betreiben. „Bei uns wird das Wasser über eine Solarabsorberanlage auf dem Dach erwärmt“, erklärt der Rathauschef. Man bekomme somit im Gegensatz zu umliegenden Betreibern, die Gas einsetzen, zwar „nicht immer die höheren beziehungsweise konstante Beckentemperaturen hin“. Dafür sei man aber bereits seit Langem nachhaltig unterwegs.