Baltmannsweilers Bürgermeister im Interview „Ohne Augenmaß wird es nicht gehen“

Klimaschutz, Bauprojekte – die Gemeinde Baltmannsweiler hat 2021 einiges vor. Was genau, das verrät Bürgermeister Simon Schmid im Interview. Und auch, warum die Verwaltung jetzt Augenmaß braucht.

Baltmannsweiler - Das Jahr 2021 hat auch in Baltmannsweiler ruhiger begonnen als sonst: kein Empfang, kein Neujahrskonzert. Bürgermeister Simon Schmid schildert im Interview mit unserer Zeitung, was der Schurwaldgemeinde in diesem Jahr bevorsteht, und mit welchen Themen sich die Kommunalpolitik konkret befassen wird.

Wie würden Sie das Jahr beschreiben, das vor der Gemeinde liegt?

Sicherlich herausfordernd, aber auch mit Freude verbunden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen ja auch nicht vor der Gemeinde Baltmannsweiler Halt. Wir werden einen nicht ausgeglichenen Haushalt haben. Nichtsdestotrotz wollen wir unsere Rolle als Zugpferd wahrnehmen, das heißt, unsere begonnenen Projekte kraftvoll angehen. Aber natürlich wird in Zukunft – das werden die kommenden Haushaltsjahre zeigen – mehr denn je Augenmaß notwendig sein.

Wofür wird Geld ausgegeben?

Erhebliche Mittel werden bestimmt in die Generalsanierung der Sporthalle fließen. Die Baumaßnahme wurde ja im letzten Jahr begonnen. Der Gemeinderat hat dabei auch gerade im Energiebereich – mit Wärmepumpe und Fotovoltaik – ein sehr nachhaltiges Konzept beschlossen. Wenn wir die Sporthallensanierung dieses Jahr zum Abschluss bringen, ist im Sportzentrum Mahdspitz die Sportstättenkonzeption mit sanierter Sporthalle und neuem Kunstrasenplatz abgeschlossen, und das Areal ist für die vielen Nutzer zukunftsweisend aufgestellt.

Welche Themen aus dem alten Jahr beschäftigen die Politik weiter?

Natürlich das Großprojekt Feuerwehrneubau mit DRK. Da wollen wir in diesem Jahr zur Baureife gelangen. Wir kommen Schritt für Schritt nach vorne und wollen im engen Dialog mit den Nutzern in den nächsten Monaten die Einzelheiten erarbeiten. Ein Kindergartenmasterplan befindet sich gerade in Arbeit. Da wollen wir herausfinden, welche Qualität und Quantität wir in unseren Einrichtungen in Zukunft brauchen.

Gibt es auch komplett neue Themen?

Zum einen gibt es ein sehr nachhaltiges Natur- und Klimaschutzprojekt, das wir zusammen mit der Forstverwaltung durchführen wollen. Im Frühjahr sollen auf der Gemarkung Hohengehren 4000 Bäume gepflanzt werden. Es geht darum, welche Sorten in unseren Wäldern eine Zukunft haben. Unsere Gemeinde besteht zu fast 70 Prozent aus Wald, deshalb ist das auch eine Daseinsvorsorge für die Zukunft. Es freut mich auch, dass wir dabei eng von der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg begleitet werden. Das unterstreicht die Qualität dieses Projektes. Weiter hat der Gemeinderat kurz vor Jahresende einstimmig beschlossen, sich dem Thema Bürgerbeteiligung noch einmal näher zu widmen. Wir praktizieren ja bisher schon projektbezogene Beteiligungsformen. Zu prüfen ist, ob ein standardisiertes Verfahren, eine Bürgerbeteiligungskonzeption zielführend ist. Kurz gesagt: Wie gelingt es uns , Bürgerbeteiligung im kommunalpolitischen Alltag in unsere DNA zu integrieren, um so das vorhandene Engagement in unserem Ort noch besser zu nutzen. Da gilt es, den entsprechenden Methodenkoffer zu erarbeiten mit externer Hilfe. Und ich glaube, dann kann es sehr gewinnbringend in die zukünftige Entwicklung unserer Gemeinde eingebracht werden.

Was bedeutet es, dass Sie sich Hilfe von außen holen?

Bei solch einer Konzeption ist ja das „Wie“ und eine gute Moderation entscheidend. Wir wollen offen an das Thema herangehen und hierfür benötigen wir professionelle Unterstützung.

Wie steht es Ihrer Meinung nach um Kultur und Soziales in der Gemeinde?

Natürlich leidet der Kultursektor wie überall auch bei uns momentan. Auch unser Neujahrskonzert, das ja jedes Jahr das Stelldichein ist, musste leider abgesagt werden. Und vor allem leidet das Ehrenamt. Wir haben hier unsere vitalen Vereine, die Eckpfeiler der dörflichen Gemeinschaft. Die warten darauf, dass die Vereinsarbeit wieder angegangen werden kann. Da hoffen wir natürlich, dass die Corona-Pandemie das dieses Jahr zulässt. Weiter hat auch unsere Volkshochschule aktuell mit Einschränkungen ihrer Angebote zu kämpfen. Bezüglich der VHS hatte der Gemeinderat im letzten Jahr den wegweisenden Beschluss gefasst, dass man eine engere Kooperation mit Aichwald anstrebt. Die Volkshochschulen im Land müssen sich qualitativ neu aufstellen, und das wollen wir im engen Schulterschluss mit der VHS Aichwald angehen. Das ist ein klares Signal, dass auch die kleineren Volkshochschulen vor Ort eine Daseinsberechtigung haben und Bildungsangebote und Weiterbildung vor Ort anbieten können. Das wird aktuell erarbeitet, und da hege ich große Hoffnung, dass wir auch in Zukunft eine sehr starke Volkshochschule vor Ort haben werden.

Bringt das angefangene Jahr Chancen für Gewerbeentwicklung in Baltmannsweiler mit sich?

Wir haben das Gewerbegebiet Escherländer in den letzten Jahren Stück für Stück aufgesiedelt, da ist ein interessanter Branchenmix aus Dienstleistung und produzierendem Gewerbe entstanden. Wir haben ja zum Beispiel noch kurz vor der Corona-Pandemie ein Gewerbefrühstück gemacht, das wollen wir nach und nach als verbesserte Kommunikation etablieren. So hat man einen guten Zugang zum örtlichen Gewerbe, um dann auch die Wirtschaftskraft im Blick zu halten.

Womit wartet die Gemeinde bis Corona vorbei ist?

Wir wollen als Zugpferd vorangehen, deshalb werden wir jetzt nicht proaktiv Dinge ausbremsen. Aber natürlich müssen wir die Entwicklung der nächsten Jahre im Blick haben. Die Jahre 2022 und 2023 werden uns ganz deutlich zeigen, wie die Auswirkungen von Corona sind. Ohne Augenmaß wird es in den nächsten Jahren nicht gehen. Aber noch mal: Man muss in dieser Situation jetzt auch mit Optimismus vorangehen.

 

Die Fragen stellte Julia Theermann.




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