Terroranschlag in Barcelona Lieferwagen rast in Menschenmenge

Von red/dpa/AP 

Nizza, Berlin, jetzt Barcelona: Ein Lieferwagen rast in der katalanischen Metropole in eine Menge voller Menschen, viele sterben. Die Terrormiliz IS bekennt sich zu dem Anschlag.

Rettungskräfte versorgen nach einem Anschlag in Barcelona ein Opfer Foto: AFP 32 Bilder
Rettungskräfte versorgen nach einem Anschlag in Barcelona ein Opfer Foto: AFP

Barcelona - Bei einem islamistischen Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas mindestens 13 Menschen getötet worden. Bis zu 100 weitere Menschen wurden verletzt, nachdem ein Lieferwagen mit hohem Tempo in eine Menschenmenge gerast war. Einige Menschen seien schwer verletzt, daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Zahl der Todesopfer noch steige, sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Forn, am späten Donnerstagabend. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag laut ihrem Sprachrohr Amak für sich.

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Zwei Verdächtige wurden von der spanischen Polizei verhaftet. Ein dritter Verdächtiger sei tot, sagte Forn. Laut Auswärtigem Amt war zunächst unklar, ob deutsche Staatsbürger unter den Opfern sind. Man prüfe dies mit Hochdruck, sagte eine Sprecherin. Das ZDF berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise von drei deutschen Todesopfern.

Lesen Sie hier: So reagieren Twitter-Nutzer auf den Anschlag.

Anschläge auf Metropolen

Es war der fünfte Anschlag mit einem Fahrzeug in einer europäischen Metropole seit Mitte 2016. „Die Demokratie wird den Terrorismus und die Barbarei überall dort besiegen, wo diese stattfinden“, sagte der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont. „Katalonien ist immer ein Land des Friedens und der Aufnahme gewesen, und wir werden uns nicht kleinkriegen lassen“, ergänzte er.

Nach Angaben des IS-Sprachrohrs Amak waren mehrere Täter an dem Anschlag beteiligt. Sie seien „Soldaten des Islamischen Staates“, meldete Amak unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen. Sie hätten mit der Operation auf Aufrufe reagiert, die Staaten der „internationalen Koalition“ anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle von Amak im Internet verbreitet.

Der Erklärung von Amak waren Lobpreisungen von IS-Anhängern in sozialen Netzwerken vorausgegangen, wie die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete. Dies sei möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Gruppe vorab von dem Anschlagsplan gewusst habe.

Bei einem der Festgenommenen handelt es sich nach Medienberichten um einen Mann, der in einer Stadt nördlich von Barcelona gemeldet ist. Er komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ und das staatliche Fernsehen TVE unter Berufung auf Polizeikreise.

Leichen am Straßenrand

Fotos aus Barcelona zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo auf die Promenade im Zentrum der Stadt gefahren. Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. Berichten zufolge liefen Menschen panisch über die Straßen.

Viele Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen wie Geschäften in Sicherheit gebracht, berichteten Augenzeugen. Ein deutscher Tourist sagte, es sei wie in einer „Kriegszone“ gewesen. „Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zu gerannt.“ Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf der Flaniermeile hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ berichtete.

Der französische Dschihadismus-Experte Pierre Conesa wies auf Barcelonas besondere Rolle in der Salafistenszene hin. „Barcelona ist eine Stadt, in der es in der Tat seit langem eine sehr starke salafistische Präsenz gibt“, sagte er bei Franceinfo. Barcelona gehöre zu jenen Orten, wo sich Netzwerke organisieren könnten oder wo unter Umständen Anschläge geschehen könnten.

Betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt

Die Polizei war mit einem Großaufgebot auf der berühmten Flaniermeile vor Ort und forderte die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Politiker weltweit reagierten geschockt und betroffen. Vertreter der Bundesregierung zeigte sich erschüttert. „In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier.

„Bin tief erschüttert über Nachrichten aus Barcelona. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Freunden und Angehörigen“, teilte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einem „feigen Anschlag auf unsere Werte“. „Erneut hat der Terror seine hässliche Fratze gezeigt“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) nach Angaben seines Ministeriums.

US-Präsident Donald Trump sagte, man werde alles tun, was nötig sei, um zu helfen. „Seid zäh und stark, wir lieben Euch!“, schrieb Trump. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte: „Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte: „All meine Gedanken und die Solidarität Frankreichs für die Opfer der tragischen Attacke in Barcelona. Wir bleiben vereint und entschlossen.“ EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bekannte, die EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens.

Sicherheitshinweise für Spanien aktualisiert

Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Sicherheitshinweise für Spanien: „Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren“, teilte das Auswärtige Amt mit.

Der bisher blutigste Terroranschlag in Spanien ereignete sich am 11. März 2004. Damals hatten islamistische Attentäter in Madrid Bomben in Pendlerzügen gezündet und 191 Menschen getötet. Rund 1500 weitere wurden verletzt.

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden im Dezember 2016 zwölf Menschen getötet. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.




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