Basketball-Krimi gegen ratiopharm Ulm MHP Riesen Ludwigsburg bleiben Spitzenreiter – auch ohne Elias Harris

Jubel bei John Patrick nach dem Last-Second-Sieg Foto: Pressefoto Baumann
Jubel bei John Patrick nach dem Last-Second-Sieg Foto: Pressefoto Baumann

Der 31-Jährige fehlt den MHP Riesen Ludwigsburg, die das Basketball-Derby gegen Ulm dennoch mit 89:87 gewinnen – und Harris wird in Spanien vom Schnee verweht.

Sport: Joachim Klumpp (ump)
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Ludwigsburg - Einen so frostigen Empfang hatte Elias Harris nun wirklich nicht erwartet. Was die Temperaturen angeht. Der Basketballprofi wechselte aus gerechnet in der Woche nach Spanien, als das mediterrane Land neue Kälterekorde brach mit mehr als 35 Grad – minus, nicht plus. Das ändert nichts daran, dass der ehemalige Ludwigsburger gut angekommen ist („Ich hatte kein Problem, ins neue Team zu kommen“), nachdem er die MHP Riesen Ludwigsburg dank einer Ausstiegsklausel verlassen hat.

Und damit vom BBL-Spitzenreiter zum Tabellen-14. wechselte, was kein Rückschritt sein muss. „Für mich ist es die mit Abstand stärkste Liga der Welt, es war immer ein Traum, hier zu spielen.“ Den nimmt ihm auch John Patrick nicht übel: „Er hat schließlich maßgeblich dazu beigetragen, dass wir mit zehn zu eins Siegen in die Saison gestartet sind.“

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Und der elfte folgte gleich beim Heimauftakt im Jahr 2021, ausgerechnet im stets brisanten Derby gegen ratiopharm Ulm – wenn auch denkbar knapp dank Jordan Hulls Korbleger 0,1 Sekunden (!) vor Schluss zum 89:87 (39:46). „Gewonnen ist gewonnen“, brachte Patrick die Sport-Arithmetik auf den Punkt, auch wenn er zugab: „Wir haben nicht gut gespielt.“ Zumindest drei Viertel des Spiels. War da etwa doch das Fehlen von Harris spürbar? „Natürlich ist er eine Waffe“, gab Patrick zu, „aber er ist nicht mehr hier, da macht es keinen Sinn, darüber zu diskutieren.“ Mit anderen Worten: Der Abgang schmerzt, das war über weite Strecken am Samstag spürbar, denn vor allem in Korbnähe fehlte nicht nur ein sicherer Werfer und harter Rebounder, sondern vor allem ein routinierter Profi, der fast immer die richtigen Entscheidungen traf. „Er war ein Spieler mit Kopf“, weiß auch John Patrick, doch das ist jetzt Schnee von Spanien (ja, den gibt es).

„Wir müssen den Abgang als Mannschaft kompensieren“, hatte Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann vor dem Derby gesagt – und ließ prompt Taten folgen. Er traf auf dem Feld sechs von sechs und war in der wichtigen Plus-minus-Statistik der stärkste Riesen-Spieler. Nicht nur deshalb sagte Patrick: „Er hat das beste Spiel in dieser Saison gemacht.“ Das konnte man von Austin Wiley nicht behaupten. Sein Debüt ging gründlich daneben. Drei Fouls in vier Minuten wies die Statistik für den am Freitag 22 Jahre alt gewordenen Neuzugang aus; das sagt mehr als Worte, von denen Patrick dennoch ein paar hinzufügte: „Natürlich war ich mit seiner Bilanz nicht zufrieden, er war sehr nervös, als er in die Halle kam. Aber er kann uns helfen – wenn er so auftritt wie im Training.“

Ulms Trainer glaubt an die Riesen

Aber das Spiel ist eben etwas anderes, auch wenn von vorneherein klar war, dass der Rookie aus dem College Zeit braucht, um sich an die Liga zu gewöhnen. „Vielleicht habe ich unter der Woche auch den Fehler gemacht, ihn zu sehr integrieren zu wollen, und zu wenig auf das Spiel gegen Ulm hingearbeitet“, zeigte sich Patrick selbstkritisch. Es ist ja gerade noch mal gut gegangen dank dieser Gewinnermentalität bei den Riesen, die sie im letzten Viertel zum Tragen brachten. Selbst Ulms erfahrener Coach Jaka Lakovic ist überzeugt: „Sie werden einen Weg finden, Harris zu ersetzen.“

Wie der aussieht? Das weiß selbst Patrick noch nicht so genau, vielleicht auch mit einem Guard mehr (Jonah Radebaugh, der als Ausländer ebenso überzählig war wie Andrew Warren). Patrick: „Wir müssen einen neuen Stil finden, das wird auch für mich spannend.“ Als ob das Spiel nicht Spannung genug brachte.

Ohne Harris, der aus Spanien vermeldete: „Im Moment konzentriere ich mich vor allem darauf, Augen und Ohren offen zu halten, was sehr wichtig ist, wenn man an einem neuen Ort ankommt.“ Mal unabhängig davon, dass sich der Wechsel auch finanziell gelohnt haben dürfte – und er nicht zuletzt dank steuerlicher Vorteile wohl etwa das Doppelte verdienen dürfte.

Es sei dem 31-Jährigen vergönnt, der beim Abschied betont hat: „Ich werde aus Spanien alle Spiele weiter mitverfolgen.“ Zumindest das Wetter machte es möglich. Das Spiel seines neuen Vereins bei Estudiantes Madrid wurde wegen eines Schneesturms auf Dienstag verschoben.

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