Basketball – MHP Riesen Ludwigsburg Das Riesen-Problem wird größer

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Fünf Niederlagen in Folge und der Spielplan verspricht nicht wirklich Besserung. Was ist mit den MHP Riesen los?

Erst ausgemustert, jetzt wieder am Ball: Spielmacher Lamont Jones Foto: Baumann
Erst ausgemustert, jetzt wieder am Ball: Spielmacher Lamont Jones Foto: Baumann

Ludwigsburg - Der Vorsitzende Alexander Reil schien nach dem Bundesligaspiel der MHP Riesen Ludwigsburg gegen EWE Oldenburg in Gedanken versunken zu sein. Vielleicht sinnierte er darüber, wann die Mannschaft zuletzt fünf Spiele in Serie verloren hatte – doch auch eine halbe Stunde später hatte er keine Antwort darauf: „Das weiß ich nicht“, gestand er – es beschäftige ihn auch nicht primär. „Man kann gegen eine Mannschaft wie Oldenburg verlieren“ – aber bitte nicht so.

Undiszipliniert und egoistisch

67:85! „Undiszipliniert und egoistisch, das ist nicht akzeptabel“, brachte es Reil auf den Punkt. Null Punkte standen somit zum dritten Mal innerhalb von fünf Tagen auf dem Konto. Wobei die Belastung natürlich erschwerend ins Gewicht fällt, doch die gab es in der Vorsaison auch. Dennoch wurden die Ludwigsburger Dritter der Hauptrunde. So ein Abschneiden zu wiederholen, war von Beginn an unrealistisch, doch mit Leistungen wie am Samstag dürfte es kaum zum gesetzten Ziel Play-offs (also Achter) reichen. Nach vier Ligaspielen besteht zwar noch kein Grund zur Panik, „aber es ist ja offensichtlich, dass verschiedene Dinge nicht stimmen“, sagte Reil und legte den Finger in die Wunde.

Das spiegelt allein die Personalpolitik wider. Gegen Oldenburg lief überraschend Lamont Jones auf: Der Neuzugang vom Mitteldeutschen BC war nach der Vorbereitung ausgemustert worden – doch nachdem man sich einvernehmlich vom enttäuschenden US-Spielmacher Thomas Wilder getrennt hatte, erinnerte sich Trainer John Patrick an Jones. „Er hat die letzten Wochen hart an sich gearbeitet“, sagte der Coach zur Kehrtwende – allerdings nicht mit der Mannschaft, weshalb man auf Anhieb keine Wunderdinge erwarten durfte.

Wo sind die Leitwölfe?

21 Ballverluste brachen den Riesen das Genick. „Wir hatten zu viele Selbstmordaktionen“, so Patrick zum chaotischen Spiel seiner Mannschaft. Ob Jones als Spielmacher den unermüdlichen Jordon Crawford (8 Punkte) auf Dauer entlasten kann, scheint fraglich. „Ich hoffe“, sagte Patrick, der bei seiner Kaderplanung bisher nicht das glücklichste Händchen bewies.

Leitfiguren sucht man vergebens: Adam Waleskowski war am Samstag neben der Spur, andere fehlten wie Trevor Mbakwe, der an einer Gehirnerschütterung laboriert und damit für unbestimmte Zeit ausfällt. Immerhin feierte Owen Klassen nach einem Handbruch sein Pflichtspieldebüt als Center: zehn Punkte, sieben Rebounds waren an diesem gebrauchten Abend schon so etwas wie der Bestwert, übertroffen nur von Malcolm Hill (14) und Kelan Martin (18 Punkte). „Letztendlich haben wir zu viele Gegenstöße zugelassen – es geht nicht, wenn die Spieler nach Ballverlusten nicht zurücklaufen“, ärgerte sich Patrick. 23 so genannte Fastbreaks kassierten die Riesen. Patrick: „Das ist nicht normal.“

Patrick will von Krise (noch) nichts wissen

Anzeichen einer Krise? Davon will Patrick noch nicht sprechen. Doch am Dienstag geht es in der Champions League nach Le Mans zum französischen Meister, am Freitag in der Liga nach Berlin zum deutschen Vizemeister. Sieben Niederlagen in Serie sind da nicht mehr ausgeschlossen – und die Riesen-Krise wäre perfekt.

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