Bau der Flugfeldklinik Amselbrut schränkt den Arbeitsplan ein

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Wegen des Artenschutzes darf das künftige Baugelände nur vom 1. Oktober bis 1. Februar gerodet werden. Bei einer Informationsveranstaltung über das Neubauvorhaben melden sich die Kritiker nicht zu Wort.

Die türkisfarbene Fläche markiert das Baufeld für das Klinikum. Links oben verläuft die A 81, ganz rechts die Bahnlinie. Foto: Zweckverband
Die türkisfarbene Fläche markiert das Baufeld für das Klinikum. Links oben verläuft die A 81, ganz rechts die Bahnlinie. Foto: Zweckverband

Böblingen - Für Anke König gibt es am Bebauungsplan Flugfeld-Parkstadt/West eigentlich nichts auszusetzen. Doch die Diplom-Ingenieurin für Landschafts- und Freiraumplanung vom Mannheimer Büro Baader Konzept pocht auf die Erfüllung einiger Bedingungen. Die 40 Jahre alte Expertin, die auch in die Planungen bei Stuttgart 21 eingebunden ist, stellte auf einer Informationsveranstaltung des Zweckverbands Flugfeld klar, dass 20 Prozent der 8,8 Hektar Gesamtfläche nicht versiegelt werden dürften und die Hälfte der Dachflächen der geplanten Flugfeldklinik begrünt werden müsste. Die rund 50 Bürger erfuhren bei der öffentlichen Vorstellung der Pläne erstmals Details. Dass zum Beispiel eine Amselbrut auf dem Gelände festgestellt wurde. Deshalb sind die Rodungsarbeiten befristet.

Calwerstraße ist schon hoch belastet

Wenn wie vorgesehen im Jahr 2020 die Bauarbeiten auf dem Flugfeld beginnen, darf laut König nur vom 1. Oktober bis zum 1. Februar des folgenden Jahres die Fläche von Büschen und Bäumen befreit werden. „In dieser Zeit brütet die Amsel nicht“, erläuterte die Landschaftsplanerin. Für die Zufahrten des Klinikums mit den zwei Parkhäusern müssen vier Bäume gefällt werden. Dafür würden aber in einer Lücke der Baumreihe an der Calwerstraße, wo bereits 29 Platanen stehen, drei neue Bäume gepflanzt. Auch sonst will der Projektgeschäftsführer des Klinikums Südwest, Harald Schäfer, für ausreichendes Grün sorgen. Statt der bisher geplanten 52 Bäume werden auf dem Areal 170 gepflanzt. Das Soll werde damit übererfüllt, bilanzierte Anke König. Damit sei die Vorgabe berücksichtigt, dass für je fünf Autoparkplätze der 700-Betten-Klinik jeweils ein neuer Baum in die Erde komme.

Bei den Luftschadstoffen wie Feinstaub und Stickstoffdioxid, die durch den Klinikverkehr entstehen, ist laut den Experten auf dem Gelände im wesentlichen keine Überschreitung der Grenzwerte zu erwarten. Allerdings sei dies heute schon – was das Stickstoffdioxid betreffe – auf der Calwerstraße der Fall, von wo aus die Klinikbesucher in ein Parkhaus mit 400 Stellplätzen gelangen. Klar ist, dass der Verkehr stark zunehmen wird. Eine genauere Analyse steht noch aus. Trotzdem liegen erste Lärmprognosen vom Büro Modus Consult vor. Wohl die meisten Fenster der Klinik werden nicht geöffnet werden können, weil es zu laut ist und die gesetzlich festgelegte Dezibelgrenze erreicht wird.

Grünschneisen zwischen dem Gebäudekomplex

Eine kleine Gruppe von Kritikern hatte sich auch deshalb zu einer Initiative zusammengefunden. Für die Patienten und die Mitarbeiter sei eine Klinik zwischen der Calwerstraße und der Autobahn 81 nicht tragbar. Die Kliniken in Böblingen und Sindelfingen sollten vielmehr zu einem zentralen Krankenhaus ausgebaut werden. Die Initiative trat dafür ein, „den Lebensraum auf dem Flugfeld zu erhalten“. Zu Wort meldeten sie sich bei der Informationsveranstaltung nicht. Auch der geplante Hubschrauberlandeplatz und die Einflugschneise über dem Wohngebiet waren kein Anlass zur Kritik. Der Sachverständige Gunter Carloff stellte klar, dass eine effektive Notfallversorgung gewährleistet werden müsse: „Es geht dabei um Sekunden.“

Die Erreichbarkeit der Klinik ist generell ein wichtiger Punkt. Zwei Grünschneisen sollen durch den Gebäudekomplex hindurch geschaffen werden, um das Areal zwischen dem Langen See und der Calwerstraße für Fußgänger zu verbinden. Möglicherweise wird es auch einen Radweg geben. Anke König hält die gesamte Planung für „angemessen“, die Belange des Umweltschutzes würden ausreichend berücksichtigt. Amphibien wurden in den Langen See und in die Schilfzone umgesiedelt. Außer auf die Brut einer Amsel ist sie kaum auf schützenswerte Arten gestoßen. Auch nicht auf Juchtenkäfer wie bei Stuttgart 21.