Bauen in Leinfelden-Echterdingen Auftakt für mehr geförderte Wohnungen

Von Leonie Schüler 

Jahrzehntelang hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen keine geförderten Wohnungen mehr geschaffen. Nun wird aufgeholt: Bis 2030 sollen 500 neue Sozialwohnungen entstehen. Wer profitiert davon?

Die Kosten für die zwölf neuen Wohnungen an der Lilienthalstraße liegen  bei 3,7 Millionen Euro. Es entstehen Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Foto: Leonie Schüler
Die Kosten für die zwölf neuen Wohnungen an der Lilienthalstraße liegen bei 3,7 Millionen Euro. Es entstehen Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Foto: Leonie Schüler

Leinfelden-Echterdingen - An der Lilienthalstraße 10 und 12 entstehen gerade zwei neue Häuser mit zwölf Wohnungen. Die Wohnungsgenossenschaft GWF hat das Grundstück von der Stadt gekauft und ist der Bauherr. Das Besondere daran: Ein Haus mit sechs Wohnungen wird komplett mit Sozialwohnungen belegt, das andere wird die Genossenschaft an ihre Mitglieder vermieten. Am Mittwoch wurde Richtfest gefeiert. Wenn alles nach Plan läuft, können im April die Mieter einziehen. „Das ist der Wiedereinstieg in den geförderten Wohnungsbau – für die Stadt und für uns auch“, sagte Jürgen Roos, Vorstand der GWF. „Wir sehen, wie wichtig es ist, dass man hier was tut.“

Dass Nachholbedarf an geförderten Wohnungen besteht, bestätigte auch Leinfelden-Echterdingens Erste Bürgermeisterin Eva Noller. Seit Jahrzehnten seien keine neuen geförderten Wohnungen mehr entstanden. Die Zahlen belegen das: Gab es in Leinfelden-Echterdingen 2009 noch 250 Sozialwohnungen, sind es heute nur noch etwa die Hälfte. Auf die Frage nach dem Warum sagte Noller: „Vom Land gab es weniger Förderung. Bauträger haben mehr Wirtschaftlichkeit erzeugt, wenn sie’s nicht gemacht haben.“ Inzwischen erteile die Stadtverwaltung Bauaufträge aber nicht mehr an den Meistbietenden, sondern nur noch an jene Firmen, die ein Drittel als Sozialwohnungen ausschreiben.

Den sozialen Frieden gewährleisten

Das Ziel der Stadt ist, dass bis zum Jahr 2030 rund 2000 neue Wohnungen und davon 500 neue Sozialwohnungen in L.-E. entstehen. Noller erklärte, warum das wichtig ist: „Unser Angebot ist zu knapp, um junge Familien zu bedienen, um das Preisniveau zu dämpfen und nicht nur zu halten – und um sozialen Frieden auf Dauer zu gewährleisten.“

Die nächsten Schritte sind bereits geplant: Anfang 2019 ist Baubeginn in Stetten an der Hohenstauffen­straße, wo die GWF 18 neue und davon 13 geförderte Wohnungen errichtet. An der Stuttgarter Straße in Leinfelden sollen ebenfalls Anfang 2019 die Bagger anrücken, um etwa 20 Sozialwohnungen zu bauen.

Und wer entscheidet, wer in die Sozialwohnungen ziehen darf? Die Stadtverwaltung bekommt von der GWF 30 Jahre lang das Belegungsrecht zugesprochen. So lange darf die Stadt festlegen, wer in die Wohnungen einziehen darf. Ausgewählt wird aus jenen Bewerbern, die einen Wohnberechtigungsschein haben, deren Einkommen also unter einer bestimmten Grenze liegt. Eine vierköpfige Familie darf zum Beispiel nicht mehr als 45 655 Euro Jahresbruttoeinkommen verdienen.

116 Haushalte warten auf eine Sozialwohnung

Die Warteliste ist lang: 2018 haben in L.-E. 116 Haushalte einen Wohnberechtigungsschein beantragt. Weitere 110 Fälle werden laut Peter Löwy, dem Leiter des Amts für soziale Dienste, derzeit als besonders dringlich eingestuft. Sie werden in einer Wohnungsnotfallkartei geführt. „Diese Menschen sind zum Beispiel von Obdachlosigkeit bedroht, wohnen in sehr schwierigen Verhältnissen oder können ihre Wohnung auf einmal nicht mehr allein bezahlen“, erklärt Löwy auf Nachfrage.

Passende Sozialwohnungen zu finden, werde aus einem bestimmten Grund immer schwieriger: „Früher gab es einen viel größeren Wohnungswechsel. Wenn heute jemand eine günstige Wohnung hat, gibt er die nicht mehr so schnell auf“,sagt Löwy. Damit die Vermietung für die GWF rentabel bleibt, bekommt sie zinsvergünstigte Darlehen und Tilgungszuschüsse vom Land. Bedingung ist, dass die Miete der Sozialwohnungen 33 Prozent unter der ortsüblichen Miete liegt, erklärte Roos. „Unser Plan ist, dass wir bei der Kaltmiete unter acht Euro pro Quadratmeter liegen“, sagte der GWF-Vorstand. Zum Vergleich: Die ortsübliche Miete liege bei Neubauten in der Regel bei zwölf Euro und mehr.




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