Bauen in Leinfelden-Echterdingen Ein Haus für selbstbestimmte Senioren

Von Natalie Kanter 

Wo vor Kurzem eine Scheune niedergebrannt ist, will die Paulus Wohnbau GmbH aus Pleidelsheim betreutes Wohnen für Senioren möglich machen. Die Pläne sind schon sehr konkret, werden aber auch kritisch gesehen.

In Echterdingen sollen 42 Wohnungen entstehen, in denen ältere Menschen zwar betreut werden, aber dennoch eigenständig leben können. Foto: dpa/Oliver Berg
In Echterdingen sollen 42 Wohnungen entstehen, in denen ältere Menschen zwar betreut werden, aber dennoch eigenständig leben können. Foto: dpa/Oliver Berg

Leinfelden-Echterdingen - Die Pläne sind schon recht konkret: 42 Zwei- bis Dreizimmerwohnungen für Senioren samt einem Büro für die Betreuer der Bewohner will die Paulus Wohnbau GmbH am Eck Garten-/Christophstraße und damit im Herzen von Echterdingen bauen. In dieses Haus in der Nähe des Zeppelinplatzes können dann ältere Menschen ziehen, die zwar schon auf eine gewisse Betreuung angewiesen sind, aber noch relativ selbstbestimmt leben können und wollen. Mitarbeiter der Diakoniestation auf den Fildern würden regelmäßig nach den Bewohnern schauen und kleinere Hilfsdienste übernehmen.

Die Wohnungen sollen just auf jenem Gelände entstehen, auf dem es in der Nacht zum 11. Oktober gebrannt hat und eine Scheune nicht mehr zu retten war. Warum das Feuer ausgebrochen war, ist noch immer nicht geklärt. Die Brandermittler waren laut einem Sprecher der Polizei bereits mehrfach vor Ort. Die Versicherung hat einen Sachverständigen beauftragt. Laut Daniel Schuster, ein Geschäftsführer der Pleidelsheimer Wohnbau GmbH, haben die Flammen das Seniorenwohn-Projekt nicht gefährdet. „Die Scheuer hätte so oder so weichen müssen“, sagt er.

Der Betreuungsvertrag ist schon unterschriftenreif

Ein Vertrag zwischen dem Bauträger und der Diakoniestation auf den Fildern ist laut Schuster vorbereitet und unterschriftsreif. Selbst das Betreuungsgeld steht schon fest: 105 Euro würde es pro Monat kosten, wenn ein Ehepaar in einer Wohnung lebt, 85 Euro fallen an, wenn jemand dort allein einzieht.

Das Gelände hatte einem Gegner der Landesmesse gehört. Seine Erben haben das Grundstück an die Paulus Wohnbau GmbH für, wie man hört, viel Geld verkauft. Auch in dem seit Jahren leer stehenden, denkmalgeschützten Gasthof Adler, der ebenfalls auf diesem Grund und Boden liegt und dank der Feuerwehr vom Brand nicht betroffen war, sollen Wohnungen entstehen. Der Investor will den Gasthof sanieren lassen. „Die Wohnungen dort werden nicht seniorengerecht sein“, sagt Schuster, eine Barrierefreiheit lasse sich in diesem Gebäude nicht umsetzen.

Der Bauträger würde gerne bereits 2021 mit dem Bau beginnen. „Wir wollen zeitnah ein Baugesuch bei der Stadt einreichen“, sagt Schuster. Das Unternehmen hat die Pläne dem Technischen Ausschuss präsentiert – hinter verschlossenen Türen haben sich die Fraktionen dazu ausgetauscht. Wie zu hören war, gab es auch kritische Stimmen. Schließlich muss für dieses Bauprojekt eine größere Wiese mit Bäumen wie einer großen Esche und einem schönen Nussbaum weichen. Im Herzen von Echterdingen verschwindet dann eine weitere Grünfläche.

Für das Bauprojekt fallen Bäume

Schuster sagt, dass zu dem Neubau auch ein Garten gehören soll, in dem sich die Senioren auch aufhalten können. Für jeden gefällten Baum müsse ein neuer gepflanzt werden, erklärt Bürgermeisterin Eva Noller. Sie sagt: „Auch ich bedauere den Wegfall dieser Bäume.“ Sie kann aber auch dem Bauprojekt sehr viel abgewinnen. „Wir haben in der Stadt bereits einige Pflegeheime, aber zu wenig Plätze im betreuten Wohnen.“ Es gebe absolut Bedarf an einem solchen Angebot. Der Standort sei für Senioren sehr attraktiv. Von dort aus können sie zu Fuß viel erledigen. Ältere Menschen müssten so nicht zwingend warten, bis das Leben im Eigenheim gar nicht mehr zu bewältigen ist. „Hier haben wir eine Innenentwicklung, die einer Außenentwicklung vorzuziehen ist“, sagt sie.

Wenige Wochen kann die Stadt noch ihr Vorkaufsrecht auszuüben, das Grundstück übernehmen und damit dem Investor einen Strich durch die Rechnung machen. Davon will Noller Abstand nehmen. Weil das Bauprojekt „eine gute Sache ist“. Außerdem müsste die Stadt dann auch den nicht günstigen Kaufpreis übernehmen. Die Kommune habe bereits zahlreiche Hochbauprojekte. Ein weiteres Projekt sei weder finanziell, noch personell zu bewältigen. Nichtsdestotrotz wird die Stadt dem Investor etwas von diesem Grundstück abkaufen. Denn entlang der Gartenstraße und der Christophstraße sollen neue, breitere Gehwege entstehen.




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