Bauprojekte Fasanenhof Harsche Kritik an den Plänen der Stadt

Die Kirche St. Ulrich (rechts) bleibt, aber die Tage des katholischen Gemeindezentrums sind wohl gezählt. Foto: Michael Simon
Die Kirche St. Ulrich (rechts) bleibt, aber die Tage des katholischen Gemeindezentrums sind wohl gezählt. Foto: Michael Simon

Die Stadt Stuttgart hat mit dem Fasanenhof viel vor. Der Bezirksbeirat warnt davor, es mit der Nachverdichtung zu übertreiben – und zu viele Baustellen aufzumachen.

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Fasanenhof - Es ist keine leichte Aufgabe für Ruth Clemens-Martin gewesen. Eine Stunde lang hatte die neue Leiterin für die Bezirke Vaihingen und Möhringen im Amt für Stadtplanung und Wohnen die Nachverdichtungspläne für den Fasanenhof vorgestellt und diese in einer zunehmend aufgeheizten Atmosphäre verteidigt. Die Ortsvertreter machten keinen Hehl daraus, wie wenig sie von den Ideen und dem Management der Stadt halten – und wie schlecht sie sich informiert fühlten.

Clemens-Martin stieg mit dem Gebiet Delpweg/Markus-Schleicher-Straße ein. Die katholische Kirchengemeinde benötige das Gemeindezentrum nördlich der Kirche St. Ulrich aufgrund sinkender Besucherzahlen nicht mehr; eine Kita und Jugendräume sollen in das Kirchengebäude integriert werden. Finanziert wird der Umbau durch den Verkauf des Grundstücks ans Siedlungswerk. Für die frei werdende Gemeinbedarfsfläche regt das Stadtplanungsamt ein neues Wettbewerbsverfahren an, bei dem es soziale Bedarfe wie betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung und eine Tagespflege für Senioren zu berücksichtigen gelte. Außerdem benötige die westlich anschließende Fasanenhofschule eine neue Mensa, die entweder auf dem Grundstück der Schule oder auf dem der Kirche gebaut werden könnte.

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Die Pavillons, die an der Markus-Schleicher-Straße Flüchtlingen als Unterkunft dienen, werden noch bis 2024 dort stehen. Im Anschluss wird auch dieses Gebiet vornehmlich für den Gemeinbedarf weiterentwickelt. Auch das Gebiet Logauweg/Eichwiesen ist gemäß Flächennutzungs- und Bebauungsplan für den Gemeinbedarf ausgewiesen, legte Clemens-Martin dar. „Man hatte im alten Bebauungsplan ein Altenpflegeheim vorgesehen, das in dieser Form nicht mehr benötigt wird. Die restliche Fläche könnte man nun der Wohnbebauung zuführen“, sagte die Stadtplanerin. Eine Ansicht, die Stadträtin Iris Ripsam (CDU) aus der Fassung brachte: „Seit Jahr und Tag ist dieser Ort für eine Pflegeeinrichtung vorgesehen. Wir haben in ganz Stuttgart Defizite im Pflegeeinrichtungsbereich. Wir können diese Fläche nicht hergeben.“ Den Berechnungen der Stadt zufolge bieten die Eichwiesen unter anderem Platz für 200 bis 250 Mietwohnungen, ein Pflegeheim mit 90 Plätzen sowie zwei Kitas à sechs Gruppen. Petra Leitenberger (Bündnis 90/Die Grünen) prognostizierte, dass die Planungen nicht aufgehen: „Ich kann’s nicht nachvollziehen. Das passt nie alles auf das kleine Wiesle.“

Wie steht es um die Wohnanlage Fasanenhof?

Viele Beiräte äußerten den Eindruck, die Stadt schiebe zu viele Projekte gleichzeitig an, ohne existierende Engpässe zu beheben. Horst Fleischmann (Die Linke) echauffierte sich, dass im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik tags zuvor die Wohnanlage Fasanenhof (WaF) nicht in den Plänen auftauchte. Das Gebäude am Laubeweg 1 sei marode und solle seit zehn Jahren saniert werden. „Doch es ist so gut wie nichts passiert.“ Clemens-Martin entgegnete, die Stadt sei bemüht, nicht alle genannten Verfahren auf dem Fasanenhof gleichzeitig zu entwickeln. Priorität habe das Gebiet Logauweg. Die Stadt strebe an, ein stadträumliches Gesamtkonzept für den Fasanenhof zu entwerfen. Die Mittel seien angemeldet.

„Uns ist es sehr wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger bei den weiteren Entwicklungen mitnehmen“, betonte Clemens-Martin. Den Willen habe man schon gezeigt, als die Fasanenhofer im Frühjahr im Zeitraum von vier Wochen ihre Anregungen und Fragen zum Logauweg abgeben konnten: 41 Beiträge seien damals eingegangen. Im nächsten Schritt sind die Bürgerinnen und Bürger wieder eingeladen, ihre Vorstellungen bei der Informationsveranstaltung (siehe unten) einzubringen. Hierfür forderte der Beirat vom Stadtplanungsamt, den Einwohnern einen Zeitplan für die Entwicklungen zu präsentieren. Perspektivisch regte Clemens-Martin an, ein Beratungsgremium zum Fasanenhof ins Leben zu rufen, in dem neben Fachexperten und der Verwaltung auch Bürgervertreter eingebunden sind.

Planungen für den Ehrlichweg einstweilen gestoppt

Ob sich dadurch etwas am Bau-Boom auf dem Fasanenhof ändert? Iris Ripsam bezweifelt es: „Dem Fasanenhof werden Nachverdichtungen aufs Auge gedrückt, die unerträglich sind für die Bürgerinnen und Bürger“, sagte sie.

Zum Ende der Diskussion ließ Clemens-Martin noch eine Information fallen: Am Ehrlichweg, wo die Flüchtlingsunterkünfte noch bis 2026 stehen werden, stoppe die Stadt einstweilen die Arbeit. Eine der Baugenossenschaften sei bei den Vorvereinbarungen über das Ziel hinausgeschossen und man habe sich noch nicht einigen können. Einige Bezirksbeiräte wetterten, diese eher zufällig als geplante weitergegebene Information zeige, wie mangelhaft die Stadt das Gremium involviere.

Bürgerbeteiligung

Infoveranstaltung
Die Stadtverwaltung lädt Bürger aus Möhringen und Fasanenhof zu einer Informationsveranstaltung am Dienstag, 28. September, ins Bürgerhaus Möhringen, Filderbahnplatz 32, ein. Von 18 bis 21 Uhr wird berichtet, wie sich die Grundstücke Logauweg/Eichwiesen und Delpweg/Markus-Schleicher-Straße in den nächsten Jahren städtebaulich entwickeln sollen. Die Veranstaltung wird nach den gültigen Corona-Regelungen durchgeführt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

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