Bauprojekte in Leonberg Vom alten Möbelhaus bleibt nur noch Schutt

Von Thomas K. Slotwinski 

Auch wenn vom wuchtigen Gebäude in der Römerstraße kaum noch etwas zu sehen ist: Die Abrissarbeiten sind erst Mitte Mai fertig.

Blauer Himmel statt wuchtiger Mauern:  Die Abrissbagger haben das Möbelhaus-Gebäude plattgemacht. Foto: factum/Andreas Weise
Blauer Himmel statt wuchtiger Mauern: Die Abrissbagger haben das Möbelhaus-Gebäude plattgemacht. Foto: factum/Andreas Weise

Leonberg - Es ist gut vier Wochen her, da hatte das einstmals so wuchtige Möbelhaus in der Römerstraße ein letztes Mal aufbegehrt, so als wolle es zeigen, dass es noch nicht ganz verschwunden ist.

Drei große Plattenwände waren auf einen Grünstreifen gefallen. Dabei hatten sie zwei Fahnenmasten umgerissen, die auf zwei Autos fielen, die in der Römerstraße unterwegs waren. Die Fahrer wurden zum Glück nur leicht verletzt.

Ganze Lastwagenkarawanen

Nun gibt es keine Platten oder Mauern mehr. Das gewaltige Gebäude, das über Jahrzehnte das Stadtbild geprägt hat, ist nur noch ein Schutthaufen. Es macht Platz für einen Campus, den der Technologiekonzern Bosch baut, um sein viel zu enges Entwicklungszentrum zu vergrößern. Der kurzzeitige Baustopp, den der Zwischenfall im Februar erzwungen hat, hat beim Gesamtprojekt lediglich zu einer geringen Verzögerung geführt. „Der Abbruch wird voraussichtlich Mitte Mai endgültig abgeschlossen sein“, sagt Holger Scharf, der Sprecher von Bosch Leonberg.

Denn mit dem eigentlichen Abriss der Mauern ist es ja nicht getan. Eine große Baugrube muss ausgehoben werden. Doch bevor das machbar sein wird, ist zunächst eine gewaltige Entsorgungsmaschinerie im Gange. „Soweit möglich, wird der Schutt recycelt“, berichtet Holger Scharf. „Der Betonschutt geht zu Aufbereitungsanlagen im Umkreis und wird dort in recycelten Beton umgewandelt. Baustahl geht zum Schrotthändler, Baumischabfälle werden zerkleinert und entsorgt.“

Ganze Lastwagenkarawanen sind dafür im Einsatz. „Im Schnitt haben wir 30 Fuhren am Tag“, sagt der Bosch-Sprecher.

Ist der ganze Schutt erst einmal weg, werden die Bauplaner den Untergrund genau unter die Lupe nehmen: Ist das Erdreich wieder verwertbar, kann es also beim Neubau benutzt werden? Oder muss es deponiert werden? Auch dafür gibt es unterschiedliche Klassifizierungen.

Um das herauszubekommen, wenden die Fachleute Rasterproben an: Die Felder werden in zehn mal zehn Meter große Raster eingeteilt. Mit dieser Methode will Bosch nicht nur eine mögliche Wiederverwertbarkeit überprüfen. „Die Kenntnis über die Beschaffenheit des Erdreiches hilft, Verzögerungen während des Erdaushubs zu vermeiden“, erläutert Scharf.

Terrassenförmiges Gebäude

Die große Unbekannte in all diesen Überlegungen ist freilich die Corona-Krise. „Die Situation ist sehr dynamisch, und keiner kann absehen, wie lange diese Ausnahmesituation anhält“, erklärt der Leonberger Standort-Sprecher. „Mit Corona-bedingten Verzögerungen ist aber sehr wahrscheinlich zu rechnen.“

(Lesen Sie hier: Alle News zur Corona-Pandemie)

Bei Bosch in Leonberg wird als weltweit führender Standort das autonome Fahren entwickelt. Für diese Zukunftstechnologie braucht das Unternehmen Platz. Daher entsteht auf dem 40 000 Quadratmeter großen Gelände des einstigen Möbelhauses ein terrassenförmiges Gebäude mit Atrium und viel Grün.