Um den „mehrgeschossigen Klotz“ an der Straßenecke zur Wohncity zu verhindern, verschicken die Nachbarn seit Wochen Protestmails an Verwaltung und Stadträte. An diesem Dienstag behandelt der Gemeinderat das Thema erstmals in öffentlicher Sitzung.

Fellbach - Selbst mitten in der City gibt es manche Flecken oder so manches Gässlein, die einen gewissen ursprünglichen Charme bewahrt haben und nicht nur von den dort lebenden Menschen als Idylle bezeichnet werden. So eine Idylle ist offenkundig die Hauffstraße – ein schmales Sträßchen, das eher wenige Fellbacher verorten können, obwohl vermutlich die meisten schon dran vorbeigefahren oder -gelaufen sind.

Manche Passanten oder auch Kunden kennen das Gebäude Bahnhofstraße 13

Zweigt diese Straße doch von der Bahnhofstraße rechts ab – und zwar auf Höhe der Wohncity.

Aktuell allerdings sind etliche Bewohner mächtig in Wallung. Ihr Ärger gilt der Dimension der geplanten Bebauung des Grundstücks an der Ecke zur Bahnhofstraße. An diesem Dienstagabend wird das Vorhaben im Fellbacher Gemeinderat erstmals öffentlich thematisiert – nachdem es nach den vehementen Protesten kurzfristig von der vergangenen Sitzung abgesetzt worden war.

Manche Passanten oder auch Kunden kennen das Gebäude Bahnhofstraße 13 – dessen Anfänge fast 120 Jahre zurückreichen – noch wegen des letzten Mieters im Erdgeschoss, des Friseurgeschäfts J7 (mittlerweile ins Wüst-Gelände nahe der dortigen Tiefgarage umgezogen). Besitzer sind die Schwestern Hagmeier. Gemeinsam mit der Stadt hat die Familie ein Neubaukonzept entworfen – das nun allerdings auf erheblichen Widerstand stößt. Seit Wochen schicken die verärgerten Anwohner Protestnoten an die Verwaltung, stellen per umfangreicher Unterschriftenliste einen „Eilantrag“ gegen das Vorhaben, verschicken ihren Erwartungsforderungskatalog an die Fraktionen, senden Leserbriefe an die Fellbacher Zeitung.

Mit der Ruhe besonders abends und nachts wäre es vorbei

„Gerade die Hauffstraße ist die kleinste Straße in diesem Stadtteil“, erklärt Hülya Özen-Sattler. Sie hat „zwei kleine Kinder, die immer die Fahrbahn benutzen. Ich bin jeden Tag besorgt, dass sie dort übersehen werden oder bei der Vorbeifahrt eines Autos verunfallen“. Joachim Weczerek spricht von der „herbeigeführten Zerstörung einer gewachsenen Wohnstraße“ durch den geplanten „mehrgeschossigen Klotz“. Mit diesem „monströsen Gebäude“ werde das bisherige Bild der Hauffstraße mit ihren normalen Häusern mit Satteldächern und Gärten drumherum „brutal zerstört“.

Und nun solle „am Eck ein moderner Kasten hin mit Gastronomie (Shisha-Bar?) und großem Außenbereich (Biergarten) sowie eine Arztpraxis“. Mit der Ruhe besonders abends und nachts wäre es vorbei, denn die Besucher der Arztpraxis und der Gaststätte kämen meist mit dem Auto und würden „ein Verkehrschaos auslösen“. Die Straße habe nämlich nur eine Fahrbahn und sei so schon für Autofahrer ein Problem, wenn sie sich begegnen. „Zudem gäbe es dann mit Sicherheit auch einen Krieg um die wenigen Parkplätze auf der rechten Seite.“

Eine andere Anwohnerin beschwert sich

Der Gehweg sei so schmal, dass Mütter mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Rollator auf der Fahrbahn laufen müssten. Kinder des nahe gelegenen Kindergartens St. Franziskus und viele Kinder auf dem Weg zur Schule seien ebenfalls gefährdet. Eine andere Anwohnerin beschwert sich: „Jetzt geht es plötzlich um eine Shisha-Lounge.“ Der Bebauungsplan habe nur einen Zweck, „ein total rücksichtslos geplantes Geschäftshaus mit Außenbewirtschaftung gegen den berechtigten Widerstand aller Anwohner (auch aus der Bahnhofstraße) nachträglich durchzuboxen“.

Am Sonntagabend verschickten die Anwohner eine weitere Mail – und verweisen auf 80 Jahre zurückliegende Pläne. „Diese Baulinie hat, wie es die Stadt Fellbach bestens weiß, seit Jahrzehnten (ausdrücklich per Beschluss von 1936) den Zweck, der Stadt Fellbach und insbesondere diesem Stadtteil, so wie bei allen anderen Straßen des Stadtteils mit den Vorgärten ein gewisses Flair zu geben und Natur zu erhalten.“ Einer ähnlichen Mail beigeheftet waren zum Beweis Kopien der Protokolle aus den 1930er Jahren – kurioserweise unterzeichnet mit dem damals üblichen Gruß.

Für die Hauffstraßen-Anwohner bleibt die ultimative Frage: „Ist das tatsächlich so geplant, und nimmt das der Gemeinderat einfach so hin? Oder siegt vielleicht doch die Vernunft?“

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