Bebauungsplan für Rosensteinviertel Bürger sollen mitreden

Von Thomas Borgmann 

OB Schuster und die Architektenkammer bieten ein Forum für jedermann, um über das frei werdende Baugelände von Stuttgart 21 zu reden.

Fast überall, wo heute noch die Gleise liegen, soll später gebaut werden - und die Bürger sollen mitentscheiden. Foto: Manfred Storck
Fast überall, wo heute noch die Gleise liegen, soll später gebaut werden - und die Bürger sollen mitentscheiden. Foto: Manfred Storck
Stuttgart - Wolfgang Schuster macht ernst. Am Mittwoch hat der Oberbürgermeister den Zeitplan für die offene Bürgerbeteiligung an der städtebaulichen Neuordnung auf dem Gelände von Stuttgart 21 präsentiert. Unter dem Titel "Rosenstein - Wir gestalten unsere Stadt von morgen" wird es in den kommenden zwei Jahren, beginnend am 10. November, eine Reihe von fünf Veranstaltungen geben über aktuellen Städtebau in europäischen Städten, danach sieben thematisch unterschiedliche Bürgerforen über die Zukunft des Rosensteinviertels hinter dem Hauptbahnhof. Von 2013 an sollen die Ergebnisse zusammengefasst und zu Vorgaben für die später geplanten Architektenwettbewerbe werden.

Bei der Vorstellung dieses Programms sagte der Oberbürgermeister am Mittwoch: "Wir laden alle interessierten Bürger ein, sich frühzeitig an diesem Planungsprozess zu beteiligen. Sie sollen mitentscheiden, was aus dem vor einhundert Jahren für die Eisenbahn überbauten, riesigen Gleisfeldern werden soll." Er sehe nach wie vor "enorme Chancen für den Städtebau auf diesen einhundert Hektar". Und: "Wir fangen, was diese Planungen angeht, wieder bei null an, alle bisherigen Vorgaben werden aufgehoben - mit einer Ausnahme: 20 Hektar werden dem Rosensteinpark und dem Schlossgarten zugeschlagen." Das Ziel müsse sein, nach der Bürgerbeteiligung neue Architekten- und Planungswettbewerbe auszuschreiben, so dass fertige Konzepte vorliegen, wenn 2019/20 der Zugverkehr auf den neuen Trassen beginne und die alten Gleise abgeräumt würden.

Das Ziel: weniger "Architektenlyrik"


Der Gastgeber für die Vortragsreihe und die Bürgerforen ist allerdings nicht die Stadt allein, die Architektenkammer Baden-Württemberg und der Bund deutscher Architekten (BDA) wirken als Kooperationspartner daran mit. Wolfgang Riehle, der Präsident der Architektenkammer, sagte gestern: "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen den Bürgern und uns Planern, wir möchten unseren Sachverstand und unsere Ideen einbringen." Man werde sich bemühen, "unsere oft unverständliche Architektenlyrik beiseitezulassen und uns den Bürgern verständlich machen". Alles, was bisher auf dem Rosensteinviertel geplant worden sei, komme "auf den Prüfstand", so Riehle.

Auch die Moderation der neuen Reihe liegt nicht in den Händen der Stadt, sondern bei dem Stuttgarter Professor Richard Reschl, der seit vielen Jahren als Stadtentwickler und Kommunalberater tätig ist. Reschl sagte gestern: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um mit diesem Planungsprozess für das Rosensteinviertel zu beginnen, wir haben genügend Zeit." Er verstehe diese Veranstaltungsreihe in den nächsten zwei Jahren als "ein Signal an die Bürger, dass sie die Gestaltung des Städtebaus wirklich beeinflussen können". Ihm schwebe vor, in den Bürgerforen des kommenden Jahres, die sich unter anderem mit Themen wie Wohnen, Arbeiten, Kultur, Grüngestaltung und Parkerweiterung beschäftigen, auch Arbeitsgruppen zu bilden. Am Ende, so Reschl, müssten "konkrete Hinweise an den Gemeinderat stehen, was die Bürger dort wollen".

Nach dem Auftakt am 10. November berichten zunächst Experten aus Utrecht, Hamburg, Wien und Zürich über ihre städtebaulichen Projekte, am Dienstag, 15.März 2011, stellen sich die Experten vor, die das Stuttgarter Projekt begleiten werden. Der Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) sagte gestern: "Alles ist offen. Die fraglichen hundert Hektar im Rosensteinviertel gehören der Stadt. Einen Entwicklungsdruck wird es also nicht geben."

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