Begegnung mit Ralf König „Paulus war eine ziemliche Spaßbremse“

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Aber Ralf König ist auch literarisch beschlagen und spickt seine Comics mit Anspielungen auf Kunst- und Kulturgeschichte. Er hat die „Lysistrata“ nach Aristophanes neu erzählt und sich mit Shakespeares Figur des „Jago“ befasst. Sein jüngstes Projekt ist ein Science-Fiction-Comic. Aber auch für die konservative Presse hat Ralf König gearbeitet und in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Comic über die Schöpfung veröffentlicht – „ohne zu ahnen, dass die Bude rappelt“. Es habe Proteste und wütende Abbestellungen gegeben.

Immer wieder hat König sich mit der Bibel beschäftigt, sei dabei aber „nicht auf Blasphemie aus“, wie er sagt, sondern er will sich mit den Dingen auseinandersetzen. „Die Paulusbriefe habe ich hoch und runter gelesen, denn ich wollte wissen, was der Mann gedacht hat“, sagt König. „Paulus war eine ziemliche Spaßbremse“, meint er, „das meiste, was in der katholischen Kirche problematisch ist, kam von ihm.“

König ist schließlich selbst schwul

Was ist es aber, das einen wie ihn immer wieder zu biblischen Themen treibt? Ralf König wuchs im westfälischen Westönnen auf, die Kirche spielte in seinem Elternhaus keine besondere Rolle. Dass er sich dennoch mit ihr auseinandergesetzt hat, „das kam durchs Schwulsein“, sagt König. Ihn hat die Behauptung geärgert, dass Gott Homosexualität nicht wolle. König ist schließlich selbst schwul.

Dass unsere Gesellschaft heute nicht mehr ganz so verkrampft mit Homosexualität umgeht, liegt auch an den Comics von Ralf König. In den achtziger Jahren hatte König schnell Erfolg, weil er der Erste war, der schwule Comics zeichnete, in denen Schwule aber nicht auf den „doofen Detlev“ reduziert wurden. „Ich war der richtige Mann zur richtigen Zeit“, erzählt König, „meine Bücher lagen auf dem WG-Klo.“ Heute hängen sie in Museen.

Es war „Der bewegte Mann“, der Ralf König zum Durchbruch verhalf, weil das Buch verfilmt wurde, mit Til Schweiger und Katja Riemann in den Hauptrollen. 6,5 Millionen Zuschauer sahen den Film, der König selbst allerdings nicht gefiel. „Dem Film verdanke ich viel“, erklärt er, „aber als Autor hat man einen anderen Ton im Ohr“. Vor allem hat er damals gutgläubig die Verträge unterschrieben. „Ich kann meine Sachen überhaupt nicht verkaufen“, sagt König, weshalb er inzwischen einen Agenten engagiert hat. „Ich brauche einen, der ein bisschen die Zähne fletscht.“




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