Die Glühwein-Tassen für die Haustür-Lieferung des Besenhockey-Duells kommen aus dem englischen Norfolk – und das ist wegen der Corona-Mutation zum Sperrgebiet erklärt.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Fellbach - Es gibt Dinge, da käme man nicht mal im Traum drauf. Klar wissen wir längst, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Und natürlich ist uns bekannt, dass das Coronavirus nun wirklich den ganzen Erdball in seinem Würgegriff hat. Doch dass in Zeiten der Pandemie noch nicht mal die Lieferung von ein paar Kartons mit Trink-Keramik reibungslos über die Bühne geht, verleiht dem Lockdown eine ebenso unerwartete wie weihnachtlich-bizarre Note.

Normalerweise kommen fünfstellige Beträge für den guten Zweck zusammen

Wer jetzt nicht weiß, worum es geht: Normalerweise findet in Fellbach pünktlich am Neujahrstag das sagenumwobene Besenhockey-Derby der Glatzen gegen die Locken statt. Das ist traditionell ein Kampf auf Biegen und Brechen, mit von frenetisch jubelnden Zuschauermassen aufs Eis geworfenen Geldmünzen und Glühwein bis zum Abwinken. Eine Partie mit Gaudi-Faktor eben, die unter dem Kappelberg nicht nur als inoffizieller Neujahrsempfang gilt, sondern in schöner Regelmäßigkeit auch fünfstellige Beträge für den guten Zweck einspielt.

Jetzt zum Jahreswechsel werden Helme, Schulterpolster und Knieschützer freilich im Schrank bleiben. Wegen des Lockdowns ist das Derby abgesagt, die Eisbahn nicht in Betrieb. Abfinden wollten sich findige Köpfe aus dem Orga-Team des Kult-Duells mit der Zwangspause nicht. Sie entwickelten deshalb die Idee für einen Lieferdienst. Geplant war, je eine Flasche Glühwein und eine der beliebten Sammeltassen mit Glatze-Locke-Motiv in eine Geschenkbox zu packen und am Neujahrstag von Spielern im Originaltrikot an die Haustür liefern zu lassen. Auch zwei Abholtermine waren angesetzt.

Die Keramik wird im englischen Norfolk produziert

Am mangelnden Interesse hapert es nicht. Gut 150 Bestellungen liegen schon auf dem Tisch, täglich werden es mehr. Doch ausgeliefert werden können Glühwein und Keramik laut dem Fellbacher Werbeprofi Frank Marschner nicht. „Mein Lieferant hat unverhofft die weiße Fahne gehisst“, sagt er. Produziert werden die Tassen mit dem Aufdruck nämlich im englischen Norfolk. Und das ist mit Auftauchen der Virus-Mutation wie die gesamte Insel zum Corona-Sperrgebiet erklärt. Die Grenzen sind dicht, die Tassen kommen nicht. Selbst eine Express-Lieferung fällt wegen der gekappten Flugverbindungen aus. Und ein Ersatz-Hersteller ist in der Kürze der Zeit vor Weihnachten nicht zu finden. Die Strategen von Glatze – Locke denken deshalb jetzt über einen Nachholtermin Mitte Januar nach. Vielleicht am 17. könnten die Tassen doch noch an trinkfreudige Haushalte kommen. Wir hoffen, dass dann auch noch jemand Glühwein will.