Benefizkonzert in Leonberg Mit Beethoven die Grenzen sprengen

Von Doris Alice Caumanns 

Beim Benefizkonzert des Rotary-Clubs zugunsten der Hospize stellen sich Attila Kalman Alexander G. Adiarte der Herausforderung der „Neunten“.

Es wird schon fleißig geprobt: Alexander G. Adiarte (links) und Attila Kalman bereiten sich auf das große Konzert vor. Foto: factum/Bach
Es wird schon fleißig geprobt: Alexander G. Adiarte (links) und Attila Kalman bereiten sich auf das große Konzert vor. Foto: factum/Bach

Leonberg - Ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis wirft seine Schatten voraus: die Aufführung von Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 9“ am 30. und 31. März mit der Johanneskantorei, dem Sinfonieorchester und den Vokalsolisten Wiebke Huhs (Sopran), Sarah Hudarew (Alt), Ewandro Stenzowski (Tenor) und Dominic Große (Bariton).

Schon zum vierten Mal gibt es damit eine Kooperation zwischen den beiden größten Klangkörpern Leonbergs: der ­Johanneskantorei und dem Sinfonie­orchester. „Wir sind eine große Familie“, betont Bezirkskantor Attila Kalman, denn es gibt Ehepaare, „in denen der Mann im Orchester spielt und die Frau in der Kantorei singt“, und Alexander G. Adiarte freut sich, dass im Orchester schon die zweite Generation in die musikalischen Fußstapfen ihrer Eltern tritt.

160 Menschen musizieren gemeinsam

Das Besondere an der Aufführung, bei der insgesamt mehr als 160 Menschen gemeinsam musizieren, ist, dass sie zweimal zu hören sein wird, in Nuancen vielleicht sogar unterschiedlich: Am 30. März gibt es die Sinfonie in der Stadthalle unter Leitung von Alexander G. Adiarte – und Attila Kalman singt mit! – und am 31. März wird sie unter Leitung von Attila Kalman in der Stadtkirche aufgeführt.

Das Konzert in der Stadthalle wird vom Rotary-Club veranstaltet, der jedes Jahr im Frühjahr eine Benefiz-Gala für die Hospize Leonberg und Weil der Stadt durchführt, und auch der Reinerlös des Stadtkirchen-Konzerts kommt diesem Zweck zugute.

Die monumentale „Neunte“ mit Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ („Freude schöner Götterfunken“) erklingt immer dann, wenn es um „große Fragen“ geht: Der Schlusschor ist nicht nur die offizielle Hymne der EU, nach dem Mauerfall ist sie aufgeführt worden, und der international renommierte Dirigent Justus Frantz hält sie gar für „das Kernstück, ja das Neue Testament abendländischer Musik“, denn sie „trifft das Herz eines Jeden, der irgendwo noch einen Funken von Menschlichkeit und Kultur in sich spürt.“

Pablo Casals, einer der größten Cellisten in der Musikgeschichte, meinte sogar, man müsste jeden Menschen zwingen, einmal im Jahr Beethovens 9. Sinfonie zu hören, „um seinen Willen zur Freiheit und zum Frieden wieder neu zu entflammen.“

Was die „Rücknahme der Neunten“ bedeutet, hat Thomas Mann in seinem „Doktor Faustus“ gezeigt: den Rückfall in die Barbarei. Ist die Aufführung so gemeint? „Ja, durchaus“, erwidert Attila Kalman, und auch Alexander G. Adiarte stimmt zu: „Die Botschaft ist heute (wieder) aktuell – und leider auch nötig.“

Obwohl Beethoven auch einen rein orchestralen Schluss in Erwägung gezogen hat, entschied er sich schließlich für den ungewöhnlichen Chor im Finale: „Für das, was er sagen wollte, hat das Orchester nicht ausgereicht – er wollte eine imposante Steigerung und Grenzen sprengen“, erläutert Kalman. Das Werk bedeutet damit eine „Zäsur“: Die Komponisten nach ihm ­folgten ihm auf diesem Weg. Adiarte nennt hier Gustav Mahler mit seiner „Vierten ­Sinfonie“ oder dann noch weiter ausgreifend ­Richard Wagner mit seiner Idee von ­„Gesamtkunstwerk“.

Zuschauer sollen berührt werden

Und was wünschen sich die beiden für ihre Aufführung? „Dass die Zuhörer seelisch berührt aus dem Konzert gehen“, erwidert Adiarte. Beide beobachten schon in den seit Januar intensiv laufenden Proben, dass die Mitwirkenden oft nach einem langen Arbeitstag beim Musizieren aufleben und die Musik einen „vitalisierenden Effekt“ habe. Dafür seien die Sängerinnen und Sänger bereit, schon mal an ihre stimm­lichen Grenzen zu gehen, denn das zwei­gestrichene „h“ sei nicht ohne...

Attila Kalman ist stolz darauf, dass Leonberg mit Chor und Orchester zwei so wertvolle Klangkörper besitzt, die gerne und erfolgreich miteinander kooperieren: „Das ist ein Schatz für die ganze Stadt!“

Termine und Karten

Samstag, 30. März, Stadthalle Leonberg, 20 Uhr. Sonntag, 31. März, Stadtkirche Leonberg, 19 Uhr. Karten für beide Konzerte für 20/15/10 Euro gibt es bis 27. März an der Vorverkaufsstelle der Leonberger Stadthalle, danach jeweils an der Abendkasse.




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