Benefizkonzert in Stuttgart Polizisten und Flüchtlinge auf einer Bühne

Der Iraker Ayden Antanyos gehört zu den Künstlern, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und nun an den Produktion des Vereins Zuflucht mitarbeiten. Foto:  
Der Iraker Ayden Antanyos gehört zu den Künstlern, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und nun an den Produktion des Vereins Zuflucht mitarbeiten. Foto:  

Die Bundespolizei gibt in Stuttgart den Eventmanager: Zusammen mit dem Rotary Club Sindelfingen stellen die Beamten ein Benefizkonzert für Flüchtlingshilfevereine auf die Beine. Das Polizeiorchester spielt gemeinsam mit dem Ensemble des Vereines Zuflucht.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Das Bundespolizeiorchester und Künstler des Projekts Zuflucht stehen Mitte November gemeinsam auf der Bühne. Dass dieses Projekt bemerkenswert und außergewöhnlich ist, merkt man schon daran, dass man die Zitate der Akteure eigentlich anders zuordnen würde. Das Lob, die Partner seien „künstlerisch sehr aufgeschlossen gewesen“, würde man eher von einem Kulturschaffenden erwarten – es stammt aber vom Polizeidirektor Reinhard Pürkenauer. Der Satz „Die Flüchtlinge waren sehr froh, erst mal eine Nacht bei der Polizei bleiben zu können“, stammt von der Opernsängerin Cornelia Lanz, deren Projekt Cosi fan tutte mit syrischen Flüchtlingen ein großer Erfolg war.

Es ist für Cornelia Lanz keine Frage gewesen: Als die Bundespolizei ein gemeinsames Benefizkonzert vorschlug, sagte sie im Namen ihres Vereins Zuflucht gleich zu. Bei Zuflucht stehen Künstler, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und Flüchtlinge gemeinsam auf der Bühne. Am Samstag, 14. November, spielen sie zusammen mit jenen, denen sie bei der Einreise am Bahnhof oder am Flughafen begegnen: mit der Bundespolizei. Gemeinsam machen sie Musik für einen guten Zweck – um Flüchtlingsarbeit zu unterstützen. Die Initiative ging von der Bundespolizei zusammen mit dem Rotaryclub Sindelfingen aus.

„Wir haben so viel mit Flüchtlingen zu tun, da wollen wir auch mal etwas machen – außerhalb des normalen Kontakts, den wir mit den Menschen haben“, sagt Pürkenauer. Für viele Flüchtlinge seien Bundespolizisten die ersten Kontaktpersonen in Deutschland. „Wir sind die Repräsentanten des Staates, von uns bekommen die Leute einen ersten Eindruck von Deutschland.“ Wie die Beamten im Dienst mit neu angekommenen Menschen agieren, das hat sich Cornelia Lanz von Zuflucht im Revier am Hauptbahnhof angesehen. Ihr Eindruck war ein guter. „Aber da musste man mich auch nicht überzeugen. Ich habe ein sehr gutes Bild von der Polizei. Auch bei meiner Arbeit mit Flüchtlingen haben sie mich immer unterstützt.“ Diese Arbeit leistet die Musikerin nicht nur auf der Bühne. Privat setzt sie sich ebenfalls für Menschen ein, die ihre Heimat verlassen mussten.

Die Polizei wolle mit dem Konzert zeigen, „dass bei uns die Hilfsbereitschaft nicht nur, wenn wir eine Uniform tragen, einen hohen Stellenwert hat“, sagt Pürkenauer. In der täglichen Arbeit könnten die Beamten mit kleinen Gesten viel für die neu angekommenen Flüchtlinge tun. „Da gibt es Kleidung für alle, etwas zu essen und zu trinken, und natürlich Spielzeug für die Kinder, oder Buntstifte. Das bringt dann immer schon etwas Ruhe rein“, sagt der Inspektionsleiter. Bilder, die Kinder als Zeichen des Dankes den Beamten schenken, seien Zeugnisse davon. Bei der Bundespolizei kann es, wenn viele Menschen in einer Nacht aufgegriffen werden, auch mal mehrere Stunden dauern, bis alle erfasst sind. In dieser Zeit seien die Beamten bemüht, etwas Ruhe nach den Tagen, teilweise Wochen und Monaten der Flucht, zu bieten. Die Flüchtlinge müssen von der Bundespolizei erfasst werden, wenn sie in Bayern an der Grenze oder in Stuttgart am Bahnhof oder am Flughafen ankommen.

Zuflucht-Ensemble hat schon im Theaterhaus gespielt

Die Polizei suchte sich gezielt das Ensemble von Zuflucht aus, das vor kurzem in Stuttgart mit der Mozart-Oper Zaide im Theaterhaus gastierte. Der Verein hat diese zusammen mit aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Nigeria geflohenen Künstlern umgeschrieben. Zaide handelt von einer jungen Frau, die in der Heimat ihren Auserwählten nicht lieben darf – das Paar flüchtet. Im zweiten Akt dreht das Schreiberteam von Zuflucht den Spieß um: Ein deutsches Paar flüchtet in die „Vereinten Arabischen Staaten“, und erlebt, wie es ist, in einer fremden Kultur anzukommen.

Der Verein profitiere nicht nur wegen der Spenden, die er durch die Einnahmen bekomme. „Wir haben erst die Anfrage der Polizei erhalten, dann die des Bundespräsidenten: Das macht uns seriöser“, sagt Cornelia Lanz in unnötiger Bescheidenheit, schließlich hat der Verein Zuflucht für seine Arbeit schon den Grimmepreis erhalten.

Der Polizeichef und die Musikerin liefern dann noch ein paar Zitate, die sie – um in der Sprache der Musiker zu bleiben – auch unisono vortragen könnten. Sie sprechen von der integrativen Kraft der Musik, vom Brückenbauen – und von der Begeisterung bei der Vorbereitung.

Nur in einem ist der Inspektionsleiter noch nicht ganz der Musikveranstaltungsmanager: Der etwas zäh anlaufende Vorverkauf macht ihm noch Sorgen. „Wir haben uns sagen lassen, Stuttgart habe ein spätentschlossenes Publikum“, sagt Pürkenauer – und hofft, dass die Leute trotzdem bald Karten für das Konzert kaufen.




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