Bericht zur Wohnungsnot in Ludwigsburg Immobilien werden immer teurer

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Die Kehrseite der Attraktivität: Kaufpreise und Mieten sind in der Barockstadt laut einer neuen Studie dramatisch angestiegen. Es gäbe ein Rezept dagegen, sagen die Experten. Aber die Umsetzung ist schwer.

Es wird auch in der Stadtmitte neu gebaut (hier am Kaffeeberg). Für die meisten Familien ist das aber unerschwinglich. Foto: factum/Weise
Es wird auch in der Stadtmitte neu gebaut (hier am Kaffeeberg). Für die meisten Familien ist das aber unerschwinglich. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Die Quadratmeterpreise beim Neubau erreichen mittlerweile in Ludwigsburg Spitzenwerte von bis zu 5500 Euro. Nach wie vor gebe es „ein großes Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“ – vor allem bei preisgünstigem Wohnraum. Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) in seinem jüngsten Bericht. Der Druck sei so groß, dass viele Wohnungen oder Häuser nur noch im Bieterverfahren – also zu Höchstpreisen – verkauft würden.

„Die Preissteigerungsraten am Ludwigsburger Wohnimmobilienmarkt scheinen sich zwar auf hohem Niveau etwas zu verlangsamen, aber ein Rückgang der Nachfrage ist nicht zu beobachten“, erklärt Stephan Kippes, der Leiter des IVD-Instituts. Ludwigsburg habe innerhalb von fünf Jahren gewaltige Preissprünge erlebt: In diesem Zeitraum zogen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand um rund 45 Prozent, für freistehende Einfamilienhäuser um 39 Prozent an, während die Mieten für Bestandswohnungen um 14 Prozent nach oben kletterten.

„Wir teilen die grundsätzliche Einschätzung des Instituts“, sagt der Sozialbürgermeister Konrad Seigfried. Nicht nachvollziehen könne er indes den Anstieg der Mietpreise. „Laut unserem Mietspiegel lag die Mietsteigerung zwischen 2013 und 2017 bei 10,9 Prozent.“ Sollten die IVD-Zahlen stimmen, wäre der weitere Sprung in nur einem Jahr erfolgt. „Das kann natürlich sein, aber wir werden erst wieder 2019 aktuelle Zahlen haben“, sagt Seigfried.

Flächen müssen besser genutzt werden

Für ein freistehendes Einfamilienhaus wurden im Frühjahr 2018 im Schnitt 610 000 Euro (das entspricht einem Plus von 6,1 Prozent gegenüber 2017), für ein Reihenmittelhaus im Bestand 435 000 Euro (ebenfalls ein Plus von 6,1 Prozent) und eine Doppelhaushälfte 550 000 Euro (ein Plus von 5,8 Prozent ) gezahlt.

Die Erklärungen für diese Situation sind eindeutig: Ludwigsburg profitiert von der geografischen Nähe zu Stuttgart als auch von der guten Verkehrsanbindung. Was in jüngster Zeit vermehrt Gewerbebetriebe – und in deren Gefolge viele Neubürger – angezogen hat. „Die Anziehungskraft ist groß“, meint Stephan Kippes. Aber Ludwigsburg sei für diesen Ansturm nicht gerüstet – zumindest noch nicht.

„Es gibt halt nicht die große grüne Wiese, die man als Bauland ausweisen könnte“, sagt Tobias Rienhardt, Ludwigsburger Immobilienmakler und Regionalbeirat des IVD Süd. Aber immerhin seien inzwischen „die Alarmglocken angegangen“. Dass die Stadtverwaltung beispielsweise erst in der vergangenen Woche vier Flächen in Randlage als mögliche Baugebiete ins Gespräch gebracht hat, sei ein gutes Zeichen. „Es ist bekannt, dass Not herrscht“, sagt Rienhardt. Aber natürlich sei auch der Druck von der anderen Seite groß, weshalb die Ratsfraktionen in Sachen Wohnungsbau zurzeit häufiger als Bremser wirkten.

Mal geht es um die Erhaltung von Grünflächen, dann wieder werde eine zu hohe oder eine zu dichte Bebauung moniert. Er sei überrascht über „die verhaltenen Reaktionen der Stadträte angesichts der doch bedrückenden Situation für wohnungssuchende Menschen“, sagt auch Seigfried. Leider fänden vor allem jene Gehör, die ihren Status quo mit viel Grün und freier Sicht verteidigten – und nur selten die verzweifelten Wohnungssuchenden.

Generation Erbe

„Im Stadtgebiet sind mittlerweile diverse Neubauprojekte im Angebot“, heißt es in der Studie. „Absatzschwierigkeiten sind trotz hohem Preisniveau nicht zu erwarten.“ Als Makler wisse er, dass es eine große Nachfrage in allen Segmenten gibt, sagt Rienhardt. Eine grundlegende Änderung des Markts werde es wohl erst geben, wenn die Zinsen wieder steigen. Auch wenn er festgestellt habe, so Rienhardt, dass viele Interessenten mit ausreichend Eigenkapital vorstellig würden: „Die brauchen keinen Kredit von der Bank.“ Doch auch das sei letztlich eine Folge der Zinspolitik: Viele würden ihr Vermögen vorzeitig vererben– aus Ärger darüber, dass sie von der Bank kein Geld mehr dafür bekommen.