Bertelsmann-Studie Berufsschulen droht Lehrermangel

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An den Grundschulen sind die Lehrer bereits knapp. Auch den Berufsschulen kann ein großer Lehrermangel drohen. Bis zum Jahr 2030 geht fast die Hälfte der etwa 125 000 Lehrer in den Ruhestand.

Weil 48 Prozent der Berufsschullehrer in Deutschland über 50 Jahre alt sind, wird es in den kommenden Jahren einen großen Bedarf an neuen Lehrern geben. Foto: dpa
Weil 48 Prozent der Berufsschullehrer in Deutschland über 50 Jahre alt sind, wird es in den kommenden Jahren einen großen Bedarf an neuen Lehrern geben. Foto: dpa

Stuttgart - Auf den ersten Blick scheint die neue Studie der Bertelsmann Stiftung zum Thema Lehrermangel an den Berufsschulen Entwarnung zu geben: In den nächsten Jahren wird die Zahl der Schüler an Berufsschulen von 2,5 auf 2,3 Millionen zurückgehen – erst 2035 soll sie aufgrund der steigenden Geburtenrate auf den aktuellen Stand zurückkehren. Warum an den Berufsschulen ebenso wie an Grundschulen und weiterführenden Schulen in den kommenden Jahren aber dennoch ein beachtlicher Mangel an Lehrern entstehen wird, ergibt sich der Studie zufolge aus einer einfachen Tatsache: In den nächsten 15 Jahren wird knapp die Hälfte der rund 125 000 Berufsschullehrer aufgrund ihres Alters aus dem Schuldienst ausscheiden. Demnach müssten bis 2030 etwa 60 000 Stellen für Berufslehrer neu besetzt werden. Allein in Baden-Württemberg sind das dem Berufsschullehrerverband zufolge 7000 Stellen.

Das Problem: Dem Bedarf an Berufslehrern stehen weitaus weniger nachkommende Lehrer gegenüber. Aktuell, so geht es aus der Studie hervor, seien es deutschlandweit jährlich rund 3000 Hochschulabsolventen, die nachrücken würden. Bezieht man die prognostizierten Schülerzahlen ein, gehen die Wissenschaftler allerdings davon aus, dass bis 2020 jährlich etwa 4000, bis 2030 knapp 4800 und in den darauffolgenden Jahren gar über 6000 Lehrer eingestellt werden müssten, um den Bedarf decken zu können.

Was gegen den Mangel getan werden kann

Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, verlangt kurz- wie langfristige Maßnahmen, um dem sich abzeichnenden Mangel schon jetzt vorbeugen zu können. Eine Möglichkeit sei, Teilzeitkräfte und Pensionäre davon zu überzeugen, mehr beziehungsweise länger zu arbeiten. Weil die Ausbildung von Berufsschullehrern in der Regel mehr als sieben Jahre dauere, müssten aber vor allem schon jetzt mehr Studienplätze bereitgestellt werden.

Das allein reicht in den Augen des Vorsitzenden des Berufsschullehrerverbands Baden-Württemberg, Herbert Huber, aber nicht aus: „Es geht darum, dass die Plätze auch belegt werden. Dafür müssen allerdings Anreize und begleitende Maßnahmen wie etwa Stipendien, Darlehen oder Möglichkeiten für einen studienbegleitenden Vorbereitungsdienst geschaffen werden.“ Bislang, so Huber, könne er jedoch kein schlüssiges Konzept von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erkennen.




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