Beschlüsse des Coronagipfels Wie geht es nach der Einigung im Kanzleramt weiter?

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Ist Deutschland ausreichend gegen das Coronavirus gewappnet? Nach dem Krisengipfel im Kanzleramt bleiben viele Unwägbarkeiten. Die Kanzlerin ist in Sorge.

Angela Merkels Runde mit den Ministerpräsidenten ist sich nicht in allen Punkten einig geworden. Foto: AP/Stefanie Loos
Angela Merkels Runde mit den Ministerpräsidenten ist sich nicht in allen Punkten einig geworden. Foto: AP/Stefanie Loos

Berlin - Die Warnungen vor einem starken Anstieg der Corona-Infektionen im Herbst gibt es seit Monaten. Nun ist der Herbst da – und die zweite Ansteckungswelle auch. Die Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels sollen das Virus unter Kontrolle und mehr Klarheit in die geltenden Regeln bringen. Doch es bleiben viele Fragezeichen.

Wie ist die aktuelle Lage?

Die Zahl der Neuinfektionen ist nach der starken Zunahme in den vergangenen Tagen noch einmal sprunghaft um 6638 Fälle gestiegen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag mitteilte. Das ist ein Höchstwert, der bisherige Rekord lag Ende März bei knapp 6300 neuen Fällen. Zwar sind die Zahlen des Frühjahrs nicht mit den aktuellen Statistiken vergleichbar, da nun deutlich mehr getestet wird. Allerdings spiegeln die vom RKI mitgeteilten Zahlen das Bild von vor etwa zehn Tagen wider. Bevor also die Beschlüsse des Coronagipfels Wirkung zeigen können, ist eine weitere deutliche Zunahme zu erwarten.

Ist die Ausbreitung des Virus noch unter Kontrolle?

Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen sind große Zweifel angebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht aus ihrer großen Sorge angesichts des exponentiellen Anstiegs der Neuinfektionen kein Geheimnis. Diesen müsse man stoppen, sagte sie: „Sonst wird es zu keinem guten Ende führen.“ Die Fähigkeit der Behörden, Infektionsketten nachzuverfolgen, sieht die Kanzlerin inzwischen in Gefahr. „Wir haben heute Gesundheitsämter, die nicht mehr 100-prozentige Kontrolle haben“, warnte Angela Merkel.

Ist das ein weit verbreitetes Problem?

Von einem generellen Kontrollverlust sind die Behörden nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds derzeit noch weit entfernt. Bislang hätten nur einige plötzliche Ausbrüche mit vielen Ansteckungen wie im Fall des Fleischbetriebs Tönnies in Nordrhein-Westfalen dazu geführt, dass die Gesundheitsämter nicht alle Kontaktpersonen der Infizierten zeitnah aufspüren konnten, sagte ein Sprecher. „Wenn aber die Zahlen flächendeckend stark steigen, dann sehen wir auch die Gefahr einer Überforderung.“ Absehbar dürften weitere Ämter die Unterstützung der Corona-Reserve der Bundeswehr anfordern. Waren vor einem Monat etwa 900 Soldaten im Einsatz gegen das Virus, sind es aktuell bereits rund 1400, davon circa 900 in der Kontaktnachverfolgung.

Gibt es jetzt klare Regeln?

Bundeseinheitlich werden nun die Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen verschärft, wenn die Ansteckungen kritische Schwellenwerte übersteigen. Die Regeln für innerdeutsches Reisen bleiben aber unübersichtlich: Wer aus einem Risikogebiet kommt, darf etwa in Bayern weiterhin nicht im Hotel übernachten. Die Regierung in Sachsen hob das Beherbergungsverbots hingegen auf, während in Baden-Württemberg und Niedersachsen Gerichte die Regelung kippten. Der Bund bedauert, dass das Beherbergungsverbot nicht deutschlandweit gilt, und ruft die Bürger auf, lieber nicht zu verreisen. Alle müssten vorsichtiger sein, als die neuen Beschlüsse es erlauben, appellierte der Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) an die Bevölkerung.

Können wir denn im Familienkreis Weihnachten feiern?

Das hängt stark von den Entwicklungen in den kommenden Wochen ab. In den Hotspot-Regionen dürfen an privaten Festivitäten künftig nur noch zehn Personen aus lediglich zwei Haushalten teilnehmen. Das dürfte in vielen Familien bereits die übliche Feiertagsrunde unmöglich machen, zumal auch die Anzahl der Risikogebiete zu steigen droht.




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