Besondere Krippen in Welzheim Marias Flaschenkind und die heiligen drei Hühnereier

Von Annette Clauß 

Josef ist eine Bierflasche, die heiligen drei Könige Hühnereier: Krippen der besonderen Art sind von 20. November an im Museum Welzheim zu sehen.

Bei Manfred Tegenkamps nicht ganz bierernst gemeinter Krippe  sind alle Beteiligten leere    Flaschen. Foto: Gottfried Stoppel
Bei Manfred Tegenkamps nicht ganz bierernst gemeinter Krippe sind alle Beteiligten leere Flaschen. Foto: Gottfried Stoppel

Welzheim - Wir haben hier keine einzige Oberammergauer Krippe stehen“, sagt Roland Birkle und klingt ein bisschen stolz. Schließlich hatte er sich beim Planen der aktuellen Weihnachtsausstellung, die am Sonntag, 20. November, im Museum Welzheim eröffnet, das Ziel gesetzt, die Besucher mit so manchem unerwarteten Anblick zu überraschen. Das ist dem Sammler aus Althütte gelungen: In der Schau „Zur Krippe her kommet“, für die Roland Birkle in den vergangenen Monaten gut 150 Krippen – eigene und solche diverser Leihgeber – zusammengetragen hat, gibt es einige Modelle zu entdecken, die mit der traditionellen Szenerie herzlich wenig gemeinsam haben.

Rund 150 Krippen aus aller Welt

„Das Ganze soll nicht so bierernst sein“, sagt Roland Birkle, während er die Besucher in den nun erstmals als Ausstellungsraum genutzten alten Gewölbekeller des Museums hinunter begleitet und – a propos bierernst – zu einer sehr speziellen Krippe führt, die auf einem Biertisch steht. Manfred Tegenkamp aus Althütte hat sie gebaut – aus Holz, Steinen, Moos und ziemlich vielen leeren Flaschen. Vor der Krippe steht ein typisches gelbes deutsches Ortsschild mit der Aufschrift „Bethlehem“. Ein Stück davon entfernt weist ein zweites Verkehrszeichen auf das Ortsende hin. Darüber steht: „Golgatha 33 Jahre“.

Das Bild an sich wirkt vertraut: Maria und Josef, das Jesuskind in ihrer Mitte. Drumherum Hirten, Engel, die heiligen drei Könige und neugieriges Volk. Nur die typischen Figuren sucht man vergeblich, denn Manfred Tegenkamp hat stattdessen leere Glasflaschen aufgestellt und mit Klebern beschriftet. „Maria“ steht auf einer blauen Bierflasche, das kleine Jesulein ist ein Weinbrandfläschchen aus Weißglas, auf einer Wodkaflasche prangt die Aufschrift „Einwohner von Bethlehem“.

Wachs, Zinn, Blech und Strohhalme

Weiter geht es die Treppe hinauf, vom Keller bis zum Dachboden sind Krippen zu entdecken. Manchmal sind Maria, Josef und das Jesukind so winzig, dass sie allesamt in einer halben Walnussschale oder auf einer getrockneten Bohne Platz finden. Etwas mehr Raum bietet eine ausgehöhlte, tennisballgroße Frucht des Totumabaums, ein Mitbringsel aus Südamerika. Von dort stammt auch eine Krippe in Kaktusform, und jenes Exponat, das komplett aus Maisblättern angefertigt ist, kommt aus Kolumbien. Schräg gegenüber sind Maria, Josef, Jesus und die komplette Krippengesellschaft kunstvoll aus Strohhalmen arrangiert worden, in den Vitrinen kann man aber auch mehr als 100 Jahre alte Figuren aus Gipsmasse oder Plastik, Marke Playmobil, bestaunen. Aus Wachs hergestellt sind die Figuren, die aus einem Benediktinerinnenkloster stammen, auch Beispiele aus Zinn, Blech, und Papier gibt es. Eine anthroposophische Krippe ist samt allen Figuren komplett aus Naturmaterialien gebaut. Je nachdem, wo die Krippen herstammen, tummeln sich Ochs und Esel, Kamele oder Elefanten an der Krippe, wuchern Palmen oder Tannenbäume.

Die Krippe des kleinen Mannes ist faltbar

Eine ganze Vitrine ist mit Papierkrippen bestückt. „Das war die Krippe des kleinen Mannes, die kann man ganz flach zusammenlegen“, sagt Roland Birkle über die Exponate, die mehr als hundert Jahre alt und inzwischen längst kein Fall mehr für den kleinen Geldbeutel sind. Von einem Bilderbogen der Esslinger Firma Schreiber aus den 1920er-Jahren hat Helmut Altmann, der Roland Birkle bei der Ausstellungsarbeit tatkräftig unterstützt hat, Farbkopien angefertigt, die einzelnen Figuren sorgfältig ausgeschnitten und dann auf Sperrholz aufgezogen. Ein Prachtstück in leuchtenden Farben.

Aus Helmut Altmanns Krippenwerkstatt stammt auch die sehr zerbrechliche Krippe, die im ersten Stock hinter Glas steht: drei ausgeblasene Hühnereier mit goldenen Krönchen sind eindeutig als die heiligen drei Könige zu identifizieren, und bei einem kleinen und zwei größeren Eiern mit Heiligenschein kann es sich nur um Maria, Josef und das Jesuskind handeln. Osterei statt Oberammergau.

Krippen im ganzen Museum

Ausstellung
Die Weihnachtsausstellung im Museum Welzheim, Pfarrstraße 8, ist von 20. November bis 8. Januar zu sehen und bei freiem Eintritt sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Am ersten Weihnachtsfeiertag, Sonntag, 25. Dezember, bleibt sie allerdings geschlossen, ist dafür aber am 26. Dezember zu besichtigen. Das Museum ist auch am 1. Januar sowie am 6. und 8. Januar geöffnet.

Programm
An den Öffnungstagen dürfen Kinder jeweils von 14 Uhr an unter Anleitung im Museum basteln, beispielsweise eine Minikrippe. Um 15.30 Uhr beginnt dann immer eine Vorlesezeit für Kinder.

Krippenweg
Wer nach dem Museumsbesuch noch mehr Krippen sehen möchte, kann einen Bummel durch die Wilhelmstraße und deren Seitengassen machen. Dort sind in rund 30 Schaufenstern weitere Krippen ausgestellt.




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