Besucherzentrum im Nationalpark Schwarzwald Der Blick geht hinaus, der Wald kommt herein

Von Stefan Jehle 

Das Besucherzentrum im Nationalpark Schwarzwald setzt architektonisch Akzente – und bezieht die Natur mit ein. Die Architekten und die Bauherrin gewähren Einblicke in Baufortschritt.

Der Skywalk – spektakuläre Architektur und spektakulärer Ausblick Foto: bloomimages
Der Skywalk – spektakuläre Architektur und spektakulärer Ausblick Foto: bloomimages

Baiersbronn - Offenheit war von Anfang an das Ziel: Den Gästen des künftigen Besucherzentrums im Nationalpark Schwarzwald sollen sich aus dem Inneren des Gebäudes vielfältige Blicke in den Wald eröffnen. Das Gebäude, das auf einer Höhe von 915 Metern auf dem Ruhestein entsteht, erfüllt diesen Anspruch bereits im Foyer: Fichten, Buchen, Weißtannen und Bergahorn sind hinter der Glasfassade zu sehen. Der spektakuläre Bau soll Ende 2020 eröffnet werden. Die beiden Architekten Susanne Wartzeck und Jörg Sturm sind angetan von dem, was inzwischen sichtbar ist. Und auch die Bauherrin Pia Riegert-Matt, die Leiterin des landeseigenen Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim, sagt: „Man schaut direkt in den Wald.“ Von außen ragen die Bäume bis an die mit Schindeln aus Fichtenholz belegten Wände.

Der Skywalk wurde schon im Wettbewerb gepriesen

„Man musste mit den Bäumen planen“, erklärt Wolfgang Schlund, der Geschäftsführer des Nationalparks, bei einem Rundgang durch die Baustelle. Pia Riegert-Matt lobt die „einmalige, identitätsstiftende Konzeption mitten im Wald“. Insgesamt acht versetzt liegende Gebäuderiegel können die Besucher später „durchwandern“. Jeder Riegel ist knapp 60 Meter lang, acht Meter breit und fünf Meter hoch. Die Riegel sollen mit ihrer länglichen Gestalt an Baumstämme erinnern und wie zufällig in die Landschaft geworfen wirken. Als besonders spektakulär gepriesen wurde schon im Wettbewerb ein quer zu den übrigen Bauten verlaufender Skywalk, der ähnlich wie bei Baumwipfelpfaden in 30 bis 40 Meter Höhe Ausblicke auf die Baumkronen ermöglichen soll.

Die Ausstellungsfläche des Besucherzentrums soll 3000 Quadratmeter groß und natürlich rollstuhlgerecht werden. Drei Gebäuderiegel – die mit bis zu 65 Metern extra lang sein werden – sind für eine interaktive Dauerausstellungen vorgesehen; zudem soll es wechselnde Schauen geben. Ferner sieht der Plan vor, dass eine Lichtinszenierung innerhalb einer halben Stunde einen Tag-Nacht-Rhythmus simuliert. In weiteren Räumen werden die landschaftlichen Besonderheiten des Nationalparks gezeigt und erklärt. Und im untersten Ausstellungsbereich geht es dann unter die Erde: Wurzeln, Pilze, kleinen Tieren und Mikroorganismen haben dort ihr Reich.

Die Eröffnung war für Anfang 2019 geplant

Eigentlich hätte das Besucherzentrum, mit dessen Bau im Dezember 2016 begonnen wurde, Anfang dieses Jahres eröffnet werden sollen. Doch es gab Bauverzögerungen, etwa wegen der anhaltenden Kälte in den Wintermonaten. Auch die Kostenentwicklung machte Schlagzeilen. Dabei sei zuweilen, das sagen Pia Riegert-Matt und Wolfgang Schlund fast unisono, „alles in einen Topf gerührt worden“. Nach Auskunft von Riegert-Matt betragen die Baukosten 32,5 Millionen Euro. Vor Baubeginn war von 22,5 Millionen Euro die Rede gewesen. Gesondert zu sehen sei jedoch der neue Verwaltungsbau neben dem jetzigen Naturschutzzentrum, der auf rund drei Millionen Euro taxiert wird. Dazu kommen noch zwei Millionen Euro für die rund 300 Parkplätze. Auf vier Millionen Euro belaufen sich die öffentlichen Erschließungskosten, auf drei Millionen Euro der Aufwand für die noch zu erstellende Ausstellung.

Auf einen kuriosen Aspekt der Bauplanung wies der Architekt Jörg Sturm hin: Der Verwaltungsbau, der im Herbst 2019 fertig sein soll, liegt auf der Gemarkung Seebach im Ortenaukreis, zuständig ist damit das Landratsamt in Offenburg. Für das Besucherzentrum selbst sind Baiersbronn, das Landratsamt in Freudenstadt und das Regierungspräsidium in Karlsruhe zuständig. Eine gemeinsame Bauabnahme wird es also wohl nicht geben.

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