Biergarten im Stadtpark Leonberg Feierabend-Bier zwischen Enten und Gänsen?

Von Thomas K. Slotwinski 

Der Stadtrat Frank Albrecht kann sich einen kleinen Biergarten am Stadtparksee vorstellen. Doch nicht alle finden diese Idee gut.

Abendliche Testgäste am Stadtparksee: Störend für Mensch und Tier? Foto: factum/Simon Granville
Abendliche Testgäste am Stadtparksee: Störend für Mensch und Tier? Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Am Ufer stehen einige Tische und Bierbänke, auf dem Grill liegen rote Würste, im Hintergrund läuft Barmusik. Ein perfekter Spätsommerabend. Doch der Grund der Zusammenkunft am Stadtparksee hat Test-Charakter. Unter Live-Bedingungen soll ergründet werden, ob ein kleiner Biergarten direkt am Stadtparksee zu laut wäre.

Frank Albrecht hatte die Idee im Sommergespräch unserer Zeitung herausgelassen: Der See im Herzen der Stadt liege im Dornröschenschlaf. Der Stadtrat der Ratsgruppe SALZ will ihn dergestalt erwecken, dass im Sommer dort ein Ausschank angeboten wird und die Leute sich ein Feierabendbierchen gönnen. Keine große Sache, höchstens für 50 Gäste.

Der Einfall stieß in der Politik auf große, wenngleich geteilte Resonanz. „Es wird der dritte oder vierte Schritt vor dem ersten gemacht“, sagt Ottmar Pfitzenmaier, der Chef der SPD-Fraktion im Gemeinderat. „Am Anfang muss doch die Frage an den Denkmalschutz stehen, ob es überhaupt denkbar ist, im denkmalgeschützten Stadtpark Gastronomie anzusiedeln.“

Seine CDU-Kollegin sieht im Lärmschutz die Mutter alles Handelns. „Sollten die Geräusche eines Biergartens die Anwohner belästigen“, so meint Elke Staubach, „brauchen wir diesen Gedanken nicht weiterzuverfolgen.“

Fühlen sich die Anwohner gestört?

Um dieses Grundproblem zu klären, hatte die Christdemokratin dem SALZ-Vertreter einen praktischen Lärmtest vorgeschlagen. Und Frank Albrecht sprang sofort darauf an. Die Stadt spielte auch mit, eine Anwohnerin auf deren Balkon die Geräusche gemessen werden konnten, fand sich ebenfalls.

Am Testabend kommen um die 40 Leute zum Stadtparksee. Harald Hackert, Albrechts neuer Ratsmitstreiter, legt Würstchen auf, Madeleine und Marcel Murschel tragen dezente Popweisen vor.

Doch die werden anfangs so gar nicht richtig wahrgenommen. Denn unter den Gästen sind nicht nur Freunde eines möglichen Biergartens. Birgit Widmaier, die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, und ihre Ratskollegin Gudrun Sach haben besonders gegen die Nähe zum See Bedenken. „Das ist der naturnahste aller möglichen Standorte“, kritisiert Sach. Schließlich sei das die Heimstatt vieler Tiere, auch geschützter Arten wie Fledermäusen. Nicht nur die in der Nachbarschaft lebenden Menschen würden durch abendliche Umtrünke gestört, sondern eben auch die Tiere.

Braucht es ein Klo?

Die beiden Grünen-Ratsfrauen stoßen mit ihrer Kritik durchaus auf Zustimmung. So bestünde die Gefahr, dass der See zugemüllt werde und am Ende sogar jemand hineinfalle. Und die Toilettenfrage sei überdies nicht geklärt. Dixie-Klos zwischen Enten und Gänsen?

Für Georg Pfeiffer ist die WC-Frage unabhängig von der Biergarten-Diskussion dringlich. „Wir brauchen im Stadtpark endlich eine öffentliche Toilette“, fordert der Stadtrat der Freien Wähler. Es gehe nicht, dass die Leute alle in die Stadthalle oder ins Leo-Center müssten.

Den Vorschlag von Gudrun Sach, einen Biergarten an die Außenterrasse des Stadthallen-Restaurants Corfu Palace anzudocken, findet Pfeiffer weniger gut: „Man kann eine hochwertige griechische Gastronomie nicht mit ein paar Biertischen mit Selbstbedienung kombinieren.“

Vorschlag: Vorplatz Stadthalle

Die Restaurant-Chefs wissen noch gar nichts von der Diskussion in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Und tatsächlich können sich Vassilios Memmos und Theo dorus Gogas eine Art Kneipenausschank auf ihrer Terrasse nur schwer vorstellen.

Sie haben eine ganz andere Idee: Der Vorplatz der Stadthalle, der offiziell Bürgerplatz heißt, ist derzeit vor allem ein Parkplatz. Diesen müsste man aufwerten. „Und dann kann man da auch Kleinigkeiten servieren: Brezeln, Wurstsalat oder andere Häppchen“, sagt Memmos.

Dem Initiator Frank Albrecht gehen die Diskussionen um die Dimensionen fast schon zu weit. „Wenn da fünf Bierbänke stehen und vielleicht eine mobile Versorgungseinheit, etwa ein kleiner Foodtruck, ist das einfach schön und wird vermutlich von für die sensible Stelle passendem Publikum angenommen“, sagt der SALZ-Stadtrat. Ein fest installierter Ausschank schwebe ihm gar nicht vor. Betreiben könnten es die Vereine.

Der Lärm jedenfalls, das haben die von Elke Meller durchgeführten Messungen ergeben, scheinen nicht das große Problem zu sein. „Der Lärmpegel durch Gespräche ist kaum wahrnehmbar“, bilanziert Albrecht. Nur die Musik sei zu hören. „Aber das muss ja nicht täglich sein.“