Bilanz der Stuttgarter Bäder Corona, mieses Wetter und wenig Personal

Das Bädle auf der Schlotwiese blieb diesen Sommer oft ziemlich leer, was für die Besucher auch Vorteile hatte. Foto: Georg / Friedel
Das Bädle auf der Schlotwiese blieb diesen Sommer oft ziemlich leer, was für die Besucher auch Vorteile hatte. Foto: Georg / Friedel

Die zweite Freibad-Saison unter Pandemiebedingungen erwies sich als schwierig: Denn zu den Corona-Beschränkungen wie eine deutliche Einlassbeschränkung kamen extrem viele Regentage und der übliche Personalmangel.

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Stuttgart - Ein richtiges Sommergefühl wollte einfach nicht aufkommen: Im Juli regnete es an 19 von 31 Tagen. Und über die 30-Grad-Grenze kletterte das Thermometer im Juli nie. Wer sucht da Abkühlung im Freibad? Auch der August zeigte sich von der trüben Seite: „30 Prozent zu nass und die Sonne schien 30 Prozent zu wenig“, meldete der Deutsche Wetterdienst. Dazu immer wieder starker Regen. Platschnass wurde mancher, der ohne Regenschirm das Haus verließ. Wer will da Schwimmen gehen?  

Viel Platz im Zuffenhäuser Bädle

Entsprechend enttäuschend fällt auch die Bilanz dieser Freibad-Saison im Bädle auf der Schlotwiese in Zuffenhausen aus. „Katastrophal war dieser Freibad-Sommer, was unsere Kasse angeht“, sagt Sven Metzler. Der Geschäftsführer des SSV Zuffenhausen unterscheidet dabei aber zwischen den rein objektiven Besucherzahlen dieses Sommers und den subjektiven Gefühlen, dem Lob und den positiven Eindrücken, die die Badegäste gegenüber dem Personal immer wieder zum Ausdruck brachten: „Unsere Besucher waren natürlich begeistert, weil sie sehr viel Platz zum Schwimmen hatten und insgesamt so wenig im Bädle los war“, sagt Metzler. Unter dem Strich rechnet der SSV-Geschäftsführer aber mit einem dicken Minus: „In einem guten Sommer haben etwa das Dreifache an Freibadbesuchern“, schätzt er. Er hofft daher, dass in diesem corona- wie auch wetterbedingt sehr schlechten Jahr die öffentliche Hand den Betreibern der Vereinsbäder finanziell stärker unter die Arme greift: Ohne höhere Zuschüsse der Kommune und des Landessportbundes seien die Defizite nicht auszugleichen. Metzler ist aber zuversichtlich: „Wir haben zuverlässige Unterstützer und Partner in Politik, Behörden und Verbänden.“  

Halb so viele Besucher wie vor Corona

Auch bei den städtischen Freibädern war die Resonanz schwach: Den Weg ins Höhenfreibad Killesberg fanden 90 266 Gäste und im Inselbad passierten 84 173 Besucher die Drehkreuze. In allen fünf städtischen Freibädern wurden 379 982 Besucher gezählt. Das waren lediglich halb so viele wie im Jahr 2019. Damals kamen noch rund 760 000 Badegäste von Anfang Mai bis Mitte September. „Allerdings hatten wir mehr Besucher als im letzten Jahr“, betont eine Mitarbeiterin bei den Stuttgarter Bädern. Denn diesmal habe man die Freibäder drei Wochen länger offenhalten können. So gesehen sei der zweite Freibad-Sommer unter Pandemiebedingungen ganz gut gelaufen. Allerdings machte den Stuttgarter Bädern der „branchenspezifische Personalmangel“ auch in diesem Corona-Jahr zusätzlich das Leben schwer: „So konnte das Inselbad ab dem 14. Juni nur mit einem Zeitfenster betrieben werden, um genügend Personal für die Öffnung des Mineralbads Berg und des Leuzes einsetzen zu können“, berichten die Stuttgarter Bäderbetriebe.

Zum Personalmangel und dem mauen Wetter kamen die Einlassbeschränkungen durch die Corona-Regeln hinzu. Im Außenbereich war nur ein Gast je 20 Quadratmeter zugelassen. Und wer ins Freibad wollte, musste sich vorher anmelden. Eintrittskarten konnten in der Regel entweder online bestellt werden oder bei den städtischen Freibädern auch telefonisch vorbestellt und abgeholt werden. So manche Karte dürfte aber trotz Buchung verfallen sein, weil der Freibad-Besuch sprichwörtlich ins Wasser fiel.  

Positives Fazit angesichts schwieriger Umstände

Angesichts dieser schwierigen Umstände ist Bäderchef Alexander Albrand mit der nun abgeschlossen Freibadsaison sehr zufrieden und zieht eine positive Bilanz: „Die Entscheidung, alle fünf Freibäder am 27. Mai wieder unter Pandemiebedingungen zu öffnen und der Stuttgarter Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, einen Teil ihrer Freizeit in unseren Bädern zu verbringen, erwies sich in jeder Hinsicht als richtig.“ Und wer noch ein wenig den Altweibersommer im September und Oktober mit Schwimmen und Sonnenbaden genießen will, hat dazu genügend Möglichkeiten: „In den Außenbecken und auf den Liegewiesen im Leuze und im Mineralbad Berg, im Außenbereich des Solebads Bad Cannstatt sowie vom 21. September an im Hallenbad Zuffenhausen, vom 27. September an im Hallenbad Sonnenberg und vom 28. September an im Leo-Vetter-Bad lassen sich sonnige Herbsttage genießen“, heißt es bei den Bäderbetrieben.  MTV Stuttgart will wieder öffentlichen Badebetrieb zulassen

Für den MTV Stuttgart war die Schwimmbad-Situation in diesem Jahr vergleichsweise einfach und kommod. Denn sie verzichteten wegen Corona darauf, die Öffentlichkeit ins vereinseigene Schwimmbecken und auf das Gelände an der Furtwänglerstraße in Botnang zu lassen: „Unsere Freibadsaison verlief sehr gut, die MTV-Mitglieder freuten sich außerordentlich, das MTV-Freibad nutzen zu können“, sagt Birgit Janik.

Die MTV-Geschäftsführerin für den Bereich Sportbetriebe zieht insgesamt ein positives Fazit: „Durch die Organisation der Nutzungszeiten ‚Bahnen Schwimmen‘ und ‚Familienblock Schwimmen‘ über unser Buchungssystem lief alles coronakonform ab und die Schwimmzeiten wurden eifrig genutzt. Unsere Schwimm-, Triathlon- und Tauchsport-Abteilungen konnten trotz geschlossener städtischer Hallenbäder ihr Training wieder aufnehmen.“ Für die Freibad-Saison im kommenden Sommer plane der MTV Stuttgart, sagt Birgit Janik, „das MTV-Bad wieder für den öffentlichen Badebetrieb zu öffnen“.




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