Bilder, die Geschichte machen Gesten sagen mehr als 1000 Worte

Von Christoph Schennen 

Es gibt Gesten die man nicht vergisst. Von den Ministerpräsidentenwahlen in Thüringen gibt es gleich drei Szenen, die in Erinnerung bleiben werden. Ereignisse, bei denen Taten Worte ersetzten, gab es in der Geschichte auch schon zuvor.

Ministerpräsident Bodo Ramelow nahm die Gratulation von Björn Höcke ohne Handschlag entgegen. Foto: dpa/Michael Reichel 5 Bilder
Ministerpräsident Bodo Ramelow nahm die Gratulation von Björn Höcke ohne Handschlag entgegen. Foto: dpa/Michael Reichel

Stuttgart /Erfurt - Der neu gewählte Ministerpräsident Bodo Ramelow hat in seiner Ansprache nach der Wahl zum Ministerpräsidenten begründet, warum er den Handschlag vom thüringer AfD-Chef Björn Höcke verweigert hat – im Gegensatz zu Thomas Kemmerich. Der FDP-Politiker war am 5. Februar mit AfD-Stimmen in das Amt gewählt worden und lehnte den Handschlag nicht ab. „Ich bin bereit Ihnen die Hand zu geben, aber auch erst dann, wenn Sie die Demokratie verteidigen und nicht mit Füßen treten“, so der Linken-Politiker Ramelow. Es müsse sicher gestellt sein, dass die AfD „Demokraten anderer Fraktionen“ keine Fallen bauen.

Ramelow spielte auf die Ministerpräsidentenwahl von vor vier Wochen an, an dessen Ende auch eine Geste für Aufsehen sorgte. Die Landesvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, warf Thomas Kemmerich den obligatorischen Blumenstrauß vor die Füße. Björn Höcke gratulierte auf gewöhnliche Art und verbeugte sich dabei vor dem neuen Ministerpräsidenten. Das erinnerte Beobachter an eine Szene vom 21. März 1933. Adolf Hitler hatte sich an diesem Tag vor Reichspräsident Paul von Hindenburg verbeugt. Hitler hatte anlässlich der Eröffnung des Parlaments in der Garnisonskirche eine Huldigungsrede auf ihn gehalten.

Mitterrand bietet Kohl die Hand an

Es ist noch gar nicht so lange her, da sorgte eine Geste in den USA für Aufsehen. Am 4. Februar hielt US-Präsident Donald Trump eine Rede zu Lage der Nation im Repräsentantenhaus – und schüttelte Nancy Pelosi, der Sprecherin der Parlamentskammer zuvor nicht die Hand. Am Ende seiner Ausführungen zerriss die Politikerin eine Kopie von Trumps Redemanuskriptes. „Auf jeder Seite stand etwas Anstößiges“, begründete sie ihre Aktion, die nicht geplant war. Sie wollte damit Aufmerksamkeit schaffen für Themen wie Mindestlohn, Schutz vor Waffengewalt und Kinderrechte, sagte sie dem Sender CNN. Und es gehe ihr auch darum, darauf hinzuweisen, dass Trump in seiner Rede die Unwahrheit gesagt habe.

Bedeutsame Gesten haben eine lange Geschichte. Helmut Kohl und Francois Mitterrand standen am 22. September 1984 Hand in Hand auf dem Soldatenfriedhof Douaumont, um der Opfer der beiden Weltkriege zu gedenken. Im dortigen Gebeinhaus liegen die Überreste gefallener deutscher und französischer Soldaten, die in der Schlacht von Verdun ums Leben gekommen sind. Urheber des „Händehaltens“ war der französische Präsident, wie der TV-Journalist Ulrich Wickert später berichtete. Helmut Kohl ergriff die ihm angebotene Hand. Die Geste wurde zu einem Symbolbild der deutsch-französischen Freundschaft.

Kniefall in Warschau

Legendär ist auch der Kniefall von Willy Brandt am 7. Dezember 1970. Voller Demut machte er sich vor dem Ghetto-Ehrenmal im Warschau klein und bekannte sich zur Schuld der Deutschen an den verheerenden Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs. Das Niederknien kennt man aus der katholischen Kirche. In dieser Haltung erleben Christen die Wandlung der eucharistischen Gaben in Leib und Blut Jesu Christi. Der Kniefall Brandts kann man auch als Bußhandlung ansehen und mit dem Bußsakrament in der katholischen Kirche vergleichen, wo Gläubiger ihre Sünden vor dem Pfarrer offenbaren.

Einen Bußgang unternahm Heinrich IV im Dezember 1076 und Januar 1077. Vor der Burg Canossa soll er drei Tage im Büßerhemd gestanden haben, ehe ihn Papst Gregor VII zu sich ließ und den Kirchenbann gegen ihn aufhob.

Der ausgestreckte Mittelfinger

Eine gezielte Aktion der Provokation war der ausgestreckte Mittelfinger von Peer Steinbrück auf dem Cover des SZ-Magazins eine Woche vor der Bundestagswahl 2013. Der SPD-Politiker war der Kanzlerkandidat der SPD. Die Geste war eine Antwort auf die Frage, was er von Bezeichnungen wie Pannen-Peer, Problem-Peer oder Peerlusconi halte. Einige fanden die Aktion mutig, andere kritisierten sie. Der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler fand: „Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht.“