Blaualgen in Plüderhausen Bis auf Weiteres kein Badespaß im See

Schweren Herzens hat die Gemeindeverwaltung die Schilder aufgestellt. Aktuell wird aus gesundheitlichen Gründen ausdrücklich abgeraten, im Plüderhäuser See zu baden. Foto: /Stoppel
Schweren Herzens hat die Gemeindeverwaltung die Schilder aufgestellt. Aktuell wird aus gesundheitlichen Gründen ausdrücklich abgeraten, im Plüderhäuser See zu baden. Foto: /Stoppel

Der See der Gemeinde ist ein beliebtes Ausflugsziel, doch momentan gilt aufgrund von Blaualgen ein dringendes Badeverbot. Warum sind die Cyanobakterien so gefährlich?

Fellbach: Simone Käser (sk)
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Plüderhausen - Während gerade wohl viele über den nassen Sommer schimpfen, der mancherorts zu Tragödien geführt hat, ist man in Plüderhausen gleich in mehrerer Hinsicht froh über den Regen und die gemäßigten Temperaturen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass an dem beliebten See aktuell laut Gemeindeverwaltung ein Badeverbot gilt, weil die Belastung mit Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, angestiegen ist. „Wir wissen zwar, dass das Problem häufig durch starke Regenfälle zunimmt, aber je mehr Wassermenge im See wir haben, desto besser sind auch die Chancen, dass die Sache schnell ausgestanden ist“, sagt Ludwig Kern, Bauamtsleiter in Plüderhausen. Zudem sei es durch die momentane Sommerpause nicht so schmerzhaft, dass keine Erfrischung im kühlen Nass gesucht werden könne.

Auch im vergangenen Jahr waren die Bakterien sehr hartnäckig

Der Gemeindemitarbeiter erinnert sich noch gut an den Sommer im vergangenen Jahr, als die hartnäckigen Bakterien zur ziemlich gleichen Zeit aufgetaucht und relativ hartnäckig waren. „Dieses Mal sind wir mit Juli sogar eher spät dran. Letztes Jahr ging es früher los, und es hat fast bis in den Herbst gedauert. Erst im September konnte wieder gebadet werden“, sagt Ludwig Kern. Wie lange es dieses Mal dauert, kann nicht eingeschätzt werden. Es werden immer wieder Proben entnommen, und die Verwaltung ist in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

„Solange die Belastung so stark ist, gilt das Verbot. Wir ziehen niemand an den Füßen raus, aber wir appellieren an die Vernunft“, sagt der Bürgermeister von Plüderhausen, Benjamin Treiber, und hofft auf eine schnelle Besserung der Lage. In der Vergangenheit habe es sich selbst reguliert.

Die Gründe für den erneuten Befall sind nicht klar definierbar

Die Gründe für den erneuten Befall sind nicht klar definierbar. Doch Vermutungen gibt es. So könnte die Zunahme an Grau- und Nilgänsen am See eine Rolle spielen. Zudem werden die Badegäste als problematisch für den Anstieg der Blaualgen gesehen. „Die Erholungssuchenden haben eine Phosphatbelastung auf der Haut. Sie bringen Schuppen, Hautteilchen sowie Kosmetika mit ins Wasser, deshalb sollte sich jeder wie im Schwimmbad vor dem Sprung in den See abduschen, was aber bei uns, mit nur einer Dusche, nicht jeder macht“, sagt Ludwig Kern.

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Weil die Ursache für die Vermehrung der Cyanobakterien fundiert wissenschaftlich untersucht werden soll, lässt sich Plüderhausen durch die Hochschule Nürtingen beraten. Jennifer Lloyd-Pippich, die dort momentan ihre Masterarbeit schreibt, forscht nach den Ursachen des Blaualgenbefalls. „Wir rechnen im September mit Ergebnissen, die wir im Gemeinderat vorstellen und aus denen wir Maßnahmen ableiten wollen“, sagt Bauamtsleiter Ludwig Kern.

Die Bakterien sind für den Menschen gefährlich

Auch darüber, wie die Bakterien Menschen gefährden können, hat die Studentin gesprochen. Bei einmaligem Kontakt könnte es zu Haut- und Schleimhautreizungen sowie Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen kommen. Beim Verschlucken könnten auch Durchfall und Fieber eintreten. Sollten die Toxine über längere Zeit aufgenommen werden, komme es zur Schädigung der Leberzellen und weißen Blutkörperchen, was einen schweren Verlauf verursachen und im schlimmsten Fall auch tödlich enden könne. Besonders gefährdet seien Kinder. „Deshalb der Ratschlag, nicht ins Wasser zu gehen. Schließlich soll ja niemand krank werden. Erholung ist am See auch ohne Baden möglich“, sagt Ludwig Kern.




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