BMW-Aufbruchserie in der Region Am Morgen fehlen das Lenkrad und das Navi

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Diebesbanden haben sich in der Region auf den Aufbruch von Autos der Marke BMW spezialisiert. Aus diesen stehlen sie hochtechnische Teile, um sie im Ausland weiterzu verkaufen. Die Polizei tut sich schwer, den Tätern auf die Spur zu kommen.

Im Innenraum der BMW hinterlassen die Täter ein Bild der Verwüstung. Foto: dpa
Im Innenraum der BMW hinterlassen die Täter ein Bild der Verwüstung. Foto: dpa

Kreis Esslingen - Es ist eine Diebstahlserie von gewaltigem Ausmaß, die seit rund einem Jahr nicht nur die Polizei in der Region Stuttgart, sondern im gesamten Südwesten beschäftigt. Mit großer Regelmäßigkeit brechen kriminelle Banden Autos der Marke BMW auf und stehlen daraus die Multifunktionslenkräder und die Navigationssysteme. Allein in Neuhausen und in Altbach sind der Polizei binnen einer Woche 13 Aufbrüche dieser Art gemeldet worden. Den Tätern auf die Spur zu kommen, sei schwer, sagt Frank Natterer, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, „wir kennen die Bandenstrukturen nicht“.

Die Diebe sind Profis

Die Ermittler gingen davon aus, dass die Lenkräder und Navigationsgeräte rasch außer Landes geschafft, dort verkauft und „anderweitig wieder eingebaut“ würden. Auf Verkaufsplattformen im Internet seien sie bisher nicht aufgetaucht, sagt Frank Natterer. Mutmaßungen darüber, wo sich die Drahtzieher der Diebstähle aufhalten, mag er nicht anstellen. Im vergangenen Dezember wurden acht Litauer im Alter von 16 bis 28 Jahren festgenommen, die im Kreis Böblingen und im Main-Tauber-Kreis mindestens 45 Autos – hauptsächlich der Marke BMW – aufgebrochen und geplündert haben sollen. Deren Vernehmungen seien bei der Aufklärung der Taten allerdings wenig zielführend, sagt Frank Natterer: „Die sind nicht allzu gesprächsbereit“.

Die Vorgehensweise der Tätergruppen sei weitgehend identisch, erklärt der Polizeisprecher. Die Diebe seien spezialisiert und bauten die hochtechnischen Autoteile akkurat und professionell aus, um sie nicht zu beschädigen. Weit weniger zimperlich gingen die Serientäter beim Aufbruch der Autos zu Werke. Meist werde eine kleine Dreiecksscheibe eingeschlagen, um ins Wageninnere zu gelangen. Warum die Täter keine größeren Scheiben zertrümmerten, lasse sich nur schwer beurteilen: „Vielleicht verursacht das einen größeren Lärm“. Sei das Fahrzeug aufgebrochen, würden mitunter ganze Kabelbäume durchtrennt, um an das Diebesgut zu kommen. „Dann wird’s sündhaft teuer“, spricht Natterer allein die Sachschäden an, deren Gesamtsumme schwer zu beziffern sei. Beim Wert der Beute wird er konkreter. Fehlten nach dem Aufbruch das Lenkrad und das Navigationssystem, belaufe sich der Schaden leicht auf 3000 bis 4000 Euro.

BMW hat auf Diebstähle reagiert

Die Zielrichtung der Diebe sei klar. Sie hätten es allein auf die Multifunktionslenkräder und Navigationssysteme der BMW abgesehen. Oft blieben andere Wertgegenstände, die sich in den Autos befänden, unangetastet. Hauptsächlich gingen die Täter gewerbsmäßig und gebietsweise vor. Werde morgens aus einer Kommune ein Aufbruch bei der Polizei gemeldet, „ist es sehr wahrscheinlich, dass im selben Ort zeitgleich weitere Taten dieses Musters verübt wurden“, berichtet Natterer. Es sei auch schon vorgekommen, dass an den ausgeraubten BMW keine Einbruchsspuren festgestellt werden konnten. In diesen seltenen Fällen gehe die Polizei davon aus, dass sie entweder nicht verschlossen waren, „oder die Täter zuvor den funkgesteuerten Schlüssel geblockt haben“.

Ein BMW-Sprecher teilt auf Anfrage mit, der Konzern habe auf die Diebstähle reagiert und einen Großteil der Neufahrzeuge Ende 2016 mit einem „hochsicheren kryptographischen Algorithmus“ ausgestattet, der eine Wiederverwendung der gestohlenen Geräte „nahezu unmöglich macht“. Zudem seien die Navigationssysteme mit Freischalt- und Länder-Codes ausgestattet, die den Einbau in andere Fahrzeuge „extrem erschweren“. Mit Hochdruck arbeite Automobilhersteller außerdem an verschiedenen mechanischen Maßnahmen, die bereits „den Ausbau der Geräte erschweren sollen“.

Versicherung springt ein

Schutz
Sich vor den Diebstählen zu schützen, ist schwer. Nicht jeder besitzt einen Parkplatz in einer Garage, was den einfachsten Schutz darstellt. Aufwendig sind Schutzvorrichtungen, bei denen das Navigationssystem in der Mittelkonsole mit einer Schutzplatte gesichert wird. Eine Teil- oder Vollkaskoversicherung kommt für den durch ein gestohlenes, fest eingebautes Navigationsgerät entstandenen Schaden auf. Meist wird aber nur der Zeitwert erstattet.

Notruf
Beobachten Zeugen einen Autoaufbruch, empfiehlt die Polizei, unverzüglich den Notruf 110 zu wählen, um den nächsten Streifenwagen schnell zum Tatort beordern zu können. Ansonsten stünden für Hinweise die zuständigen Polizeireviere zur Verfügung.




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