Böblingen Tierschützer: Tauben verhungern im Park

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Die Vogelfreunde wollen eine Lockerung des Fütterungsverbotes – „Nicht nötig“, sagt die Stadt.

Die Tauben an den Böblinger Seen  haben kaum mehr Scheu vor den Menschen – sie seien zu entkräftet, um wegzufliegen, sagen die Tierschützer. Foto: factum/Simon Granville
Die Tauben an den Böblinger Seen haben kaum mehr Scheu vor den Menschen – sie seien zu entkräftet, um wegzufliegen, sagen die Tierschützer. Foto: factum/Simon Granville

Böblingen - Seit die Straßencafés und die Fußgängerzone in Böblingen verwaist sind, geht es den Stadttauben schlecht. Die Tiere ernähren sich oft genug von Krümeln, weggeworfenen Backwaren oder allgemein von menschlichem Abfall. Jetzt finden sie nichts mehr und hungern, sagen zumindest die Böblinger Tierschützer. „10 bis 15 Tauben pro Woche finden wir zur Zeit in Böblingen, die völlig entkräftet vor Hunger sind“, berichtet die Tierschützerin Anna Faix, die sich mit ihrem Verein „Straßentaube und Stadtleben“ der Tauben in Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart angenommen hat.

Fütterungsverbot in den meisten deutschen Städten

In den meisten deutschen Städten herrscht ein Fütterungsverbot für Stadttauben, weil der Vogelkot Schäden an Bauwerken und Fahrzeugen verursacht und die Gesundheit der Bürger gefährdet. Ein Fütterungsverbot für Wildtiere kann Anna Faix noch nachvollziehen, doch Stadttauben seien streng genommen Haustiere. Sie seien ausgewilderte Nachfahren von domestizierten Felsentauben, die noch bis ins vorige Jahrhundert hinein für den Kochtopf gezüchtet worden seien. Während Wildtiere ihre festen Brutzeiten hätten, brüteten die Tauben, ähnlich wie das Haushuhn, das ganze Jahr. Auch ist ihre Ernährung auf den Menschen ausgerichtet, sprich: Im Gegensatz zu anderen Vogelarten, können sich die Stadttauben relativ gut von weggeworfenen Brötchen, Pizzen oder Pommes ernähren.

In Böblingen leben etwa 800 Tauben

Etwa 800 Tauben sind es, die zur Zeit in den Fassaden von Böblingen leben und in den zwei Taubenschlägen, die von der Stadt eingerichtet worden sind. Diese Taubenschläge dienen dazu, die Population stabil zu halten, denn dort werden die Taubeneier teilweise durch Gipseier ersetzt, damit die Tauben sich nicht zu sehr vermehren.

Der Verein hat bereits mehrfach beim Böblinger Ordnungsamt nachgefragt, ob das Fütterungsverbot nicht gelockert werden könne. Die Idee ist, dass zwei bis drei ehrenamtliche Helfer eine Lizenz zum gezielten Füttern bekämen, solange, bis sich wieder das normale Stadtleben entfaltet.

Doch das Böblinger Ordnungsamt hat, genauso wie Kollegen im Sindelfinger und im Stuttgarter Rathaus den Taubenschützern ein klare Absage erteilt, weil es nicht nötig sei. Der Böblinger Pressesprecher Fabian Strauch berichtet, dass der „gewöhnliche Betrieb“ im städtischen Taubenschlag ohne Einschränkungen weiterlaufe. Das heißt, das Umwelt- und Grünflächenamt kümmere sich darum, dass die Tauben dort genügend Wasser und artgerechtes Futter hätten, sowie ausreichend Nistmöglichkeiten. Außerdem würden weiterhin die Eier ausgetauscht.

Die Abteilung Umwelt und Grünflächen könne dort den Zustand der Stadttauben gut beobachten, ausgezehrte Tiere seien bisher nicht aufgefallen. Ebenso finden die Tauben nach diesen Beobachtungen auch außerhalb der Taubenschläge nach wie vor Futter. Doch will das Grünflächenamt der Stadt die Situation in den städtischen Taubenschlägen weiter intensiv beobachten und wenn nötig, die Fütterung mit artgerechtem Futter in angemessener Menge verstärken. „Aus den angeführten Gründen wird die Stadt Böblingen das Fütterungsverbot nicht lockern“, berichtet Fabian Strauch.

Aber der Verein will nicht aufgeben, zumal er zumindest in Stuttgart Gefahren von anderer Seite sieht. „Stellen Sie sich den Schaden für die Landwirtschaft vor, würden die 12 000 Stadttauben in Stuttgart die Stadt verlassen und ihre Nahrung auf den angrenzenden Feldern suchen“, sagt Anna Faix.