Böblingen Weiter Ärger wegen Schießlärm

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Die Bürgerinitiative wirft der US-Armee vor, sich nicht an die vereinbarten Beschränkungen am Schießstand zu halten. Die Stadt müsse Druck auf die Armee ausüben.

Das Schießtraining im Wald bei der Panzerkaserne ist seit vielen Jahren ein Streitthema in Böblingen. Foto: US-Army
Das Schießtraining im Wald bei der Panzerkaserne ist seit vielen Jahren ein Streitthema in Böblingen. Foto: US-Army

Böblingen - Die Bewohner des Rauhen Kapfs sind aufgebracht. Mal wieder, wie so oft in den vergangenen Jahren. Der Grund: der ihrer Ansicht nach unerträgliche Schießlärm der US-Armee, die nur wenige Hundert Meter vom Wohngebiet entfernt ihren Schießstand hat. Dort trainieren Soldaten, die extra eingeflogen werden, für ihre Einsätze in den Krisengebieten der Welt.

Dabei hatte es vor einigen Wochen so gut ausgesehen. „Die Schießtrainings wirken koordinierter, planvoller, disziplinierter als bisher. Das regelmäßige aggressive Salvenschießen wird seit Juli mit bisher vertretbaren, sehr lautstarken Ausnahmen nicht mehr erlebet“, hatte Lucienne Graupe von der Bürgerinitiave Rauher Kapf am 17. September in einer Mail an den Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) und an die Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger geschrieben. „Die von der US-Army abgegeben Zusagen, Schießeinschränkungen zu erlassen, scheinen dieses Mal verantwortungsbewusst eingehalten zu werden“, so die BI.

US-Army hält sich nicht an vereinbarte Regelungen

Doch bereits einen Monat später hatte sich die Situation komplett verändert. In einem Schreiben, dieses Mal an den OB gerichtet, beklagen sich die Anwohner am 18. Oktober darüber, dass „das Leben wie auf dem Schlachtfeld für uns rund 3500 betroffene Anwohner in der 38. Kalenderwoche zurückgekehrt“ sei, und zwar „täglich in vollem Umfang“. Sie fragen den OB, ob die „vereinbarte Lärmschutzkommission nun ihrer Aufgabe gerecht wird und die Nutzung der Schießanlage entsprechend diszipliniere.

Doch auf eine Antwort des OB warten die empörten BI-Vertreter immer noch: „Herr Belz hat es nicht für nötig befunden, auf unser Schreiben zu reagieren“, klagt Ulrich Durst, einer der Sprecher der BI. Dabei gebe es jede Menge Klagen über den Schießlärm, auch im Rathaus.

Dies bestätigt die Baubürgermeisterin Kraayvanger auf Anfrage unserer Zeitung. „Es hat in den vergangenen Wochen einige Beschweren über den Schießlärm gegeben“. Sie versichert: „Wir sind mit den betroffenen Stellen der US-Army im Gespräch.“ Vielleicht hatte dies ja auch Erfolg. Laut Durst herrscht seit einigen Tagen Grabesruhe auf dem Rauhen Kapf.

Noch anderthalb Jahre bis zur Fertigstellung der Lärmdämmung

Die Anwohner jedoch befürchten, dass dies nur eine kurze Verschnaufpause vor der nächsten Lärmattacke ist. Sie wollen verbindliche Zusagen, dass sich die US-Armee an die vereinbarten Einschränkungen hält. Denn noch mindestens anderthalb Jahre werden sie mit der ungedämmten Schießanlage leben müssen. Erst im Frühjahr/Sommer 2021 soll der versprochene Lärmschutz fertig sein.

Die Baubürgermeisterin freilich hält sich bedeckt, was Kritik an der US-Armee angeht. Den Unmut mancher Böblinger versteht sie und verspricht: „Die Bürger können sich jederzeit an uns im Rathaus wenden.“ Ihr Büro sei der Ansprechpartner für alle Fragen und Beschwerden rund um den Schießlärm.

Dies sehen die Mitglieder der BI etwas anders. „Bis vor zwei Jahren hatten wir eine vertrauensvolle Verbindung zum Rathaus“, sagt Durst. Doch im Moment haben die Bewohner des Rauhen Kapfs den Eindruck, dass sie alleine dastehen mit ihren Problemen. „Der Oberbürgermeister muss Druck auf die US-Army ausüben, damit diese Rücksicht auf die Anwohner nimmt“, fordert die Bürgerinitiative.