Breitbandnetz in Stuttgart Datentransfer ohne S-Bahn-Ticket

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Die Region Stuttgart ist eine Hochburg der Animationsbranche, die den Höchstleistungsrechner der Uni Stuttgart für ihre aufwendigen Berechnungen nutzen will. Das Problem: Die Daten müssen bisher per Boten dorthin geschickt werden.

Das Breitbandnetz in der Region Stuttgart reicht der Animationsbranche nicht aus. Foto: dpa
Das Breitbandnetz in der Region Stuttgart reicht der Animationsbranche nicht aus. Foto: dpa

Stuttgart - Datenlieferung wie mit dem Pizzaboten? Als das Stuttgarter Animationsstudio MARK 13 vor zwei Jahren Extra-Rechenpower brauchte, um rasch die aufwendigen Animationen für den Spielfilm Biene Maja zu erstellen, blieb für den Transport der riesigen Datenmengen tatsächlich kein anderer Ausweg als die Lieferung per S-Bahn: Zum Höchstleistungsrechenzentrum HLRS der Universität Stuttgart, immerhin einer der leistungsfähigsten Rechner weltweit, liegt nämlich keine Datenleitung, die auch nur ansatzweise dioe entsprechende Kapazität hätte. „Die Biene Maja fährt S-Bahn? Sie soll auf einer modernen Datenleitung ankommen!“, sagt Walter Rogg, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), die am Dienstag eine Studie zu diesem Thema präsentiert hat.

Für die Region Stuttgart, die beim Thema Animation und Visuelle Effekte einen weltweiten Ruf genießt und mit rund einem Viertel des in Deutschland gemachten Umsatzes als europäischer Spitzenstandort gilt, ist die fehlende Übertragungskapazität ein gravierendes Defizit – meinen die WRS und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Was nützt sonst die Tatsache dass an der Universität Stuttgart einer der zehn schnellsten Rechner der Welt auch für kleinere und mittlere Firmen zur Verfügung steht? Wenn die Region an so prestigeträchtigen Projekten wie der Fernsehserie Game of Thrones beteiligt bleiben will, braucht es dafür die Infrastruktur.

Ein regionales Glasfasernetz soll die Probleme lösen

In der Studie ist ausgeleuchtet worden, wie in der Region eine passende Breitband-Infrastruktur aufzubauen wäre. Sie ist bisher für die kommerziellen Breitbandbetreiber wirtschaftlich nicht attraktiv. Am besten wäre deshalb ein von den Animationsfirmen direkt betriebenes, regionales Glasfasernetz, das auf höchste Leistungsansprüchen zugeschnitten ist. „Dies ist ein Zugang mit Modellcharakter, weit über den Animationsbereich hinaus“, sagt MFG-Geschäftsführer Karl Bergengruen. Und in den Worten von WRS-Geschäftsführer Rogg: „Dies gilt genauso für den Maschinenbau wie die Kreativwirtschaft, für die Autoindustrie wie den Einzelhandel.“

Dark Fiber“, also auf Deutsch „dunkle Faser“, werden solche Kabel genannt, die in kein anderes Breitbandnetz integriert sind und damit quasi unbegrenzte Übertragungskapazitäten aufweisen Über einen speziellen Netzknoten in der Stuttgarter Innenstadt ließten sich dann die Firmen der Region gemeinsam in Richtung Universität Stuttgart-Vaihingen anbinden. Die Kosten sind überschaubar: Mit zehntausend Euro Einmalinvestitionen und 1000 Euro Monatsgebühr je Nutzer ließe sich ein solches Netz betreiben. Einen öffentlichen Beitrag bräuchte es nicht.

Damit das Wirklichkeit werden kann, müssen allerdings laut der Studie viele Partner zusammenarbeiten. Die Firmen selbst müssten bereit sein, ihre Nachfrage zu koordinieren. Entscheidend ist aber die Rolle der öffentlichen Hand: Sie solle etwa bei der Ausschreibung von neuen Arealen verbindliche Vorgaben für die Glasfaser-Infrastruktur machen – insbesondere auch für Reservekapazitäten, die erst in Zukunft angeschlossen werden könnten.

Das Glasfasernetz soll eine Verbindung schaffen:

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