Brian De Palma wird 80 „Carrie“, „Scarface“ und eine Mission

Von dpa/red 

Angst und Action sind sein Metier: Der Regisseur Brian De Palma drehte Hits wie „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ und „Mission: Impossible“. Mit 80 will er nach der Corona-Pause weitermachen.

Der Regisseur Brian De Palma Foto: dpa/Jose Mendez 25 Bilder
Der Regisseur Brian De Palma Foto: dpa/Jose Mendez

Los Angeles - Als Regisseur schockte Brian De Palma die Zuschauer mit Filmen wie „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“, „Dressed to Kill“ und „Scarface“. Mit „Mission: Impossible“ gelang ihm 1996 sein größter Hollywood-Coup. Im ersten Film der erfolgreichen Action-Reihe schickte er Tom Cruise als Agent Ethan Hunt auf Verbrecherjagd. Nur zurzeit tritt der amerikanische Filmemacher, der am Freitag (11. September) 80 Jahre alt wird, etwas auf die Bremse.

Nicht das Alter, sondern Hollywoods coronabedingte Drehpause sind daran schuld. Sein schon länger angekündigtes Projekt in der Pipeline heißt „Catch and Kill“. Darin komme eine Weinstein-Figur vor, erzählt De Palma in der aktuellen September-Ausgabe der Lifestyle-Zeitschrift „Interview“ mit Blick auf den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, der im Frühjahr wegen sexueller Übergriffe zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde. Doch die Hauptfigur sei von einem bekannten Filmschaffenden inspiriert, der in den 70er Jahren jungen Schauspielerinnen beim Casting nachgestellt habe. Er selbst habe damals die Besetzung für „Carrie“ ausgesucht und einen „echten Einblick“ in die Abgründe gewonnen, als er aus erster Hand die Klagen vieler Frauen über Machtmissbrauch gehört habe.

Bis der Drehbetrieb in Hollywood wieder anläuft, vertreibt sich De Palma auf Long Island im US-Bundesstaat New York als Autor die Zeit. Mit seiner Partnerin, der Journalistin Susan Lehman, schreibe er nun ein weiteres Buch, erzählt er in „Interview“. Im März war ihr Debütroman „Are Snakes Necessary?“ über die Sex-Affäre eines Politikers erschienen. 

Alfred Hitchcock ist das größte Vorbild des Regisseurs

De Palma, der Alfred Hitchcock als sein großes Idol nennt, mischt auch in seinen Filmen häufig Sex, Erotik und Gewalt mit fesselnden Bildern und etwas Humor. Zudem hat er den richtigen Blick für Schauspieltalente und das Casting. Robert De Niro hat De Palma seinen Karrierestart zu verdanken. 1968 holte der Regie-Neuling den damals unbekannten Schauspieler für „Greetings - Grüße“ vor die Kamera. Der Streifen über das Schicksal junger Vietnamkriegsgegner wurde bei den Filmfestspielen in Berlin mit einem Silbernen Bären gefeiert. Vier Jahre später schockte er mit dem Horror-Thriller „Die Schwestern des Bösen“. Eine junge Frau beobachtet einen Mord im Nachbarhaus, ganz im Stil von Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“.

Mit „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ (1976) folgte der erste Kassenhit. Für den Psycho-Horror holte er Sissy Spacek als gequälte Schülerin mit übernatürlichen Kräften und den jungen John Travolta vor die Kamera. Vorlage war das erste veröffentlichte Buch von Stephen King, der damit als Bestsellerautor weltberühmt wurde. In dem Thriller „Dressed to Kill“ (1980) schrieb De Palma seiner damaligen Ehefrau Nancy Allen die Rolle einer Prostituierten auf den Leib. In dem Gangsterdrama „Scarface“ brillierte Al Pacino als skrupelloser Kleingauner, der zum Drogenmafioso hochsteigt.

Die jüngeren Filme nach „Mission: Impossible“ kamen beim Publikum weniger gut an

In „The Untouchables - Die Unbestechlichen“ versetzte er De Niro, Sean Connery und Kevin Costner zurück in die 1930er von Al Capone. Connery gewann seinen einzigen Oscar als bester Nebendarsteller. Michael J. Fox und Sean Penn spielten die Hauptrollen in „Die Verdammten des Krieges“ (1989).

Auf seinen Gangsterfilm „Carlito’s Way“ (1993) sei er besonders stolz gewesen, erzählte De Palma im vorigen Oktober beim Hamptons International Film Festival, wo der Regisseur mit einem Lebenswerkpreis geehrt wurde. Doch der Streifen mit Al Pacino nahm wenig Geld ein. Er habe daraufhin beschlossen, einen Kassenerfolg zu drehen, witzelte De Palma. Als ihm „Mission: Impossible“ angeboten wurde, schlug er tatsächlich zu. Sein High-Tech-Spektakel überzeugte mit spannenden Actionszenen und glänzender Kameraführung. „Das war der größte Hit meiner Karriere“, sagte De Palma bei der Festival-Ehrung. 

Seine jüngeren Filme kamen bei Kritikern und Publikum weniger gut an. Der Krimi „The Black Dahlia“ (2006) fiel trotz Starbesetzung um Scarlett Johansson und Hilary Swank durch, ebenso „Passion“ (2013) mit Noomi Rapace und Rachel McAdams und der Terror-Thriller „Domino“ (2019). 

Doch mit seinen früheren Werken hat De Palma Hollywood und nachfolgende Filmemacher geprägt. Der gewöhnlich publikumsscheue Regisseur ließ vor wenigen Jahren erstmals einen umfassenden Einblick in seine Arbeit und in sein Leben zu. Beim Filmfest in Venedig im Jahr 2015 stellten die Regisseure Noah Baumbach und Jake Paltrow ihren Dokumentarfilm „De Palma“ vor - eine Hommage an einen großen Meister seines Fachs.




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