Brief an den Basketball-Superstar Lieber Dirk Nowitzki!

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Dirk Nowitzki hat ein Stück Sportgeschichte geschrieben: Der 38-Jährige hat seinen 30 000. Punkt in der NBA erzielt. Die Sportwelt verneigt sich – und wir auch. Ein Brief.

Dirk Nowitzki steht auf einer Stufe mit Steffi Graf oder Fritz Walter oder Michael Schumacher Foto: dpa 11 Bilder
Dirk Nowitzki steht auf einer Stufe mit Steffi Graf oder Fritz Walter oder Michael Schumacher Foto: dpa

Stuttgart - Lieber Dirk Nowitzki,

in diesen Zeiten wird so viel über die Schattenseiten des Sports gesprochen, über Doping, über Korruption, über all den widerlichen Dreck, den der Hochleistungssport in seinem Schlepptau hat. Es ist für Sportfans oft zum Verzweifeln. Gäbe es nicht Athleten wie Sie. Sie stehen für etwas anderes.

Wenn man sich fragt, welchen Wert Spitzensport hat, dann kann man auf Sie zeigen: Seht her, das ist der Wert des Sports, er bringt Vorbilder hervor wie Sie. Sie sind eine lebende Legende. Einer der größten Athleten, die dieses Land je hervorgebracht hat. Sie stehen auf einer Stufe mit Steffi Graf oder Fritz Walter oder Michael Schumacher.

Als Sie 2008 bei den Olympischen Spielen deutscher Fahnenträger waren, freuten Sie sich wie ein kleines Kind. Sie, der Multimillionär aus den USA, stehen wie kaum ein anderer Athlet für die großen olympischen Werte, die dem Sport seine Bedeutung geben. Für Integrität. Für Glaubwürdigkeit. Für Fair-Play. Stets bescheiden sind Sie in Peking aufgetreten, neugierig auf die anderen Athleten und voller Begeisterung für die Idee, die hinter Olympia steht. Sie waren kein Fremdkörper wie viele andere Superstars bei den Spielen, sondern Sie waren der menschgewordene olympische Geist. Auch abseits der Halle treten Sie bescheiden auf und begegnen mit Ihren 2,13 Meter jedem Menschen auf Augenhöhe. Nie von oben herab. Immer mit Respekt. Klasse auf dem Feld kann man bis zu einem gewissen Grad trainieren. Klasse abseits nicht.

Sie sind kein Egoshooter wie so viele andere Sportstars, auch und gerade in der NBA. Es geht Ihnen nie um sich, sondern immer um das Team. Sie haben auf viel Geld verzichtet, um Ihrem Verein den finanziellen Spielraum für neue Spieler zu geben. Sie haben sich an die Spitze gekämpft gegen alle Widerstände, von Würzburg aus haben Sie die Welt erobert und die Herzen von Millionen von Menschen gewonnen.

Niemand repräsentiert „Made in Germany“ im Ausland besser als Sie

Niemand repräsentiert „Made in Germany“ im Ausland besser als Sie. Mit ihrer Leistung, aber eben auch mit Ihrem vorbildlichen Auftreten. Sie haben den Basketballsport revolutioniert mit Ihrer Technik, Ihr „Fadeaway-Jump“ hat das Spiel verändert. Sie haben der Welt gezeigt, dass auch große Jungs werfen können. Und wie. Rekord um Rekord haben Sie in den vergangenen Jahren gebrochen. 13-facher Allstar, bester Spieler der Saison (2007) und der Finals (2011), einziger Spieler in der Geschichte der NBA, der mindestens 25 000 Punkte, 10 000 Rebounds, 1000 Blocks und 1000 Dreier erzielt hat. Und so weiter. So könnten wir das stundenlang fortsetzen. Und als Sie mit Dallas 2011 die NBA gewannen, waren Sie vollendet.

Längst wird auch in den USA nicht mehr diskutiert, ob Sie eine Legende sind, sondern nur noch, wo man Sie einordnet in der Geschichte der besten Basketballer der Historie. In die Top 20? In die Top Ten?

Am 5. Februar 1999 haben Sie Ihren ersten NBA-Punkt gemacht, nun, im Moment Ihres 30 000. Zählers am Dienstagabend, zeigte der Videowürfel in Dallas Ihren Mentor Holger Geschwindner, mit Tränen in den Augen. Gänsehaut auch bei uns, die wir uns nicht im entferntesten vorstellen können, welch Arbeit hinter all dem steckt. Die Sportwelt verneigt sich an diesem Tag vor Ihnen, Stars wie Kobe Bryant, LeBron James oder Steph Curry, Toni Kroos oder Mats Hummels. Oder auch der Schauspieler Ben Stiller.

Lieber Dirk Nowitzki, auch wir verneigen uns.

Ihr Tobias Schall